Justin Timberlake: The 20/20 Experience - 2 of 2

Justin Timberlake: The 20/20 Experience - 2 of 2

Sony

VÖ: 27.09.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Justin Timberlake ist dieses Jahr so umtriebig wie noch zu keinem Zeitpunkt seiner Karriere zuvor. Ein Film, eine Tour und gleich zwei neue Alben stehen auf seiner Agenda! Und dies, nachdem man musikalisch sieben Jahre auf ein neues Werk warten musste. „The 20/20 Experience - 1 of 2“ wurde im März veröffentlicht und war natürlich immens erfolgreich. Warum das so ist? Die Singles haben sich schnell eingebrannt und verstopften tagtäglich die Radiostationen dieser Welt. Suchtfaktor hatte das Material trotzdem. Und natürlich war die große Fangemeinde ausgehungert nach neuer Musik. Es war ein Selbstläufer. Ob diese mit der zweiten Runde auch gelingen wird, bleibt abzuwarten. Eine Übersättigung hat bei den Fans aber sicher noch nicht eingesetzt.

 

Als Produzent stand ihm hier selbstverständlich abermals Timbaland zur Seite. Die neuen Songs sind weniger eingängig und mitunter gar ein bisschen sperrig. Nach dem eher fröhlichen ersten Album ist „Nr. 2“ auch weitaus dunkler. „True Blood“ hat in dieser Hinsicht ja schon eine dickes Ausrufezeichen gesetzt. Abgesehen davon ist der Gesang von Timberlake auch nicht mehr so süßlich und hört sich jetzt wesentlich männlicher und erwachsener an. Ob dies der Damenwelt gefallen wird? Die üblichen Timberlake-Trademarks sind hier definitiv nicht mehr so offensichtlich vorhanden. Dies kann dem Album aber nur gut tun, denn sonst würde der größte amerikanische Popstar unserer Zeit auch auf der Stelle treten.

 

„Gimme What I Don´t Know (I Want)“ fängt melodisch in bekanntem Terrain an. Daran hat sich Timberlake schon mehrfach abgearbeitet. „True Blood“ klackert sich danach aber in andere Sphären. Der Beginn lässt sicher nicht an einen Song vom guten Justin denken. Danach geht es ab auf den Dancefloor, aber immerhin nicht mit den bekannten Gewändern. „Cabaret“ schleppt sich ganz gemütlich dahin, ist ja auch kein Wunder, denn sonst kann Drake schließlich nicht mithalten. Die Nummer hat aber ihren Reiz und entwickelt sich schnell zum Ohrwurm der etwas anderen Art. „TKO“ kennt man ja auch schon. Eine typische Single, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

 

Danach folgt der Stilbruch. „Take Back The Night“ ist Funk und Disco und lässt den Sound der Jackson 5 wieder aufleben. Guter Groove und mit seiner positiven Grundstimmung macht das durchaus Spaß. „Murder“ mit Jay-Z kann auch fett punkten – abermals sehr funky. Das verspielte „Drink You Away“ guckt mal kurz beim Rock vorbei und leiht sich da auch mal was aus. „You Got It On“ ist Timberlake-Standard und das kitschige „Amnesia“ ist vielleicht als Single geeignet, künstlerisch aber nur Kost aus dem Schnellimbiss. „Only When I Walk Away“ kann auch nur wenig neue Impulse setzen. „Not A Bad Thing“ lässt zum Schluss aber noch mal die Popsonne aufgehen und entlässt einen mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Album.

 

Fazit: Da guck mal einer an, da ist „The 20/20 Experience - 2 of 2“ doch um einiges besser wie der große Bruder aus dem März. Das ist mitnichten Ausschussware und kann hier und da ein paar dicke Ausrufezeichen setzen. Die übliche Timberlake-Soße gibt es zwar auch, aber die Radiostationen müssen ja auch irgendwie gefüttert werden. Funky, aber auch düster präsentiert sich Justin Timberlake hier und Timbaland hat endlich mal nicht immer die Oberhand. Insofern ist dieses Album tatsächlich ein Gewinn! Wer hätte das gedacht?

 

http://twooftwo.justintimberlake.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Justin Timberlake: The 20/20 Experience (Deluxe Edition)

Justin Timberlake: The 20/20 Experience (Deluxe Edition)

Sony

VÖ: 15.03.2013

 

Wertung: 6/12

 

Alleskönner Justin Timberlake erfreut seine Fans momentan mit einer künstlerischen Seite und Ausdrucksform, die seit einiger Zeit doch etwas von ihm vernachlässigt wurde. Mittlerweile ist es ja schon fast in Vergessenheit geraten, dass der Mann als Gesangstalent einst für Furore sorgte. Die erste Single „Suit & Tie“ mit Jay-Z blieb allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück. Natürlich trifft dies nicht auf den Erfolg des Songs zu. Die Vermarktungsmaschine läuft auf Hochtouren und wird jetzt, da „The 20/20 Experience“ endlich veröffentlicht wird, erst den Höhepunkt erreichen. Man weiß eben, wie man einen derartigen Superstar ins richtige Licht rücken muss, der Rest ist dann ein glatter Selbstläufer. Ein bisschen schade ist es, dass die eigentliche Musik dabei in den Hintergrund gerät. Die Verkäufe von „Suit & Tie“ waren und sind jedenfalls erstklassig und man kann davon ausgehen, dass das Album auch entsprechend abräumen wird.

 

„The 20/20 Experience“ ist nun das erste Solo-Album seit sieben Jahren. Aufgrund seiner anderen Betätigungsfelder hat man allerdings nie den Eindruck gehabt, dass Justin Timberlake jemals von der Bildfläche verschwunden ist. Überhaupt ist diese Platte erst sein drittes Werk. Mit zehn Songs fällt das Material allerdings auch etwas spärlich aus, da ist man mittlerweile ja ganz andere Dinge gewöhnt. Man muss schon zur Deluxe Edition greifen um auf die üblichen zwölf Songs zu kommen. Weniger ist ja bekanntlich mehr und wenn die Songs gut sind, dann interessiert es auch nicht mehr ob die Vermarktungskette heiß läuft und das eigentliche Werk recht kurz ausgefallen ist.

 

Angeblich kam die Inspiration für ein neues Album aus heiterem Himmel und dann hat Timberlake noch ein bisschen im Studio rumgespielt und zack, plötzlich war „The 20/20 Experience“ im Kasten. Inwieweit da Kalkül dahinter steht, kann natürlich nur der Meister aller Genres selbst wissen. Und wie hört sich dieses Werk nun überhaupt an? Nach Michael Jackson, klar. Motown kommt einem auch in den Sinn. Auch keine Überraschung. So ein bisschen macht er jetzt aber auch auf Frank Sinatra. Insgesamt sind die Songs über weite Strecken ziemlich langsam und wäre man böse, würde man langweiligen meinen. „Let The Groove Get In“ ist immerhin ein Song für den Dancefloor und die afrikanischen Elemente sorgen sogar für die entsprechende Spannung. Mit „Pusher Love Girl“ versucht sich Timberlake anscheinend als zeitgemäßer Crooner zu platzieren und scheitert damit einigermaßen. Die Michael Jackson Anleihen sind allerdings gelungen und sicher besser wie alles, was der selbsternannte King Of Pop in seiner letzten Karrierephase vom Stapel gelassen hat.

 

„Don´t Hold The Wall“ weicht von diesem Weg nur wenig ab und Timbaland macht die Nummer eben dann zu einem typischen Timbaland-Ding. „Strawberry Bubblegum“ fährt dann eher auf der Barry White Schiene, während „Tunnel Vision“ die bekannten Popelemente der letzten Jahre nur zitiert. Natürlich macht das Justin Timberlake auf seine Weise ganz geschickt, ist ja auch ein schlauer Bursche, aber kreativ oder innovativ ist sicher anders. Und so quält man sich durch die gesamte Platte. Mit „Spaceship Coupe“ gibt es gar mal wieder die erwartete Schmachtballade. Immerhin ist das soulige „That Girl“ eine schöne Abwechslung zum Rest. Den Popkitsch von „Mirrors“ hätte er sich auch sparen können. Da er offensichtlich von seiner aktuellen Flamme Jessica Biel handelt, sei es ihm verziehen. Den besten Song hat er sich mit „Blue Ocean Floor“ bis zum Schluss aufgehoben und der Track besitzt gar Tiefe. Die beiden Bonustracks sind so eine Sache. „Dress On“ wird, bevor einem die Füße einschlafen, immerhin durch den Rappart aufgewertet und „Body Count“ passt eigentlich überhaupt nicht zum Album, bounct aber ordentlich.

 

Fazit: Justin Timberlake macht jetzt wieder Musik und veröffentlicht mit „The 20/20 Experience“ sein drittes Solo-Album. Fans dürfen sich freuen, denn natürlich bedient der Mann seine Kundschaft wieder erstklassig. Aber auch nur die! Alle anderen werden sich ratlos am Kopf kratzen und wundern, was dieser ganze Hype nun wieder sollte. Eine Neuerung gibt es aber durchaus: die Songs sind doch recht langsam, wer Dance-Tracks mit dem Anspruch voll auf die Zwölf erwartet, wird mitunter eine kleine Enttäuschung erleben. Kommerziell wird Justin Timberlake mit diesem Album ganz sicher den diesjährigen Pop-Thron besteigen – künstlerisch hingegen auf gar keinen Fall!

 

http://countdown.justintimberlake.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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