Judith Owen: redisCOVERed

Judith Owen: redisCOVERed

Twanky Records/Proper Records/H´art

VÖ: 25.05.2018

 

Wertung: 9/12

 

Judith Owen hat sich als famose Pianistin, Sängerin und Songschreiberin mit ihren beiden Studioalben „Ebb And Flow“ und „Somebody´s Child“ in viele Herzen gespielt. Sie ist allerdings auch für ihre famosen Interpretationen von Songs ihrer Musikerkollegen bekannt. Selbige kamen bei ihrem Publikum immer derart gut an, dass sich Judith Owen nun entschlossen hat mit „redisCOVERed“ ein ganzes Album mit fremden Songs aufzunehmen. Sie scheut dabei weder vor Genres, Jahrzehnten oder Interpreten zurück. Folglich ist das ein bunter Strauß bekannter Songs, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, aber auch mal relativ neu sein können.

 

Das Booklet gibt übrigens Aufschluss darüber, warum Judith Owen den jeweiligen Song ausgewählt hat. Wenn man so will, dann hat sie ihre eigenen, kleinen Geschichten damit verknüpft und lässt den geneigten Hörer nun daran teilhaben. Unter den zwölf Tracks sind einige, da fragt man sich, ob das funktionieren kann. Es kann! Mit der sensiblen Interpretation des Drake Hits „Hotline Bling“ startet sie famos in dieses Werk. „Shape Of You“ von Ed Sheeran wurde in seiner Grundstruktur nicht geändert. Die Bläser machen trotzdem etwas völlig Neues aus dem Stück. Die ganze unnötige Poppolitur wurde entfernt und siehe da, es ist tatsächlich ein gutes Ding.

 

„Black Hole Sun“ - einer der großen Hits der 90er – wird als eine Art Barjazz-Version dargeboten. „Hot Stuff“ von Donna Summer erstrahlt auch in neuem Glanz. So viel hat Judith Owen gar nicht geändert und doch hat sie die Essenz des Songs freigelegt und so neues Leben eingehaucht. „Cherokee Louise“ von Joni Mitchell ist einfach ein ganz große Nummer. In dieser zurückgenommenen Version darf man sich schon mal auf eine Gänsehaut einstellen. So würde das Tori Amos vermutlich auch interpretieren. „Can´t Stop The Feeling“ dürfte ja noch jeder auf dem Schirm haben. Justin Timberlake landete damit ja einen großen Hit. Millionen Kinder summen das Lied auf dem Trolls Film immer noch. Hier ist der Track fast gar nicht mehr wiederzuerkennen. Judith Owen singt den Song sehr ausdrucksstark, hat dabei die Gesangslinie aber dezent abgeändert. Stark!

 

„Ladies Man“ bleibt da etwas zurück und schippert etwas langatmig dahin. „Smoke On The Water“ wird bei Owen zu einer herzzerreißenden Ballade. So hat man die Nummer noch nie gehört und ja, es funktioniert ohne den eigentlich markanten Einstieg, den jeder Gitarrenschüler lernt, ganz hervorragend. „Summer Nights“ aus dem Musical Grease knüpft nahtlos daran an. Der Musical-Charakter wurde allerdings beibehalten. „Play That Funky Music“ unterstreicht, dass das Klavier durchaus ein sexy Instrument sein und auf dem man auch den Funk spielen kann. Zumindest wenn man Judith Owen ist. Groovt. Eigentlich covert man die Beatles nicht. Geht nicht. „Blackbird“ ist trotzdem eine schöne Interpretation, da gibt es nichts. Mit „Dream A Little Dream Of Me“ von den Mamas & Papas wird man auf wundervolle Art und Weise aus diesem Album entlassen.

 

Fazit: Judith Owen ist eine tolle Künstlerin. Mit ihrem Coveralbum zeigt sie sehr eindrucksvoll, dass sie in der Lage ist, Songs von Kollegen völlig neu zu arrangieren und zu ihren eigenen zu machen. Da spielen Genres auch keine Rolle mehr. Von Soundgarden über Drake, Justin Timberlake bis hin zu Joni Mitchell ist da sehr viel dabei, was eigentlich in unterschiedlichen musikalischen Welten zu finden, bei Judith Owen aber auf wundervolle Weise vereint wird.

 

http://www.judithowen.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch