Judith Owen: Somebody´s Child

Judith Owen: Somebody´s Child

Twanky Records/Rough Trade

VÖ: 13.05.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

„Somebody´s Child“ von Judith Owen unterscheidet sich insofern, dass das Vorgängeralbum eher nach innen gerichtet war, die neuen Songs nun aber globaler erscheinen. Wir sind schließlich alle Kinder. Kinder unserer Eltern. Kinder auf diesem Planeten. Sie agiert hier mit viel Wortwitz und manchmal auch recht scharfzüngig. Auch musikalisch ist „Somebody´s Child“ breit aufgestellt, was an den vielfältigen musikalischen Einflüssen ihrer Kindheit und Jugendzeit liegt. Eingespielt wurde das Album von den schon mehrfach bewährten Kräften. Wer Judith Owen schon in sein Herz geschlossen hat, wird von „Somebody´s Child“ ganz sicher nicht enttäuscht werden.

 

Die Vielfältigkeit und die tollen Arrangements zeigen sich in dem Doppel „We Give In“ und „No More Goodbyes“. Die erste Nummer ist zwar vom Klavier getrieben und von einem wunderbaren warmen Bassspiel durchzogen und die gesamte Atmosphäre erinnert an den Jazz, aber wie hier die Wörter in schneller Abfolge aus dem Mund von Owen kommen, ist dem R&B bis hin zum Rap nicht unähnlich. „No More Goodbyes“ hingegen ist eine wunderschöne Klavierballade, die unkitschig intoniert wird.

 

Auffallend ist die großartige Produktion und die feinen Arrangements. Der Titeltrack „Somebody´s Child“ eröffnet das Werk. Die Nummer erinnert an Tori Amos, ist aber gesanglich kratzbürstiger. Die Streicher muss man mögen, klar. „Send Me A Line“ holpert und stolpert sich wundervoll durch die Klaviertextur, während „Mystery“ eine Soul-Ballade vor dem Herrn ist. „Tell Your Children“ ändert nur dezent die Richtung, hat aber ein paar interessante Gitarrenlicks am Start. „Arianne“ erinnert ein bisschen an Alicia Keys, ist vom Gesang aber nicht so exaltiert. „More Than This“ wurde geschmackssicher ausgewählt und gibt dem alten Bryan Ferry-Heuler eine wunderbar entschlackte Wendung.

 

„That´s Why I Love My Baby“ korrigiert danach wieder die Richtung. Zwischen einem New Yorker Jazz-Club und Americana-Elementen der Südstaaten ist das ganz und gar großartig instrumentiert worden. „I Know Why The Sun Shines“ kriegt durch den Bass regelrecht eine düstere Note verliehen – stark. Mit „Josephine“ hat Owen danach eine weitere Ballade im Gepäck. Im Gegensatz zu einer Vielzahl ihrer Kolleginnen trifft sie dabei aber immer den richtigen Ton und lässt den Kitsch draußen vor der Studiotür. „Aquarius“ ist ein weiterer Coversong. Und ja, dabei handelt es sich um die Nummer aus dem Musical „Hair“. Was hieraus gemacht wurde, ist ja fast schon sensationell. Kopfhörer aufgesetzt und eingetaucht in dieses Kleinod! Mit dem schönen „The Rain Is Gonna Fall“ endet ein weiteres tolles Album von Judith Owen.

 

Fazit: Eigentlich müsste Judith Owen in der Superstar-Riege zu finden sein. Die Dame nimmt immer sehr gute Alben auf. Immer. Dies ist auch mit „Somebody´s Child“ wieder so. Zwischen Jazz, Pop, Soul und R&B hat sie hier wieder tolle Songs geschrieben und vorgelegt. Die warme Atmosphäre ist zudem herausragend. Sie macht eben keine Plastikmusik, vielleicht ist sie deshalb nicht in der vordersten Riege zu finden. Für Genießer!

 

http://www.judithowen.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

Judith Owen: Ebbing & Flowing – Judith In Germany 2015

Judith Owen: Ebbing & Flowing – Judith In Germany 2015

Twanky Records

VÖ: 09.10.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die aus Wales stammende Sängerin Judith Owen ist zwar noch nicht zum Superstar der ersten Reihe avanciert, aber wer ihr aktuelles Album „Ebb & Flow“, welches nun auch endlich in Deutschland veröffentlicht wurde, gehört hat, war über alle Maßen begeistert. Im Vorprogramm von Bryan Ferry dürfte sie noch mal eine ganz neue Hörerschaft für sich gewonnen haben. Jetzt kommt Judith Owen für eine erste Solotour nach Deutschland. Zur Überbrückung bis zum nächsten Album wird nun die limitierte Mini-Compilation „Ebbing & Flowing – Judith In Germany 2015“ veröffentlicht.

 

Es ist – wie nicht anders zu erwarten – sehr schöne, getragene Musik. Wer auf eine kräftige Stimme und Piano steht, kommt mit diesen acht Songs voll und ganz auf seine Kosten. „Aquarius“ ist nur hier exklusiv auf dem Album zu finden. Es handelt sich da um eine Coverversion des Songs aus dem Hippie-Musical „Hair“. Die Umsetzung ist ganz famos. Zwischen Jazz und Psychedelica nimmt das Piano zwar den dominierenden Musikteil ein, aber der treibende Bass und die dezenten Gitarrenlicks veredeln das Stück zusätzlich.

 

Mit „In The Summertime“ folgt eine weitere Coverversion. Die Mungo Jerry-Nummer ist ja eigentlich ziemlich ausgelutscht, aber Judith Owen schafft es, selbiger neues Leben einzuhauchen und etwas leichtfüßiges zu vermitteln. „Train Out Of Hollywood“ groovt derart lässig, dass es nur so eine Freude ist. Der Refrain hat zudem Ohrwurmqualitäten. „I´ve Never Been To Texas“ ist eine völlig unkitschige Ballade die zu Herzen geht. Dies trifft auch auf das wunderschöne „Nicholas Drake“ zu, bei dem sie von Richard Thompson unterstützt wird. „My Father´s Voice“ ist die vertonte Gänsehaut. Ein Song, der in einen dieser Filme über New York gehört. Einen dieser traurigen Filme die im Winter spielen. „Here“ ist zwar nicht schlecht, aber mehr als nett ist der Song dann nicht. Dies liegt mitunter aber auch an dem überragenden, restlichen Material. „Let´s Hear It For Love“ ist musikalisch und gesanglich herausragend – eine Mischung aus Tori Amos und Alicia Keys.

 

Fazit: „Ebbing & Flowing – Judith Live In Germany 2015“ ist ein schönes Minialbum von Judith Owen. Fans werden die Platte ganz schnell in ihr Herz schließen, da dies gesanglich und musikalisch großartig ist. Zwischen Jazz, Singer/Songwriter und den ganz großen Gefühlen ist das einfach mal authentische Musik der alten Schule, die nichts mit aktuellem Popgedöns zu tun hat und auf seine Art zeitlos ist. Nichts für junge Leute, aber Musikliebhaber sollten diese acht Tracks unbedingt mal antesteten!

 

http://www.judithowen.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

Judith Owen: Ebb & Flow

Judith Owen: Ebb & Flow

Twanky Records/Rough Trade

VÖ: 27.02.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die aus Wales stammenden Künstlerin Judith Owen wird in ihrer Wahlheimat USA für ihre Musikkunst mit viel Lob bedacht. Ihr achtes Album „Ebb & Flow“ konnte ebenfalls die Kritiker und ihre Fans überzeugen. In unseren Breitengraden hat man allerdings noch recht wenig Notiz von ihr genommen. Jetzt hat sich für „Ebb & Flow“ aber ein Vertrieb gefunden und nun wird die Platte auch hier noch mal veröffentlicht. Eigentlich dachte man, dass durch das Internet diese Zeiten längst vorbei sind, aber im Falle von Judith Owen macht das durchaus Sinn.

 

Die zwölf Songs zeigen eine sehr feinfühlige Sängerin. „I Would Give Anything“ erinnert an die junge Tori Amos - trotz jazzigem Gundton. Dies ist die Art von Musik, die man an einem regnerischen Samstagnachmittag auflegt. Gänsehaut ist da vorprogrammiert. „Train Out Of Hollywood“ spannt einen Bogen vom Jazz der Marke Norah Jones bis hin zum Pop und der Brillanz von Joni Mitchell. Zu „In The Summertime“ muss man ja nicht mehr viel sagen. Der Klassiker von Mungo Jerry wurde schon oft genug gecovert. Judith Owen macht das auf eine sehr dezente und einfühlsame Art und Weise. „Hey Mister, That's Me Up On The Jukebox“ von James Taylor wird wunderbar durch das Klavierspiel getragen, besticht aber auch durch einen groovigen Unterbau.

 

„Under Your Door“ ist einfach erstklassige Popmusik, die Art, die heutzutage nicht mehr im Radio gespielt wird. „About Love“ ist eine weitere Ballade aus der Jazzabteilung. Das Album besticht einfach mit einer ganz wundervollen Atmosphäre. Es sind nachhaltige Lieder, keine 08/15-Kost. Handgemachte Songs, die wunderschön instrumentiert wurden. Man höre sich nur „I´ve Never Been To Texas“ an, da geht einem doch das Herz auf. Es geht auf „Ebb & Flow“ um Verlust und Frustration, Traurigkeit und Einsamkeit. Judith Owen vergräbt sich aber nicht in und hinter der Melancholie, sondern schafft durch ihre Musik etwas unglaublich Schönes. Dies schließt natürlich nicht aus, dass einen auch mal die Melancholie-Keule mit „You´re Not Here Anymore“ trifft.

 

„One In A Million“ darf durchaus als schöne Popmusik im Liedermacher-Gewand bezeichnet werden. „Your Are Not My Friend“ haftet gar etwas Geheimnisvolles an, während „Sweet Feet“ zwischen Soul, Folk und großartiger Singer/Songwriter-Mentalität das Klavier in den Mittelpunkt stellt. Das berührende „Some Arrows Go In Deep“ beendet „Ebb & Flow“ mit einer sehnsüchtigen Melodie.

 

Fazit: Judith Owen ist mit „Ebb & Flow“ ein ganz fantastisches Album gelungen. Abseits von dem ganzen musikalischen Mist dieser Tage, ist das eine Platte von einer Musikerin und Sängerin für Musikliebhaber, die noch authentische und handgemachte Songs zu schätzen wissen. Zwischen Jazz, Singer/Songwriter, Folk und Pop sind dies berührende Lieder, die dem Zuhörer aber auch immer sehr viel Schönheit bieten!

 

http://www.judithowen.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch