Joris: Hoffnungslos Hoffnungsvoll

Joris: Hoffnungslos Hoffnungsvoll

Sony

VÖ: 10.04.2015

 

Wertung: 7/12

 

Man zuckt in der letzten Zeit ja immer ein bisschen zusammen, wenn ein deutschsprachiger Sänger, Musiker und Künstler auf der Bildfläche erscheint. Andreas Bourani, Tim Bendzko und Adel Tawil haben einfach zu viel verbrannte Erde hinterlassen. Man kann den Befindlichkeitspop einfach nicht mehr hören. Die Zeiten, wo die Altvorderen noch eine Deutschquote verlangten, sind längst Geschichte. Die Radiolandschaft ist mittlerweile ja mit schlechter, deutschsprachiger Musik zugekleistert worden. Jetzt tritt der 25-jährige Joris aus Vlotho bei Bielefeld auf den Plan. Ein Multitalent ist dieser junge Kerl wohl, denn er spielt Gitarre, Klavier, Schlagzeug, schreibt, komponiert und hat die Songs seines Debütalbums - „Hoffnungslos Hoffnungsvoll – mitproduziert. Diese 13 Nummern passen nicht immer zwischen die oben genannten Gesangsbarden, leider aber immer noch viel zu oft.

 

Das ruppige Popstück „Neustart“ lässt sich zu Beginn dann aber noch ganz gut an. Das erinnert an bisschen an Madsen, als die Herren noch frei von der Leber agierten und auch mal die Zügel losließen. Die Debütsingle „Herz Über Kopf“ drückt zwar nicht mehr so auf das Gaspedal, ist aber doch eine nette Popfolknummer, die sich irgendwo zwischen Clueso und Madsen einsortiert. Und dann passiert es leider doch wieder, dieses abdriften in das Tal der Tränen. Das sanfte „Feuerwerk“ ist dabei allerdings ein richtig gutes Stück. Wer sich noch gerne an die Nationalgalerie zurückerinnert, wird dieses Stück zunächst lieben. Die Wendung hin zu Silbermond wird allerdings nicht jedem gefallen. Zusammenstehen und Zusammenhalt, darum geht es Joris hier. Und er feiert es. Warum auch nicht?

 

„Schnee“ und „Sommerregen“ können das bis hierhin ganz ordentliche Niveau nicht halten und fallen in diese Belanglospopkitschecke ab. „Bittersüß“ fängt zunächst auch eher wie einer dieser Bendzko-Hits an, legt dann aber noch ganz viel Bombast zu und dann kommt einem glatt Coldplay in den Sinn. „Hoffnungslos Hoffnungsvoll, der Song, kann mit einem schönen Pianothema punkten. „Im Schneckenhaus“ steigt hinab in das Jammertal und auch „Hollywood“ tut sich zunächst schwer selbiges wieder zu verlassen. Bemüht, ja, aber der Weg ist noch schwer und steinig. „Stadt In Den Wolken“ schafft es zum Glück. So muss es sich wohl anhören, wenn Casper mit Coldplay im Studio stehen und musizieren würde. Das akustische „Wie Man Es Auch Dreht“ ist nach „Bis Ans Ende Der Welt“ eine willkommene Abwechslung. Endlich gibt es mal einen lockeren Umgang mit Text und Musik. Nicht mehr so bedeutungsschwer. Joris präsentiert hier eine musikalische Seite von sich, die man gerne öfters gehört hätte.

 

Fazit: Joris hat Talent und Potenzial. Joris macht handgemachte Musik, die meist melancholisch angehaucht ist. Musik, die leider zu oft nach den ganzen Befindlichkeitspoeten aus Deutschland klingt. Wer sich in dieser Ecke wohlfühlt, den wird auch „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ begeistern und wie eine wärmende Decke einhüllen. Vielleicht kann sich Joris mit dem zweiten Album abgrenzen. Joris hat durchaus das Talent dazu!

 

http://www.jorismusik.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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