Jolina Carl: Forward Back Home

Jolina Carl: Forward Back Home

Take That Road Records/Cargo

VÖ: 13.04.2018

 

Wertung: 5/12

 

Jolina Carl veröffentlicht mit „Forward Back Home“ nun schon ihr viertes Album. Wie auch die anderen Alben, wird auch das neuerliche Werk in Deutschland eher eine Nischendasein fristen. Die Dame ist eben eine typische Vertreterin amerikanischer Musik. Man möchte gerne ein Roots davor setzen, aber dafür ist das dann doch zu brav und hat weniger mit den ganz Großen der Zunft gemein, als mit Musik für die Truckerkneipe an endlos anmutenden Highways. „Forward Back Home“ wurde in Nashville aufgenommen und dort von Thomm Jutz produziert. Als Musiker konnte sie einige erstklassige Instrumentalisten gewinnen, die auch schon Auftragsarbeiten für Dolly Parton, Taylor Swift oder Marty Stuart erledigt haben.

 

Das Album fängt mit „Get Rhythm“ ziemlich schmissig an. Da finden sich sogar Bluegrass-Elemente wieder. Das groovt zudem ganz ordentlich zwischen Rock und Funk. Die Mundharmonika ist das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Dieser Pfad wird aber schon mit „Wishin´ We Had“ wieder verlassen. Mit Ray Scott ist da ein Vertreter des modernen Country dabei. Die beiden Stimmen ergänzen sich prima und die entspannte Atmosphäre trägt zur guten Stimmung bei. Die Country-Ballade „All Through The Years“ ist allerdings etwas altbacken. „Thank God For Johnny Cash“ sogar unangenehm kitschig.

 

Bei „Bent Metal“ passt der Country-Anzug ein bisschen besser. Wenn wir Deutschen versuchen Country zu spielen, dann ist das trotzdem immer ein bisschen zu sehr auch im Schlager verhaftet. Da ist die Ballade „You Were The One“ auch keine Ausnahme. „I Wanna Hear You Say It“ ist eine weitere klassische Country-Ballade, allerdings als Duett angelegt. Billy Yates ist hier ihr Gesangspartner. „His Hideaway“ hat dann abermals den Man in Black als Thema. Er soll mal ein Zeichen geben und „Ring Of Fire“ kommt auch noch als Zitat vor. Auweia. Das hört sich zudem auch noch wie Musik für die Festzelte an. Die düstere Ballade „Journey To The Moon“ ist mehr Pop als Country. „Valerie“ ist eine Coverversion. Ganz genau, jener Song, der schon Amy Winehouse zu Ruhm verholfen hat. Ganz schlechte Idee, das Ding hier so als Countrygalopp zu verheizen. Noch schlimmer wird es zum Schluss mit „Hallelujah“. Diesem Manifest wird die komplette Seele geraubt. Das ist doch keine Nummer, die man einfach mal so nachsingen kann. Kein Gefühl, kein Nichts.

 

Fazit: Jolina Carl aus Elsdorf bei Köln hat zwar in den USA als einzige Nichtamerikanerin bei einem Gesangswettbewerb in Nashville schon für Furore gesorgt, mit ihrem neuen Album „Forward Back Home“ kann sie sich aber nicht von der altbackenen Biederkeit befreien, die uns Deutschen immer anhaftet, wenn wir versuchen Country-Musik zu spielen. Das klingt dann immer nach Festzelt oder bestenfalls einem Truck Stop. Die Coverversionen sind zudem das pure Grauen. Country ist für Jolina Carl sicher eine Herzensangelegenheit, aber diese Songs hier können sich in keinster Weise mit den Großen messen, denn dafür ist das Songmaterial einfach nicht gut genug.

 

https://jolinacarl.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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