Jessie Ware: Tough Love

Jessie Ware: Tough Love

Universal

VÖ: 17.10.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Sind tatsächlich schon wieder zwei Jahre vergangen seit Jessie Ware ihr Debütalabum veröffentlicht hat? In der Zwischenzeit ist viel passiert und auf der Insel ist die Dame mittlerweile zu einer der ganz Großen aufgestiegen. Sie hat einen Status erreicht, der es ihr erlaubt mit Leuten wie dem Erfolgsduo BenZell, Ed Sheeran und Paul Buchannan, von ihrer erklärten Lieblingsband The Blue Nile,  zu arbeiten. Es ist aber freilich nicht so, dass sie die Zügel aus den Händen gegeben hat, denn selbstverständlich war sie federführend an den Songs beteiligt und letztlich ist „Tough Love“ ihr Baby!

 

„Tough Love“ besticht fast schon durch eine auffallende Einfachheit. Die Beats werden dezent gesetzt, die Soundflächen fließen schön gefällig aus den Boxen und der Gesang ist nicht zu aufdringlich und fügt sich wunderbar in das Gesamtbild ein. Hier und da gibt es dann ein Gitarrenlick oder eine nette Bassidee. Insofern führt „Tough Love“ den Weg von „Devotion“ konsequent weiter, ist aber keine Kopie oder Neuauflage.

 

Mit dem Titelsong „Tough Love“ hat sie zunächst nämlich ein Stück am Start, welches auf eine schöne Art an London Grammar erinnert. Dies an den Anfang zu stellen ist sogar recht mutig, denn der Track wechselt mehrmals das Tempo und ist sicher nicht die leichte Popkost, die man von Jessie Ware vielleicht erwartet hätte. „You & I (Forever)“ ist aufgrund seiner dunklen Passagen zwar zunächst noch etwas verstörend, der Refrain geht aber wie Puderzucker rein und von daher hat die Nummer logischerweise jede Menge Hitpotenzial, ist aber eben auch auf ein Fundament gestellt worden, welches die Indiefraktion sogar abholen könnte.

 

Dies trifft mitunter auch auf „Cruel“ und „Say You Love Me“ zu. Gerade bei letztgenanntem Stück wird mehr weggelassen denn zugekleistert – die große Stärke der ersten Hälfte. Man hat hier nie das Gefühl, dass dort zu viel stattfindet. Für Popmusik im Jahre 2014 ist das mal eine ganz neue und erfreuliche Erfahrung. „Sweetest Song“ ist schlicht und ergreifend moderne Popmusik für Erwachsene. Gut gemacht, toll arrangiert und hervorragend umgesetzt.

 

Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann das da eine Art Ausreißer fehlt. „Kind Of...Sometimes...Maybe“ oder „Want Your Feeling“ können das bisher Gehörte kaum variieren oder neue Akzente setzen. Auch die Ballade „Pieces“ ist im Grunde ganz nett, hat aber nichts Neues mehr zu erzählen. So landet man dann schließlich bei „Desire“ und dann ist der anfänglich vorzügliche Spuk auch vorbei und es ist im letzten Drittel nicht mehr viel passiert.

 

Fazit: Jessie Ware macht mit „Tough Love“ eigentlich nicht viel verkehrt. Die Songs sind größtenteils in der richtigen Balance und nicht überladen. Reduzierte Beats und ein zurückgenommener Gesang lassen Platz um selbst die Indiefraktion zu einem anerkennenden Nicken zu bewegen. Leider schleicht sich aber auch ein kleines Manko ein – und das kennt man leider auch schon vom Debüt – es fehlt die Abwechslung und so kriecht das gerade im letzten Drittel doch recht eintönig aus den Boxen. Trotzdem hebt sich Jessie Ware mit diesem Werk sehr angenehm von ihren Pop-Kolleginnen ab!

 

http://jessieware.com/17th/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Jessie Ware: Devotion

Jessie Ware: Devotion

Universal

VÖ: 17.08.2012 (digital)/14.09.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Zukunft des Pop ist auch gleichzeitig deren Vergangenheit. Jessie Ware wird die letzten Monate gerne als die neue Sensation am Pophimmel verkauft und ihr werden schon jetzt Wunderdinge nachgesagt. Von einem völlig neuen Ansatz ist da oftmals die Rede. Gut, muss man nicht mehr viel drauf geben. Mittlerweile wird ja ständig irgendwo eine junge Dame ausgegraben, die in irgendeiner Form die Musikwelt retten soll und auf den Kopf stellen wird. Jessie Ware wird nichts auf den Kopf stellen und auch das Genre nicht neu definieren. Sie legt mit „Devotion“ dennoch ein immens interessantes Album vor – gut ist es noch obendrauf. Wenn man nicht aufpasst, dann ist es auch langweilig. Wie geht denn das zusammen?

 

Da müsste man schon mit der Definition und der Kategorisierung der Songs anfangen. Pop, klar! Soul und R&B wurde ebenfalls dezent in den Soundteppich eingewebt. „Devotion“ geht allerdings auch als Loungemusik über die Ziellinie. Das ist alles so gefällig und unaufdringlich, dass es sich auch gut als Berieselung aus dem Hintergrund eignet. Fahrstuhl- oder Kaufhausmusik passt aber trotzdem nicht, denn dafür sind die Tracks zu düster und speziell. Der Titeltrack „Devotion“ verbreitet ja schon regelrecht Beklemmungen. Dies macht aber auch die Faszination aus. Durch die ganze Platte flirren die elektronischen Klänge, werden – wie bei „Running“ - auch mal von einem filigranen Gitarrenmotiv aufgelockert.

 

Als Pop im eigentlichen Sinne geht „Wildest Moments“ durch. Gerade der Beat sorgt dafür, dass auch der Dancefloor bedient wird. Bei Jessie Ware geschieht das aber immer auf eine völlig unaufgeregte Art und Weise, dass es schon wieder entspannend wird. Die Platte scheint voller Widersprüche. Trotzdem kommt dies alles wie an der Perlenkette aufgezogen daher. Jessie Ware hat mit diesem Album die Großstadtmelancholie vertont. „Night Light“ und „Swan Song“ verdeutlichen dies mehr als eindrucksvoll. Es fehlt allerdings auch die Abwechslung. Die Songs sind genau so schnell wieder aus dem Gedächtnis gelöscht, wie hinein geflirrt sind.

 

Das alles kennt man aber auch von einer ganz Großen, die ihre beste und erfolgreichste Zeit wohl in den 80ern hatte: Sade! Jessie Ware und ihre Songs hören sich wie eine moderne Ausgabe von Sade an. Der Sound wurde ein bisschen aufgepeppt, der Zeit angepasst und mit elektronischen Elementen angereichert, aber im Grunde ähnelt diese kühle Ästhetik auch jener von Sade. Und beide Damen sind mit Ausnahmestimmen gesegnet.

 

Fazit: „Devotion“ von Jessie Ware gehört dieses Jahr zu den heißersehnten Alben der weiblichen Pop-Chanteusen. Jetzt, wo das Werk endlich vorliegt, wird die ganze Kiste wieder auf ein gesundes Maß schrumpfen. Mit kühlen und dunklen Klängen, die oftmals im elektronischen Gewand daherkommen, führt Jessie Ware den Weg von Sade weiter. Der Sound erinnert weniger an die 80er, dafür passt die Ästhetik und die Stimme von Jessie Ware umso besser. Die gute Platte ist nicht uninteressant, allerdings auch wenig abwechslungsreich und man muss aufpassen, dass die Gedanken nicht abschweifen. Für Fans der gepflegten und unaufgeregten Popklänge ist die Platte auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

 

http://jessieware.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch