Jean-Michel Jarre: Equinoxe Infinity

Jean-Michel Jarre: Equinoxe Infinity

Sony

VÖ: 16.11.2018

 

Der Traum vieler Fans erfüllt sich. Jean-Michel Jarre hat doch tatsächlich eine Fortsetzung von „Equinoxe“ aufgenommen. „Equinoxe Infinity“ wird sogar exakt 40 Jahre nach seinem Vorgänger veröffentlicht. 1978 erschien die Platte nämlich auch am 16. November! Jarre folgt hier wieder einer Vision, die schon 1978 erstaunlich war. Wer den Mann damals als Spinner abgetan hat, muss sein Urteil nun spätestens mit „Equinoxe Infinity“ widerrufen.

 

Worum geht es? Um Technik und Maschinen. Um die Watchers, die uns beobachten. Sind die Maschine gefährlich? Fragen, die uns im Jahre 2018 mehr denn je beschäftigen sollten. Antworten gibt es noch keine. Insofern veröffentlicht Jarre das Album auch mit zwei Covern. Auf dem schöneren sind die Watchers im Einklang mit der Natur, also auch mit uns Menschen, zu sehen und dann gibt es ein weiteres Covermotiv, welches die Zerstörung des Planeten durch den Mensch und die Maschinen erahnen lässt. Bestellt man das Album, kann man sich das Motiv übrigens nicht aussuchen, denn Jarre möchte, dass es nach dem Zufallsprinzip verschickt wird.

 

Der Auftakt mit „The Watchers“ ist ein toller Einstieg in das Album. Das programmatische „Robots Don´t Cry“ verbreitet genau die Stimmung, die der Titel suggeriert. Das ist die große Stärke von Jarre, er kann mittels seiner elektronischen Welten genau ausdrücken, um was es ihm geht. Dazu braucht es gar keiner Worte. Dies zeigt sich dann auch in einem Track wie „If The Wind Could Speak“. Besser kann man das Thema vermutlich nicht umsetzen. Das Meeresrauschen von „Infinity“ wird durch ein fröhliche Melodie abgelöst, die von den 80ies bis zu David Guetta einen Bogen spannt. „Machines Are Learning“ wird wieder düsterer. Es geht allerdings auch nicht in die komplett dunkle Ecke. Man weiß eben nicht, ob die Maschinen einen guten oder bösen Weg einschlagen. „The Opening“ fügt sich da sehr schön ein, bevor „Don´t Look Back“ unaufgeregt seine Soundscapes dem Hörer darbietet. Der futuristische Titeltrack - „Equinoxe Infinity“ - holt über sieben Minuten noch mal alles aus der Electrokiste raus.

 

Fazit: Fans des Pioniers Jean-Michel Jarre werden „Equinoxe Infinity“ vermutlich lieben. Der Mann braucht nur seine Sounds um seine Geschichten mit Nachdruck zu erzählen. Die Maschinen, mit denen er arbeitet, erzeugen die Wörter ohne Sprache – man versteht es auch so. Wer sich in der elektronischen Musik gut aufgehoben fühlt, sollte dieses Album vermutlich unbedingt antesten!

 

www.jeanmicheljarre.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Jean-Michel Jarre: Planet Jarre

Jean-Michel Jarre: Planet Jarre

Sony

VÖ: 14.09.2018

 

Selbst wer elektronische Musik eigentlich ablehnt, kommt nicht umhin anzuerkennen, dass Jean-Michel Jarre seit vielen Dekaden einer der Pioniere des Genres ist und so manchen herausragenden Track herausgebracht hat. Jetzt feiert der Mann sein 50-jähriges Schaffen mit einem Album. „Planet Jarre“ ist aber nicht eines der klassischen „Best Of“-Alben. Jarre hat als sein eigener Kurator fungiert und die Tracks ausgewählt. Dabei lag sein Augenmerk keineswegs auf den erfolgreichsten Songs, sondern vielmehr auf einer stimmigen Erzählstruktur. Jarre legt den Fokus immer auf die nicht erwartbaren Dinge. Er ist eben ein richtiger Künstler mit einer Vision.

 

Er selber sagt, dass er, als er sich durch sein eigenes Schaffen gehört hat, feststellen musste, dass er im Grunde Musik in vier Stilen geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht hat. Folglich hat er das Album nun auch in diese vier Stile unterteilt und dies alles würde einen Planeten ergeben, seinen Planeten. So erklärt sich dann auch der Titel „Planet Jarre“. Unterteilt ist das nun in „Soundscapes“, „Themes“, „Sequences“, „Explorations & Early Works". So ergibt sich ein unglaublich stimmige Tracklist. Man hört der Anordnung an, dass sich da sehr viele Gedanken gemacht wurden, damit das nicht nur wie eine Aneinanderreihung von Tracks klingt.

 

Der Titel „Planet Jarre“ hätte nicht besser gewählt werden können. Man taucht hier in eine ganz eigene Welt und Klangästhetik ein. Ohne jetzt ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet zu sein – genau genommen kann man mich mit elektronischer Musik jagen – gefallen die „Soundscapes“ extrem gut. Das sind anspruchsvolle Klanglandschaften, die teilweise epische Ausmaße annehmen und den Zuhörer auf eine Reise mitnehmen. Schließt man die Augen, dann wähnt man sich in einer ganz anderen Welt. Geht es in der Musik nicht auch genau darum? Um Freiheit der Gedanken? Um das Aufzeigen von neuen Wegen? Um den träumerischen Aspekt? All das vereint die Musik von Jarre. „Qxygene 19“ nimmt einen beispielsweise mit in den Weltraum. „Chronology 1“ wirft das Kopfkino gar in höchstem Maße an, während „Oxygene 20“ für Entschleunigung sorgt. „Equinoxe 2“ wiederum ist für die sphärischen Klänge zuständig.

 

Der dramatische Aufbau von „Industrial, Revolution“ läutet dann die „Themes“ ein. „Oxygene“ nimmt auch da wieder eine zentrale Rolle ein. „4“ dürfte jeder kennen. Hier muss man schon von einem Welthit für die elektronische Musik sprechen. „2“ dürften auch noch viele auf dem Schirm haben. Hier wird es aber hektischer und die Melodie ist nicht so fließend. „Zoolookologie“ schafft den Spagat zwischen absolut tanzbar und zurück gelehnt. „Bells“ bleibt da auf der Tanzfläche. „Magnetic Fields“ geht zwar forsch nach vorne, ist vom dramaturgischen Aufbau der Klassik aber nicht unähnlich. Das düstere „Coachella Opening“ eröffnet dann die „Sequences“. Der Track sorgte beim gleichnamigen Festival schon für Begeisterung, nun endlich auch in der Studioversion zu hören. Die Nummer ist stark, der Rest plätschert für mich allerdings auch ab und an ziemlich ereignislos dahin. „Automatic Part I“ mit Vince Clarke hat noch was und bei „Exit“ kann man mal überprüfen, von wem sich Jarre aktuell so inspirieren lässt, aber für mich bleibt letztlich dieser Part des Doppel-Albums verzichtbar. Das ist aber wiederum ja auch Geschmackssache. Wer noch nicht ganz so tief in der Materie drinsteckt, dürfte an den „Early Works“ von Jean-Michel Jarre großen Gefallen finden. Dabei handelt es sich mitunter aber nicht um Uralttracks. Mit „Music For Supermarkets“ ist auch ein aktueller Demosong vertreten. Anderes, wie „La Cage“ oder auch „Hypnose“, geht bis in die Anfänge der 70er zurück. Da die Tracks als Remaster vorliegen, ist der Klang immer gleichbleibend überragend. In dieser Hinsicht wurde ein richtig toller Job gemacht!

 

Fazit: „Planet Jarre“ ist eine gelungene und recht üppige Zusammenstellung über das Schaffen von Jean-Michel Jarre. Der Meister hat sich eine ganz spezielle Anordnung überlegt und somit wirkt das nicht wie einer dieser üblichen „Best Of“-Zusammenstellungen. Man kriegt die Möglichkeit geboten, ganz tief in den Kosmos des Electro-Pioniers einzutauchen. Das nötig auch mir sehr viel Respekt ab, obwohl das eigentlich überhaupt nicht mein Genre ist. Der Mann hat hörbar nachhaltigen Einfluss auf viele nach ihm folgende Generationen genommen. Abgesehen davon sollte man den einen oder Track durchaus kennen!

 

https://jeanmicheljarre.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch