Jean-Michel Jarre: Oxygene 3

Jean-Michel Jarre: Oxygene 3

Sony

VÖ: 02.12.20016

 

Wertung: 7,5/12

 

Jean-Michel Jarre hat gerade mit „Electronica 1“ und „Electronica 2“ zwei gute Alben aufgenommen, die ihm ein ganz neues Publikum erschlossen haben. Durch diese beiden Werke ist eine ganz neue Generation auf ihn aufmerksam geworden. Jean-Michel Jarre ist aber nun schon seit 40 Jahren ein Visionär der elektronischen Musik. Mit „Oxygene“ feierte er einst weltweite Erfolge. 20 Jahre danach legte er mit „Oxygene 2“ (7-13) den Nachfolger vor. Jetzt wird die Trilogie beendet und „Oxygene 3“ enthält folgerichtig die Kompositionen 14-20. Jarre will mit dem dritten Teil „Oxygene“ in die Gegenwart holen und für das Hier und Jetzt öffnen.

 

Und wie nicht anders zu erwarten, war die Arbeit an „Electronica“ die Initialzündung für das neuerliche Werk. Er arbeitete an einem Stück, welches nun letztlich zu „Oxygene Part 19“ wurde. Sechs Wochen Zeit nahm er sich dann für das vorliegende Album – so, wie er es schon vor vierzig Jahren für die erste Ausgabe tat. Und erneut stand der Vorsatz im Vordergrund, den Zuhörer mit auf eine Reise zu nehmen. Es dürfte sich somit ein Kreis schließen – ebenso für Jean-Michel Jarre, aber auch für seine Langzeitfans.

 

„Oxygene 3“ ist im Grunde ein einziger, musikalischer Fluss. Sequenzer bestimmen das Klangbild. Musik für das Kopfkino. Musik, die an jedem Ort der Welt funktioniert, beim Zuhörer aber immer etwas anderes auslösen wird. Es kommt eben immer darauf an, wo und in welchem persönlichen Zustand man sich „Oxygene 3“ hingibt. Es kann gleichzeitig die schönste und positivste Musik der Welt sein, während es auf der anderen Seite die traurigsten Sounds des Planeten sind. Jean-Michel Jarre hat hier Klanggemälde entworfen, in die man sich vollends fallen lassen kann. Man wird von dem Künstler und Komponisten tatsächlich – bildlich gesehen – an die Hand genommen und auf eine Reise geschickt.

 

Fazit: Ob „Oxygene 3“ von Jean-Michel Jarre nun tatsächlich an die ersten beiden Werke anknüpft, kann mangels Kenntnis über die ersten beiden Alben nicht beurteilt werden. Das neue Album schafft es jedenfalls, eine durchgängig tolle Klanglandschaft aufzubauen und sofern man sich als Zuhörer darauf einlassen kann, wird man in eine andere Welt getragen. Ort, Zeit und Raum spielen dann keine Rolle mehr. Es kann eine sehr entspannte Erfahrung sein. Das ist nichts für jeden Tag, aber in der richtigen Stimmung nimmt einen die Musik gefangen.

 

http://www.jeanmicheljarre.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Jean-Michel Jarre: Electronica 2: The Heart Of Noise

Jean-Michel Jarre: Electronica 2: The Heart Of Noise

Sony

VÖ: 06.05.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Jean-Michel Jarre hat mit „Electronica 1: The Time Machine“ ein viel beachtetes Werk veröffentlicht. Die Kollaborationen der ersten Runde waren schon immens interessant und stark. Vielfältigkeit wurde da ganz groß geschrieben und trotzdem passte das alles wunderbar zusammen und der Albumfluss war schon beachtlich. Es war aber im Oktober schon klar – der Titel ließ daran ja keine Zweifel aufkommen – dass es noch mindestens eine Fortsetzung geben würde. Selbige liegt nun mit „Electronica 2: The Heart Of Noise“ vor. Die Kollegen, die sich Jarre hierzu eingeladen hat, sind nicht minder interessanter Natur. Das könnte mitunter sogar noch erfolgreicher wie das erste Album werden, welches ja schon sein erfolgreichstes Werk seit 1983 ist.

 

Die Superlative für „Electronica 2: The Heart Of Noise“ dürften bald wieder in allen Gazetten zu lesen sein. Da ist Jean-Michel Jarre aber auch ein wirklich interessantes Projekt gelungen und mit welcher Akribie er da gearbeitet und wen er da alles an den Start gebracht hat, ist schon beachtlich. Das ambivalente Verhältnis zur Technologie bestimmt „1 + 2“. Und da kommt sogar Whistleblower Edward Snowden ins Spiel, der hier einer der Gäste ist. Jean-Michel Jarre setzt sich ja sowieso seit Jahren für Rede- und Meinungsfreiheit ein. Was auf den ersten Blick also seltsam und komisch anmutet, passt dann doch perfekt zusammen. Zumal ein (teilweise) heftiger Techno-Beat das musikalisch noch wunderbar untermalt. Die Rede ist von „Exit“. In den mehr als sechs Minuten ist eine ganz Menge drin. Natürlich auch die Stimme und die Worte von Snowden – da hat die Musik allerdings fast Funkstille und ist nur bedrohlich im Hintergrund zu hören.

 

Dabei fängt das Album so ruhig und futuristisch an. „The Heart Of Noise – Part 1/Part 2“ könnte auch von Schiller sein. Die Zusammenarbeit mit den Pet Shop Boys lag ja irgendwie auf der Hand. Trotzdem ist „Brick England“ kein Song der ganz typisch nach diesem Duo klingt. Vielmehr hat Jarre dem Track seinen Stempel aufgedrückt. Das zieht sich auch durch „These Creatures“. Bei dem Song ist Julia Holter dabei. Hier denkt man mitunter an Enya, die jetzt ein Computerspiel musikalisch bereichert und mit ihrem Sound und Gesang unterlegt hat. Das nervt aber auch ein bisschen und ist ganz stark esoterisch angehaucht.

 

Man durfte auf die Zusammenarbeit mit Primal Scream gespannt sein. Die Band hat ja schon so ziemlich alles ausgelotet, was irgendwie musikalisch möglich ist. Leider bleibt das hinter den Erwartungen zurück. Zwischen Mickey Mouse Stimmen und nervigen Sounds sortiert sich das roboterhaft in das Album ein. Da kommt „Here For You“ mit Gary Numan doch schon wesentlich zwingender daher. Die Musik klingt nach einer modernen Version von Kraftwerk. Der Gesang passt erstaunlich gut dazu. „Electress“ mit Hans Zimmer ist auch überraschend gut ausgefallen. Da haben sich anscheinend zwei Klangtüftler gefunden. Der bombastische Teil dürfte ganz klar Zimmer zuzurechnen sein. Für das abgedrehte „What You Want“ konnte nur Peaches in Frage kommen. Die Dame rappt zu den zunächst minimalistischen Sounds, die sich aber immer weiter steigern, ganz grandios. Hier trifft zusammen was zusammengehört. „Gisele“ ist wunderbar entspannt, während „Switch On Lein“ sehr deutlich die Handschrift von The Orb erkennen lässt. Schön, dass Jarre seinen Gästen da auch genügend Raum zur Entfaltung lässt. Was haben wir noch? Das sphärische „Why This, Why That And Why?“ mit Yello. Oder „Swipe To The Right“ mit Cyndi Lauper, die ebenfalls erstaunlich gut mit Jarre harmoniert. Der Rest ist eher unspektakulär.

 

Fazit: „Electronica 2: The Heart Of Noise“ knüpft nahtlos an die erste Runde an. Die Kollaborationen sind auf dem Papier extrem interessant, können aber nicht immer das halten, was man sich davon versprochen hat. Auf der anderen Seite gibt es auch faustdicke Überraschungen, mit denen man so eben nicht gerechnet hat. Insgesamt sind das sehr futuristische Sounds, die der elektronischen Musik durchaus den Weg in die Zukunft weisen. Man sollte allerdings schon ein gewisses Faible dafür haben, denn sonst fällt es schwer vollends in dieses Werk einzutauchen!

 

http://jeanmicheljarre.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Jean-Michel Jarre: Electronica 1: The Time Machine

Jean-Michel Jarre: Electronica 1: The Time Machine

Sony

VÖ: 16.10.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Jean-Michel Jarre hat die elektronische Musik seit Jahrzehnten beeinflusst. Der französische Komponist und Produzent hat in den 70ern sogar maßgeblich dafür gesorgt, dass der Synthesizer eine tragende und zentrale Rolle in der elektronischen Musik einnahm. Der Mann war stets ein Visionär. Und als solcher ist er nun für das Projekt „Electronica 1: The Time Machine“ wieder unterwegs. Hiermit möchte Jean-Michel Jarre seine ganz persönliche Geschichte der elektronischen Musik erzählen. Auf diesem Album vereint er Newcomer und die Etablierten und schlägt somit auch wieder eine Brücke von der Vergangenheit in das Hier und Jetzt.

 

Seit 2012 arbeitet der Mann nun schon mit diversen Künstlern an diesem ehrgeizigen Projekt. Zunächst wurde „E-Project“ als Oberbergriff der Öffentlichkeit vorgestellt. Jarre hatte die Vision, dass durch die direkte Zusammenarbeit mit den jeweiligen Künstlern sein Einfluss auf deren Musik hörbar gemacht wird. Jetzt, da das Album vorliegt, dürfte auch klar sein, dass es eine Fortsetzung im nächsten Jahr geben wird und die 1 hinter Electronica durchaus als Aussage zu verstehen ist. Jean-Michel Jarre hat beispielsweise auch mit Hans Zimmer gearbeitet und das fand hier noch keine Berücksichtigung.

 

In der Pressemitteilung sind dann auch ein paar O-Töne von Jean-Michel Jarre zu lesen, die diesem Projekt letztlich ein Gesicht geben: „Ich wollte eine Geschichte der elektronischen Musik und ihres Vermächtnisses aus meiner ganz eigenen Perspektive und Erfahrung erzählen — von meinen eigenen Anfängen bis heute“, sagt Jarre: „Ich begann die Welt zu bereisen und gemeinsam mit den Künstlern zu komponieren und zusammenzuarbeiten, die direkt oder indirekt mit der Szene verbunden sind — Künstler, die ich für ihren unverkennbaren Sound und für ihre einzigartigen Impulse bewundere und die sich wiederum für mich als Quelle der Inspiration entpuppten. Ich hatte da diese Idee aber keinen Schimmer, wie sich das Projekt entwickeln würde. Das am Ende alle Künstler dabei sein wollten, hat mich zutiefst berührt.“

 

Auf „Electronica 1: The Time Machine“ sind mit Boys Noize, M83, Air, Vince Clarke (gleich bei 2 Tracks dabei), Pete Townshend, Massive Attack, Moby, John Carpenter(!) und Lang Lang – um nur einige zu nennen – völlig unterschiedliche Künstler dabei und nicht alle sind im elektronischen Genre beheimatet. Für Abwechslung ist also gesorgt und doch klingt das Album wie aus einem Guss.

 

Auf das – wie nicht anders zu erwarten – düstere „A Question Of Blood“ mit John Carpenter folgt mit „The Train & The River“ eine Nummer, die das meditative Spiel von Lang Lang mit dunklen und sphärischen elektronischen Klängen aufpeppt. Plötzlich klingt Lang Lang gar nicht mehr so entspannt und entschleunigend. Dies ist mitunter einer der besten Kollaborationen, da hier zwei völlig verschiedene Genres miteinander vereint werden und die sich dann auch noch so perfekt ergänzen und zum Schluss in einem Wahnsinnsritt enden. Auch „Travelator“ mit Pete Townshend überzeugt. Die Nummer hört sich übrigens ganz stark nach David Bowie an - „Hello Spaceboy“ kommt einem da in den Sinn. Coole Clubnummer.

 

„The Time Machine“ mit Boys Noize knüpft eher an die elektronischen Clubsounds der 90er an, während sich „Glory“ mit M83 sehr langsam dahin schleppt. In „Automatic 1 + 2“, der Zusammenarbeit mit Vince Clarke, kann man sich fallen lassen. Augen schließen und das Kopfkino anwerfen! „If..!“ wird von Little Boots gefeatured und klingt nach einem Pophit. Moby macht aus „Suns Have Gone“ eine – mehr oder weniger – typische Moby-Nummer, nur langsamer. Manches auf „Electronica 1: The Time Machine“ fließt aber auch etwas langweilig dahin und wird nur die Beinhart-Genre-Fans überzeugen.

 

Fazit: „Electronica 1: The Time Machine“ ist ein höchst ambitioniertes Projekt von einem der Pioniere der elektronischen Musik: Jean-Michel Jarre. Er hat dazu mit vielen Kollegen gearbeitet – manche davon auch aus anderen Genres. Das ist mal interessant und wegweisend hin und wieder aber auch etwas zu nett. Für Fans elektronischer Musik ist das aber ein Pflichtkauf. Im Booklet gibt es dann auch noch einige Informationen zu den einzelnen Songs und dem Projekt. Das Digipack klappt man übrigens, entgegen der Gewohnheit, von links nach rechts auf. Auch hier stellt Jarre alles auf den Kopf und sollte es sich dabei eher um einen Produktionsfehler handeln, dann ist das doch ein nettes Detail am Rande, welches zu dem eigentlichen Projekt dann doch wieder passt. Nächstes Jahr gibt es den Nachschlag.

 

http://jeanmicheljarre.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch