Itchy Poopzkid: Ports & Chords

Itchy Poopzkid: Ports & Chords

Findaway Records/Alive

VÖ: 25.01.2012

 

Wertung: 8/12

 

Musik bildet und ist ein wichtiger Kulturbeitrag. Mal ehrlich, es gab vor elf Jahren sicher nicht viele die Eislingen an der Fils sofort auf einer Deutschlandkarte gefunden hätten. Seit sich die Punkpopper von Itchy Poopzkid auf den Weg machten die Republik zu erobern, dürfte sich dies langsam aber doch stetig geändert haben. Mit anderen Worten: die Anhängerschaft wurde von Jahr zu Jahr und von Platte zu Platte größer. 700 Konzerte sprechen zudem eine deutliche Sprache. Da die Fans das Fundament stellen, auf dem Itchy Poopzkid mittlerweile mit festem Stand stehen, durften sich diese auf „Ports & Chords“ auch verewigen. Für „With Heads Held High“ wurde via Internet ein Chor von über 1000 (!) Fanstimmen gesammelt. Und ab dafür!

 

Die Band hat sich keinesfalls auf den Lorbeeren ausgeruht oder verwaltet gar den bereits erreichten Status. Stillstand ist eben immer noch künstlerischer Selbstmord. Itchy Poopzkid zeigen mit „Ports & Chords“, dass sie in den letzten Jahren eine ganze Menge gelernt haben. Die raue und stürmische See kann der Kapelle jedenfalls nichts anhaben und folglich ist dies auch die reifste Platte. Erwachsen sind sie geworden - haben sich und der Musik aber die Neugier und die kindliche Freude bewahrt. Diese Mischung ist eigentlich unschlagbar. So hört sich dann auch dieses Album an. „Ports & Chords“ gegen den Rest der Welt! Unverwundbar!

 

Ist das noch Punkrock? Nur bedingt. Die musikalische Sozialstation der Jungs ist zwar deutlich auszumachen, aber vieles ist lupenreiner Pop. Und bevor jetzt einer verächtlich die Nase rümpft – das ist in diesem Fall ganz sicher nicht als Schimpfwort zu verstehen. „Ports & Chords“ erinnert auf eine schöne Art sogar an die letzte Platte der Donots. Da trifft es sich natürlich ganz gut, dass Guido von eben den Donots bei „The Pirate Song“ mit von der Part(y)ie ist. Zwischen Seemannsgarn und The Clash hat die Nummer wahrlich das Potenzial einer Hymne! Das melancholische „Tonight“ unterstreicht, dass die Band deutlich gereift ist und eine Menge mitreißender Popmelodien im Köcher hat. Es ist fast ein bisschen schade, dass die Ballade „I Believe“ als eine Art Vorbote für die Platte fungierte. Das seichte Stück ist dann doch keineswegs repräsentativ für das Album!

 

Und wer schon Sorge hatte, dass es weder laut noch schnell wird, bekommt mit „ We Say So“, „Get Up Get Down“ oder „Thou Shalt Not Be Slow“ die Zückerchen für den Affen! Überraschendes gibt es auch oder hätte man so ein feines Stück wie „Things I Would Love To Have Said“ von Itchy Poopzkid erwarten können? Mumford & Sons lassen an dieser Stelle ganz nett grüßen. Und für die süßlichen Melodien von „There I Wanna Be“ würden andere Haus und Hof verkaufen. Das unromantische Duett mit Charlotte von The Subways bei „She Said“ ist zudem eine Schau für sich. Die nachdenklichen Töne von „Take My Hand And Keep Running“ sind auf der Zielgeraden noch mal ein schöner Zwischenspurt bevor das schon erwähnte „With Heads Held High“ dem Sonnenuntergang entgegen rumpelt.

 

Fazit: „Ports & Chords“ ist die reifste Leistung von „Itchy Poopzkid“ und dies in jeglicher Hinsicht! Punk ist das nur noch am Rande, aber wen interessiert das schon? Die Songs sind gut strukturiert, fahren eine tolle Melodie nach der anderen auf und gefallen zudem noch mit ein paar kleinen und abwechslungsreichen Brüchen und verlieren dabei unterwegs den roten Faden zu keiner Zeit. Eislingen an der Fils kann auf seine Söhne wahrlich stolz sein. Das Kulturprogramm der Kreisstadt ist bald sogar wieder bundesweit auf den Bühnen zu bewundern.

 

http://www.itchypoopzkid.de/

 

Text: Torsten Schlimbach



S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch