Hotel Bossa Nova: Little Fish

Hotel Bossa Nova: Little Fish

Yellowbird/Soulfood

VÖ: 02.06.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Wiesbaden ist nicht gerade als Musikhauptstadt bekannt. Daran werden auch die Herrschaften von Hotel Bossa Nova nichts ändern. Dies liegt allerdings nicht an der fehlenden Klasse, denn vielmehr bewegt sich die Band in einer Nische die weit entfernt vom Mainstream angesiedelt ist. Gängige Hörgewohnheiten stellt das Quartett gerne auf den Kopf. Wer eine bekannte Suchmaschine anwirft und nach Hotel Bossa Nova sucht, wird wahlweise mit Easy Listening oder Jazz konfrontiert. Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte und dabei schafft es die Band auch noch dem Sound eine ganz eigene Note zu geben.

 

Gegründet wurde Hotel Bossa Nova von Liza da Costa. Die Dame mit der samtweichen Stimme ist dann auch der Fixpunkt dieser Band. Ohne ihre männlichen Kollegen - Tilmann Höhn (Gitarre), Alexander Sonntag (Bass) und Wolfgang Stamm (Schlagzeug) – würde die Geschichte nicht funktionieren. Der musikalische Teppich, der hier ausgerollt wird, stammt nämlich aus der gediegenen Abteilung. Das ist natürlich nichts für den schnellen Konsum zwischendurch, aber das versteht sich bei einem derartigen speziellen Projekt ja wohl von selber.

 

Mittlerweile gibt es die Formation schon seit zwölf Jahren und erfreut sich einer großen Anhängerschaft. Das erste Album bestand ja größtenteils aus Bossa-Nova-Klassikern. „Little Fish“ ist davon weit entfernt, denn die zehn Titel des sechsten Albums sind sehr vielfältiger Natur. Samba und Fado gibt es da, neben vielen Spielarten des Jazz, zu hören. Gastmusiker wie Harold Todd (Querflöte), Ulf Kleiner (Rhodes, Hammond), Georg Boeßner (Piano), Thomas Langer (Gitarre) und Elke Diepenbeck (Gesang) sorgen zusätzlich für den vielfältigen Klang.

 

„Little Fish“ transportiert eine Leichtigkeit die sehr bemerkenswert ist. Die Songs drängen sich dem Hörer nie auf, krallen sich aber trotzdem auf eine seltsame Art und Weise fest. Hier zeigt sich abermals, wie wichtig der Bass ist. Alexander Sonntag spielt den Kontrabass derart famos, dass der ganze Laden dadurch zusammengehalten wird. Die Gitarre setzt ebenfalls die Akzente an der richtige Stelle und das Schlagzeugspiel ist dezent, aber eben effektiv. Die Herren spielen in dieser Konstellation perfekt aufeinander abgestimmt zusammen. „Samba Do Campo“ ist in dieser Hinsicht ein Traum. Im Grunde müsste man an dieser Stelle sowieso jeden Song nennen. Aber dieser Song besticht mit einer Leichtigkeit, die schon besonders ist. „Rosa Morena“ ist das komplette Gegenteil, denn der Track ist traurig, schwermütig und sorgt für eine dicke Gänsehaut. Diese beiden Stücke rahmen das Album perfekt ein.

 

Die Stimme schwebt fast unbemerkt durch den Raum. Die große Stärke von Hotel Bossa Nova ist diese geerdete Vortragsweise. Nichts spielt sich in den Vordergrund und darum bleibt dies alles umso stärker haften. Die Band ist sich um die eigene Stärke durchaus im Klaren. So wird beispielsweise „Valeriana“ mit einer Lässigkeit aus dem Ärmel geschüttelt, dass es eine Kunst für sich ist. Der Blick schweift dabei oftmals sehnsuchtsvoll und melancholisch in die Ferne und lässt einen gleichzeitig von den schönsten Urlaubserlebnissen träumen.

 

Fazit: Hotel Bossa Nova veröffentlichen mit „Little Fish“ ein sauberes Album zwischen Bossa, Jazz, Samba und Fado. Man muss schon ein verdammt gut eingespieltes Team sein und sein Instrument beherrschen, um so ein Ergebnis abzuliefern wie Hotel Bossa Nova mit dieser Platte! Dies ist nichts für den Mainstream und auch nichts für jeden Tag, wer mit der musikalischen Richtung aber etwas anfangen kann, wird sich in dieses Werk verlieben!

 

http://hotelbossanova.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch