Hi! Spencer: Nicht Raus, Aber Weiter

Hi! Spencer: Nicht Raus, Aber Weiter

Uncle M Music/Cargo Records

VÖ: 15.02.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Gibt es das wirklich, das schwierige zweite Album? Guckt man sich die Musikgeschichte und die vielen überlieferten Mythen und Legenden an, dann muss zumindest etwas dran sein. Ist aber nicht jedes Album für eine Band schwierig? Irgendwie jedenfalls? Mit dem Debüt will man sich schließlich einen Namen machen und wenn das klappt, dann gibt es schon beim Zweitlingswerk eine gewisse Erwartungshaltung. Genau an diesem Punkt stand die Osnabrücker Band Hi! Spencer. Das Ergebnis ist „Nicht Raus, Aber Weiter“.

 

Vorab lotete die Kapelle aus, wohin der musikalische Weg nun gehen sollte. Keine Kompromisse, sondern 100 % Hi! Spencer. Dies spiegelt sich nun auch im Artwork wieder. Die (eigenen) Dämonen sind ein treuer Begleiter, an der einen oder anderen Ecke wartet vielleicht sogar der Teufel und manchmal möchte man einfach nur wegrennen. Oder aber man rennt auf die Fratzen zu und tritt selbige mal ordentlich in den Arsch. Kommt auf den Blickwinkel und die Interpretationsweise an. Das gilt auch für die Musik von „Nicht Raus, Aber Weiter“. Das Album hört sich wie eine Bestandsaufnahme guter, deutschsprachiger Musik an. Muff Potter, Kettcar, Beatsteaks, Donots, Turbostaat und Tocotronic kommen einem da in den Sinn. Sicher nicht die schlechtesten Bands, mit denen Hi! Spencer und das zweite Album verglichen werden können.

 

Schon mit der Albumeröffnung „Weck Mich Auf“ unterstreicht die Band, dass sich musikalischer Anspruch und Eingängigkeit nicht ausschließen müssen. Bei „Wo Immer Du Bist“ jubilieren die Gitarren im Refrain sehr schön. Die Strophen gehören eher Bass und Drums – und einem Gesang, der an Dirk von Lowtzow erinnert. Der Titelsong „Nicht Raus, Aber Weiter“ knüpft nahtlos daran an. Der Refrain hingegen ist sehr poppig. Die Nummer kann man so auch im Radio spielen. „Der Kuchentisch“ ruft sogar Assoziationen zu Element Of Crime hervor. „Klippen“ steigert sich stetig und dann gibt es im letzten Drittel einen schönen Ausbruch. „Schalt Mich Ab“ ist ähnlich angelegt, allerdings wird Element Of Crime eher durch Turbostaat ersetzt. Und so geht es weiter durch dieses Album. Die Gitarre von „Angst Ist Ein Magnet“ - jetzt sind wir irgendwie bei Kraftklub angekommen – wird man den ganzen Tag nicht mehr los.

 

„Tauwetter“ ist live mit Sicherheit ein schönes Brett. „Hinter Dem Mond“ eine schöne Ballade. Ich weiß nicht ob man das bei der Thematik, die der Song transportiert, jetzt sagen darf, aber irgendwie erinnert die Melodieführung an Silbermond und „Symphonie“. „Richtung Norden“ ist der tollste Song der Platte und „Deponie“ ein treibender, düsterer und guter Albumabschluss.

 

Fazit: Das zweite Album von Hi! Spencer ist gelungen. Ob das jetzt schwierig war, spielt dabei keine Rolle. Ob die weiter oben genannten Referenzen tatsächlich direkt oder indirekt einen Einfluss gespielt haben, ist dabei auch gänzlich egal. Das alles diente sowieso nur der Orientierung. Im Endeffekt sind Hi! Spencer eine Band, die sich prima zwischen den guten deutschsprachigen Bands einordnet. Es gibt nämlich so viel mehr als diesen furchtbaren Befindlichkeitspop, der die Radiokanäle verstopft.

 

http://www.hispencer.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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