Heinrich von Handzahm: Auf Anderer Frequenz

Heinrich von Handzahm: Auf Anderer Frequenz

Bring Me Home

VÖ: 06.07.2018

 

Wertung: 3/12

 

Ein Geschäftsleben zwischen Rechtsanwalt, Jobs als CEO für ein Portal für horizontales Entertainment, Medienmacher bei „Dschungelcamp“ und „DSDS“, Sportwetten-Veranstalter bei RTL, Pro7 Pokershow-Erfinder bei bwin und Produzent von Online Games mit Lady Gaga und Robbie Williams – all das ist Heinrich von Handzahm. Jetzt ist er auch noch Liedermacher. Ein neues Leben als Sänger und Songschreiber? Wohl kaum. Sein Album „Auf Anderer Frequenz“ ist nur seine neuste Spielwiese. Es ist ja nicht sein erstes musikalisches Lebenszeichen. Leider.

 

Deutschland hat ein Problem. Lassen wird die Politik mal vor der Tür, denn es geht ja um Kunst. Und da gibt es durchaus handfeste Probleme. Nein, nicht, weil die Nationalelf in der Vorrunde der Putin-Spiele ausgeschieden ist – sofern man es mit Sport hat. Die Musikszene ist mittlerweile furchtbar. Wie kann es bitte angehen, dass Heinrich von Handzahm Alben veröffentlicht? Er kann seine musikalischen Ergüsse ja gerne seinen Liebsten vorspielen – das reicht dann aber auch. Man denkt ja, dass ein Schlagerbarde wie Mark Forster die Meßlatte schon extrem tief gelegt hat. Oder Bourani. Dieser Tim Dingens. Der Eine aus der Jury von „The Voice Kids“. Alle austauschbar. Alle grottenschlecht. Dem Volk gefällt es aber ja. Heinrich von Handzahm schafft es aber, das mit seinem dünnen Stimmchen und dem belanglosen Schlager noch zu unterbieten. Und dann auch noch diese Text: geht alles zusammen überhaupt nicht! Was soll „Ich bin am Zug“ bitte sein? Eine Westernhagen-Ausgabe für die Hosentasche? Oder „Der Schwarze Schwan“, was ist bitte das? Dagegen ist Volker Lechtenbrink ja ein Gesangsgott!

 

NDW gibt es auch. Ist ja in Ordnung. Man muss aber daraus ja kein Album stricken. Oder wenn doch, dann bitte nur für den Privatgebrauch und an Freunde verschenken. „Durchschnitt“ erinnert an die schlimmsten Phasen deutschsprachiger Musik. „Kogong“ von Mark Forster ist dagegen ja lyrisch und musikalisch ein Meisterwerk und das Lied ist ja nun schon absolute Scheiße. „Die Zeiten“ ist immerhin ganz nett. So ein bisschen funky. „Spülmittelallergie“ gefällt sogar mit einem bluesigen Ansatz. Auch textlich ist das bissig. „So Ist Hamburg“ hört sich dann wieder an, wie ein Song des kölschen Karnevals - nur eben als Hommage für Hamburg getarnt. Puh.

 

Fazit: „Auf anderer Frequenz“ von Heinrich von Handzahm schafft es spielend, die eh schon am Boden liegende deutsche Musikkunst noch weiter in den Abgrund zu ziehen. Das ist Schlager der schlimmsten Sorte. Da helfen auch keine Blues- oder Chanson-Elemente. Das soll sicher unter Liedermacher verbucht werden, aber damit würde man all jene Künstler, die in diese Schublade passen, beleidigen.

 

http://handzahm.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch