Gsindl: Voischattn

Gsindl: Voischattn

Donnerwetter

VÖ: 06.06.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Was hat sich die letzten Jahre eigentlich in der Gsindl-Hochburg getan? Seit mehr als drei Jahren wartet die Fangemeinde nun schon auf neues Studiofutter. Bayerns Lieblingsband hat sich reiflich Zeit gelassen. Von irgendwas muss ja auch der Kühlschrank gefüllt werden, da bedarf es auch noch anderen Beschäftigungen abseits der Musik. Soweit so klar. Erstmals hat die Kapelle aber auch mehr Zeit im Studio verbracht. Das neue Album ist sicher kein Schnellschuss. „Voischattn“ ist letztlich das Ergebnis einer Band, die nun fast seit zwei Jahrzehnten im Geschäft ist und weiß wie und wo der Hase langläuft. Seit 2009 erfreut die Band in der jetzigen Konstellation die Anhänger. „Voischattn“ liefert nun dreizehn gute Gründe dafür, dass 2014 noch ein paar mehr dazu kommen könnten.

 

So langsam kann und sollte man sich auf die Badesaison vorbereiten. Die Freibäder und Baggerseen locken und was braucht man da? Klar, die Badehose, Sonnencreme, ein Kaltgetränk und natürlich die perfekte musikalische Untermalung. Hier kommt „Voischattn“ genau richtig. In den Player legen und Spaß haben. Ausflippen ist da ausdrücklich erwünscht. Weitestgehend ist das ein Partyalbum für den Sommer. Gsindl haben natürlich keinen Voischattn, die Jungs wissen schon ganz genau was sie da machen. Der Spaß und die Freude an der Musik steht dabei im Vordergrund. Gsindl scheint einfach die Sonne aus dem Arsch und das überträgt sich auch auf den Zuhörer. Dunkle Gedanken und schlechte Laune werden mit „Voischattn“ einfach weggewischt.

 

Und wer da noch Berührungsängste hat und nicht so richtig weiß was einen da erwartet, kriegt mit dem schmissigen Ska-Reißer von „Reißts de Händ in de Höh“ gleich zu Beginn eine Art Inhaltsangabe geliefert. „Weltmoasda von da Hammeklass“ legt anschließend noch einen drauf. Die Nummer ist nicht umsonst als erste Single ausgekoppelt worden. Der Hit der Platte. Da schau her, ein bisschen Funk darf es auch mal sein. Die 80er-Anleihen nerven zwar ein bisschen, aber die Bläsersektion reißt das Ruder wieder vollends herum. Das Lied lässt sich prima mitgrölen, auch mit zehn Atü auf dem Zylinder. Mit „So wia heid“ schließt sich eine Art Powerballade an. Das kann man durchaus unter Classic-Rock ablegen. Und auch hier gilt: kein Platz für dunkle Gedanken, alles ist gut – der perfekte Tag eben.

 

Und ja, die Bayern sind natürlich auch stolz auf ihre Heimat. „Do bin i dahoam“ - Mia san Mia. Gsindl wären aber nicht Gsindl, wenn das nicht auch mit einem Augenzwinkern und ein paar kritischen Tönen versehen wäre. Die Uhuhuh-Chöre sorgen dann noch dafür, dass der Track zu einer Hymne wird, die die bayrischen Clubs von links auf rechts drehen wird. „Heid gemma nimma hoam“ - mit ordentlich Wah-Wah – wurde sich zwar aus verschiedenen Song zusammengebastelt, macht live aber bestimmt eine gute Figur und auch hier ist das Mitgrölpotenzial extrem groß.

 

Selbiges gilt auch für „Humpfdadadadahä“, der Text über die Beilage von Weißwürsten scheint dabei totaler Nonsens zu sein, aber da sollte man die Lauscher noch mal ganz weit aufsperren. Die Ärzte aus Berlin feiern mit solchen Songs seit Jahrzehnten große Erfolge – gerade auch musikalisch.

 

„Wenn bläd, dann gscheid“ lässt die Piraten frei – verschenkt aber ein bisschen Potenzial und die betont lustigen Spielereien hauen da nicht so ganz hin. Weder Fisch noch Fleisch. „Yes We Scan“ kommt da wesentlich besser auf den Punkt und dürfte sich als weitere Hymne im Live-Repertoire etablieren. Thematisch ist das sowieso auf der Höhe der Zeit. „Adabei“ gefällt mir einem stimmungsvollen Songaufbau. Und dann halten doch noch ein paar ernste Töne mit dem schönen „Du fuisd wos du wuisd“ Einzug. Songs zu und über die sozialen Netzwerke gibt es zwar mittlerweile wie Sand am Meer, Gsindl nehmen sich der Thematik mit „195 Freind“ aber auch noch mal an. Der straighte Rocker ist sicher der härteste Track der Platte. „Geh raus aus meim Hirn“ kann man als typischen Gsindl-Trademark-Song bezeichnen. Die Band hat es sich eben in ihrer ganz eigenen Nische gemütlich eingerichtet. Mit „Aus is und gor is“ bringen Gsindl nach der Einleitung zu Beginn dann „Voischattn“ zu einem konsequenten Ende.

 

Fazit: Es ist ja immer die Frage was man von Musik erwartet. Gsindl starten mit „Voischattn“ sicher nicht die nächste Musikrevolution. Die bayrische Mundartband will mit Sicherheit auch nicht die Menschen zur politischen Demos animieren. Die Stärke der Platte liegt ganz woanders, nämlich dem Zuhörer zwischen Ska, Rock, Punk und Pop eine gute Zeit zu bescheren. Dies schafft „Voischattn“ dafür ganz spielend – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Ein Album passend zur Jahreszeit!

 

http://www.gsindl.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Gsindl: Unsdochwurschd

Gsindl: Unsdochwurschd

Donnerwetter Music

VÖ: 17.02.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

Bands und Künstler haben es ja schon schwer genug, wenn sie die Texte ihrer Songs in deutscher Sprache verfassen. Noch schwerer wird es dann, wenn sich auch noch für einen Dialekt entschieden wird. Man muss dafür schon gehörig einen an der Klatsche haben, den Exoten-Bonus ausreizen wollen oder sich seiner Sache sehr sicher sein. Gsindl aus dem schönen Bayern sind sich ihrer Sache sehr, sehr sicher. Bayrische Rockmusik soll es sein. Mittlerweile ist „Unsdochwurschd“ die fünfte CD der Band.

 

„Unsdochwurschd“ ist dann auch Programm. Nein, Gsindl ist die Welt sicher nicht egal, davon kann man sich anhand der frechen und tiefgründig verdrehten Texte überzeugen lassen. Nein, es ist einfach komplett egal, ob sie mit ihren musikalischen Visionen den Nerv der Zeit treffen oder die bayrische Sprache nun ein Hemmschuh ist oder eben nicht. „Unsdochwurschd“ ist ehrliche und authentische Musik! Das muss man in der heutigen Zeit ja hin und wieder auch mal wieder erwähnen, denn mehr und mehr wird dies zu einer Rarität.

 

Die zwölf Songs sind zwar meist in Rockgefilden angesiedelt, Gsindl wagen aber auch immer wieder den Blick über den berühmten Tellerrand und so gibt es auch ein paar musikalische Schlenker. Aber keine Sorge, der rote und alles verbindende Faden hört auf den schönen Namen ROCK! Das macht Spaß, ist ambitioniert und mit einer gewissen Leichtigkeit durchzogen. Die Musik von Gsindl klingt nicht verkrampft und auch nicht verkopft. Genau daraus schöpft die Band ihre Stärke. Man muss sich und anderen nichts mehr beweisen – weil es für die ganz große Karriere sowieso nicht mehr langt? Warum eigentlich nicht, die Voraussetzungen sind eigentlich bestens?!

 

Was einem ein bisschen die Freude an „Undsdochwurschd“ nimmt, ist die dünne Produktion und die Abmischung. Die musikalische Vielfalt und ganz besonders der Gesang gehen so nämlich im Soundbrei etwas unter. Da ist noch einiges an Luft nach oben. Auf der anderen Seite können Gsindl eben auch nicht auf die großen Lösungen zurückgreifen, denn der potente Geldgeber im Hintergrund fehlt eben. Mit einem größeren Label im Rücken wäre da eventuell noch mehr drin gewesen.

 

Ansonsten macht die Scheibe eine Menge Spaß. Das Fernweh aus „Auf Und Davo“ kennt wohl jeder. Man muss nur mal den Popo hochkriegen. Die Nummer rockt und groovt wie Sau und das Ding bringt live wohl jeder Bühne zum einstürzen. Zudem zeigt sich auch, dass die Jungs ein feines Händchen für Melodien haben. Die Hommage an die Heimat mit „Bayern“ schließt sich da nahtlos an. Mit „Schabäzi“ gibt es dann eine faustdicke Überraschung. Das Ding ist irgendwo in der Mitte vom 90er Crossover zu finden und dem Funk der Red Hot Chili Peppers. Die Peppers kriegen allerdings so eine druckvolle Nummer nicht mehr hin.

 

„Wer Wia Wos“ erinnert nicht nur an die Sesamstraße, sondern an die Bläsersektion der Busters, die ein Die Ärzte Stück veredeln. Ska vom Feinsten, der sogar noch ein Kinderchor im Programm hat. Der Reggae von "Griabig´s Lebn“ schließt sich anschließend perfekt an. Allerdings fehlt hier auch etwas der Spannungsbogen und das Stück plätschert dann auch so ein bisschen dahin – oder surft auf einer entspannten Welle. Es kommt ja immer auf die Betrachtung an.

 

Dafür macht der Zungenbrecher „Novi Vinodolski“ einfach nur Spaß. Der kommt bei Gsindl sowieso nicht zu kurz. Wer es lieber direkt auf den Punkt gerockt mag, der wird mit dem knochentrockenen „Warsd Hoid Dahoam Bliem“ bestens bedient. „Weichnatsliadazeit“ ist die schönste Akustik-Untermalung zum Vorweihnachtswahn. Recht habt ihr, Jungs!

 

Fazit: Die Jungs von Gsindl haben mit „Unsdochwurschd“ wieder mal ein gutes Rockalbum mit Ska- und Reggaeeinschlag aufgenommen. Kritische Untertöne werden dabei immer mit einem Augenzwinkern präsentiert. Auch, wenn hier auf Bayrisch gesungen wird, ist das weit von folkloristischen Belustigungen entfernt. Gsindl drücken sich musikalisch und sprachlich einfach so aus, wie es für sie die ehrlichste Art zu sein scheint. Schade, dass die Abmischung und die Produktion da nicht Schritt halten kann. Man darf sich aber schon auf die - hoffentlich - sechste CD der Jungs freuen!

 

http://www.gsindl.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch