Glen Campbell: Adiós

Glen Campbell: Adiós

Universal

VÖ: 09.06.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Glen Campbell kann auf eine beeindruckende Musikerkarriere zurückblicken. In fünf Jahrzehnten konnte er rund 50 Millionen Tonträger an die Frau und den Mann bringen. Jetzt hört er auf. Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste und mit mehr als 80 Lenzen darf man dann auch mal in Rente gehen. Das ist aber nicht der Grund, denn Glen Campbell ist an Alzheimer erkrankt. Die Diagnose wurde 2011 gestellt. Seine Frau Kim sagt nun im Vorfeld der Veröffentlichung von „Adiós“, dass es ihrem Mann immer schwerer fiel, sich an die Song zu erinnern, diese zu spielen und zu singen. Er wollte noch mal unbedingt ein allerletztes Mal die Möglichkeit nutzen, im Studio die noch vorhandene Magie einzufangen. Eine große Hilfe dabei war ihm sein alter Freund Carl Jackson, der das Album produzierte und auch als Gitarrist zur Verfügung stand.

 

„Adiós“ enthält nun zwölf Stücke, die Glen Campbell besonders am Herzen liegen. Kurioserweise hat er diese aber nie aufgenommen. Umso schöner, dass er nun noch mal die Möglichkeit dazu hatte und ihm auch noch ein paar Gäste zur Umsetzung unter die Arme griffen.

 

Hört man sich diese Songs an, dann merkt man nicht, dass Glen Campbell schwer krank ist. Natürlich gibt die Studiotechnik heutzutage ja eine ganze Menge her und man kann viele Dinge kaschieren oder nachbearbeiten, aber auch das hört man dem gesamten Album nicht an. „Everybody´s Talkin`“ hat Harry Nilsson einst zu einigem Ruhm verholfen. Das Stück hat gesanglich ja einige Nuancen zu bieten, die Campbell aber spielend meistert. Er singt das so wie im Original und das macht er tatsächlich famos. „Just Like Always“ besticht durch das wunderbare Pianospiel von Catherine Marx und die famose Steel Guitar von Mike Johnson. Der gute Glen singt diese melancholische Nummer auf eine sehr berührende Art und Weise. „Funny How Time Slips Away“ ist ein Duett mit Willie Nelson, von dem der Song ja auch geschrieben wurde. Die beiden Herren ergänzen sich perfekt. Die luftige und leichte Atmosphäre wird musikalisch kongenial umgesetzt. Das nimmt dem Ganzen dann auch die Schwere.

 

„Arkansas Farmboy“ von Carl Jackson – mit Banjo, gespielt von Ashley Campbell – ist ein typisches, amerikanisches Musikstück, welches von Country bis zum Folk alles zusammenbringt. Das Intro von „Am I All Alone (Or Is It Only Me)“ ist nur ein kurzes Zwischenspiel, aber das hat es in sich. Der Auftakt zum eigentlichen Song mit Vince Gill. Das ruhige „It Won´t Bring Her Back“ ist wieder ein melancholischer und nachdenklicher Track - mit einer wunderschönes Steel Guitar. Das ist Musik für eine lange Fahrt auf dem Highway. „Don´t Think Twice, It´s All Right“ muss man ja nicht mehr weiter vorstellen. Die Protagonisten schaffen es aber glatt, der Dylan-Nummer neues Leben einzuhauchen und das Tempo ganz nett anzuziehen. „She Thinks I Still Care“ mit Schmiss und „Postcard Form Paris“ mit seiner Traurigkeit können ebenfalls voll und ganz überzeugen – gerade auch gesanglich. „A Thing Called Love“ gefällt mit feinstem Fingerpicking. „Adiós“ ist dann der berührende Ausklang des Albums. Der vermutlich letzte Song, den man von Glen Campbell hören wird.

 

Fazit: Glen Campbell verabschiedet sich mit „Adiós“ standesgemäß und hat noch mal ein tolles Album aufgenommen. Natürlich ist das ausgesuchte Songmaterial – einige seiner Lieblingstitel – großartig, aber das muss man auch entsprechend umsetzen können. Der Mann hat gesanglich hier noch mal ganz groß abgeliefert und musikalisch ist das hervorragend in Szene gesetzt worden. Wer Country, Americana und Folk liebt, sollte seine Sammlung unbedingt um „Adiós“ ergänzen!

 

http://www.glencampbell.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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