Gabriella Cilmi: The Sting

Gabriella Cilmi: The Sting

Warner

VÖ: 21.03.2014

 

Wertung: 8/12

 

Gabriella Cilmi hat die letzten Jahre die Schattenseiten des Lebens kennengelernt. Die Australierin musste das Ende einer Beziehung verarbeiten, gleichzeitig stand die Trennung mit dem alten Label bevor und neue Songs sprudelten auch nicht auf Knopfdruck aus ihr heraus. Sie ging mit ihrer Band schließlich nach New York um dort an ihrem dritten Album zu arbeiten. Anders als eine Vielzahl ihrer Kolleginnen schreibt sie ihre Songs ja federführend selbst. Dies schließt natürlich nicht aus, dass auch mal eine Idee zu einem Riff von ihrem jüngeren Bruder beigesteuert werden kann. Alles in allem ist dies aber eine sehr persönliche Angelegenheit von Garbiella Cilmi geworden - die vergangenen Jahre werden hier verarbeitet. „The Sting“ steht nach dreieinhalb Jahren Wartezeit nun endlich in den Läden.

 

Aufgrund der Umstände ist dies eine sehr düstere Platte geworden. In gewisser Hinsicht ist dies sicher ein Trennungsalbum. Dies spiegelt sich auch optisch wieder, denn Gabriella Cilmi tat das, was fast alle Frauen in dieser Situation tun – eine neue Frisur musste her, in ihrem Fall eine Kurzhaarfrisur. Die alten Zöpfe mussten ab und das spiegelt sich auch in der Musik wieder. Der nette Pop für das Radio ist fast gänzlich auf der Strecke geblieben. Gut so! Die Einordnung fällt sowieso überraschend aus. Natürlich kann man das immer noch unter Pop laufen lassen, gar keine Frage. Es dürfte sicher auch nicht weiter überraschen, dass ein Großteil der dreizehn Songs sehr soulig ist. Die vielen Trip Hop Beats werden allerdings den ein oder anderen überraschen. Hier werden Erinnerungen an den Bristol-Sound der 90er wach!

 

Die Stimme von Gabriella Cilmi holt einen immer wieder ab. Man erwartet von diesem zarten Persönchen sicher etwas anderes als diese rauchige, dunkle und reife Singstimme. Amy Winehouse und Duffy kommen einem da in den Sinn und dann wären da erstaunlich viele Parallelen mit Macy Gray. Dies alles sind sicher nicht die schlechtesten Referenzen. Gabriella Cilmi ist aber keine Kopie, sondern sie singt diese Songs aus ihrem tiefsten Inneren mit voller Überzeugung und auf eine intuitive Art und Weise, wie man es nicht erlernen kann. Oftmals ist das schon beeindruckend, wie leicht das klingt.

 

Die Atmosphäre von „The Sting“ ist größtenteils sehr ruhig. Dies ist keine laute Platte. Es ist nicht direkt ein Balladenalbum, denn dafür sind die Songs viel zu düster und die eingesetzten Beats sprechen auch eine andere Sprache, aber es geht in die Richtung. Zuhören ist angesagt. Über allem schwebt eine Art warmer Klangteppich, der die handgemachte Sounds ein- und ausatmet. Gabriella Cilmi und ihre Mitstreiter machen hier vieles richtig, sofern man sich auf die Songs einlassen kann und will, denn dies ist sicher kein Album welches man einfach nur so nebenbei laufen lassen kann. Und mit „Kill Ourselves“ gibt es zum Ende hin den ultimativen Abschluss. Die Reise begann mit den verloren Träumen bei „Highway“, einer Trip Hop/Soulballade, die wie aus einem James Bond Film entsprungen wirkt. Bei „Sweeter In History“ wird auch schon mal auf einem Pianothema herumgeritten, während „Not Sorry“ tatsächlich den alten Bristol-Sound vollends von der Leine lässt. „Left With Someone Else“ flirtet danach sogar ein bisschen mit dem Indierock. Eine bombastische Ballade wie „Vicious Love“ steht der ganzen Geschichte aber auch sehr gut zu Gesicht. Passt alles!

 

Fazit: „The Sting“ von Gabriella Cilmi ist ein Trennungsalbum und die Aufarbeitung der ganzen Veränderungen in ihrem Leben. Man wünscht das keinem, aber in ihrem Falle hat es sich durchaus sehr positiv auf ihre Musik ausgewirkt. Es ist ein dunkles Album geworden, mit vielen Trip Hop Beats, aber auch einer warmen Grundstimmung des Sounds. Der letztlich belanglose Pop ist nicht mehr vorhanden und „The Sting“ ist ein reifes und gutes Album – und es hat Soul!

 

Video zu "The Sting": http://www.youtube.com/watch?v=A9wKYydSQA4 

 

http://www.gabriellacilmi.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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