Foster The People: Supermodel

Foster The People: Supermodel

Sony

VÖ: 14.03.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Vor zweieinhalb Jahren legten Foster The People ihr Debütalbum in die Läden. So richtig durchstarten konnte die US-Band mit „Pumped Up Kicks“. Für einen Platz ganz oben an der Sonne reichte es zwar nicht und doch bekam die Single ordentlich viel Airplay und in den USA konnte das Ding immerhin bis auf Platz 3 klettern. Touren folgten und natürlich wurden irgendwann auch die Schreie nach einer neuen Platte lauter. Die Zeiten, wo sich eine junge Band in einem einzigen Studio eingräbt, sind wohl definitiv vorbei. „Supermodel“, so der Titel von Runde zwei, entstand in verschiedenen Locations weltweit.

 

An Paul Epworth gibt es momentan wohl kein Vorbeikommen. Adele, Bloc Party und Maximo Park gehören zu seiner Kundschaft und wie man so hört, soll er auch gerade noch mal bei U2 nach dem Rechten gucken. McCartney hat auch schon seine Dienste in Anspruch genommen und jetzt hat er auch Foster The People unter die Arme gegriffen. Zunächst arbeiteten nur Band-Frontmann Mark Foster und Epworth zusammen. Sie mieteten sich dazu in einem Studio im marokkanischen Essaouria ein. Dies blieb nicht ohne Folgen, denn „Are You What You Want To Be?“ - egal wo auch immer das Stück letztlich entstanden ist oder fertiggestellt wurde – trägt unhörbar die Einflüsse marokkanischer Musik in sich. Ein ungewöhnliche Nummer als Albumeröffnung und auch eine ungewöhnliche Nummer für Foster The People. Und doch hat es Epworth geschafft den typischen Foster The People-Sound auch hier unterzubringen.

 

Sound und Produktion sind es dann auch, die das ganze bunte Werk zusammenhalten. Von Marokko ging es nach Malibu, von da nach Los Angeles, bevor Epworth in seinen eigenen Wolf Tone Studios in London letzte Hand anlegte. Und so bunt hört sich auch „Supermodel“ an. „Ask Yourself“ ist in seiner vollen Popästhetik sehr britisch angehaucht und in der Mitte gibt es sogar so eine kleines Gitarrenzwischenspiel, welches an The Cure erinnert. Das Stück ist insgesamt ungemein eingängig und setzt sich mit seiner Leichtigkeit auch schnell im Ohr fest. Der Synthie-Sound ist natürlich immer noch allgegenwärtig, aber jetzt stellen Foster The People auch die Gitarren vermehrt in das Schaufenster und bestenfalls lebt man in schöner Eintracht miteinander – wie bei „Coming Of Age“. Dieser Sound ist wie eine Kuscheldecke in die man sich einhüllt und wohlfühlt. Die Lyrics sind allerdings recht düster. Dies gilt sowieso für die komplette Scheibe. Texte und Musik verlaufen somit völlig gegensätzlich. Auf der einen Seite lädt die Band ihren ganzen Frust über den Kapitalismus und die Konsumgesellschaft ab, packt dies aber wiederum in nette Popmelodien.

 

Mit „Pseudologia Fantastic“ beweisen die drei Herren, dass es auch mal ein paar dunklere Klänge sein dürfen. Und dann schleichen sich doch wieder ein paar Sounds an, die wie Butter in der Sonne schmelzen. Mit „Best Friend“ geht es dann aber auf direktem Weg in die Disco – Falsettgesang inklusive. Die Zappelbude wird so schnell auch nicht mehr verlassen. Die Indiepopper fühlen sich dort einfach pudelwohl. Mit der entschlackten Akustikballade „Goats In Tree“ gibt es die wohltuende Verschnaufpause. „The Truth“ bleibt grundsätzlich elektronisch angehaucht und hin und wieder erinnert das auf eine erschreckende Art und Weise an OWL City. „Fire Escape“ beschränkt sich dann weitestgehend tatsächlich auf die Stimme und Fingerpicking. Hört sich an, als hätte man das auf der Toilette aufgenommen. Gab es bei Björk ja auch schon mal.

 

Fazit: „Supermodel“ von Foster The People ist zwar ein bunter Strauß und doch hat sich die Band ihren typischen Sound beibehalten. Die Indie-Synthiepopper lassen jetzt auch mal die Gitarre von der Leine, ein paar marokkanische Einflüsse mit einfließen und hier und da auch ein paar nachdenkliche Töne erklingen. Die Formel ist aber ziemlich einfach: Wer das Debüt mag, wird auch mit „Supermodel“ keine Probleme haben und auch dieses Album schnell in sein Herz schließen. Für die Radiostationen ist da jedenfalls wieder viel Futter dabei.

 

http://fosterthepeople.com/preorder

 

Text: Torsten Schlimbach

Foster The People: Torches

Foster The People: Torches

Sony

VÖ: 24.06.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

So langsam kann man die ganzen Schauermärchen über den Niedergang der Musikindustrie zu den Akten legen. Die Zeiten haben sich geändert, massiv sogar, aber sind sie deswegen schlechter? Für die etablierten Bands vielleicht, weil sie jetzt ohne Zweifel auf den einen oder anderen Taler verzichten müssen. Guckt man sich aber gerade die letzten Jahre mal so um, dann haben gerade Newcomer davon extrem profitiert. Natürlich kann man jetzt spekulieren, ob die Arctic Monkeys nicht früher oder später sowieso den Ruf eines Labels gehört hätten, ob eine Ingrid Michaelson nicht auch ohne die Hilfe des Internets in einer Fernsehserie gelandet wäre und ob nicht Foster The People heute auch Gegenstand einer Plattenkritik wären. Zumindest den letzten Punkt darf man anzweifeln.

 

Es würde vermutlich immerhin noch ein Weilchen dauern. So aber macht das Debütalbum „Torches“ von Foster The People die Runde um die Welt. Die ganze Geschichte fing vor gut einem Jahr an, als Mark Foster (Gitarre, Gesang Keyboard), Cubby Fink (Bass, Gesang) und Mark Pontius (Drums) ihren Song „Pumped Up Kicks“ Anfang 2010 auf ihre Website stellten. Danach gab es auf der Datenautobahn kein Halten mehr und in Blogs, Netzwerken und der schönen neuen Welt wurde der Track verbreitet. Die Nummer landete dann auch schnell bei den Redakteuren des NME und von The Guardian. Einige US-Radiostationen bekamen von Foster The People ebenfalls Wind und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Sony zog sich schließlich den vermeintlich dicken Fisch an Land und nun liegt also das Album „Torches“ in den Läden.

 

Als nette Randnotiz der ganzen Geschichte kann man verbuchen, dass „Pumped Up Kicks“ erst seit kurzer Zeit offiziell käuflich erworben werden kann. Startet die Band mit dem Song eben auch noch mal im Sommer 2011 durch. Die Prognosen sind jedenfalls gut, dass diese leichte Indie-Electro-Nummer das ganz große musikalische Ereignis werden könnte. Wie heißt es so schön? Abwarten und Tee trinken. Die gesamte Platte selber kommt nicht ganz auf eine Spielzeit von 40 Minuten. Geschickter Schachzug, so will man eher noch mehr und es wird nicht zu viel.

 

„Torches“ lässt die neue Indie- und Internetsensation allerdings auch wieder auf ein gesundes Maß schrumpfen. Danach ist alles wieder in geordneten Bahnen. Hier wird weder eine neue Zukunft der Musik eingeläutet, noch muss die Geschichte der letzten fünf Jahrzehnte nun umgeschrieben werden. Es bleibt auch noch abzuwarten, wie lange Foster The People der heißeste Scheiß der Saison sind. Nicht, dass da was in den falschen Hals kommt, die Platte hat durchaus gut bis sehr gute Momente. Viele hippe Menschen werden gerne auf diesen Zug aufspringen und diesen hochmelodischen Electro-Indie-Pop aufsaugen. Genauso schnell springen diese aber auch wieder ab und rennen dem nächsten Hype nach. Dann wird sich zeigen, wohin der Weg von Foster The People führt.

 

Einstweilen schlagen sie sich auch durch das Dickicht und die Pfade, die auch schon Phoenix beschritten hat. Man kann sich dieser gut gelaunten luftigleichten Popmusik wie „Call It What You Want“ einfach nicht entziehen. Das geht gut ins Ohr, aber eben auch genau so schnell in die Beine. Für die Indiedisco von nebenan ist das einfach wie gemacht. Freiluftveranstaltungen dürfen damit aber auch gerne beschallt werden. Zudem ist das auch noch künstlerisch über jeden Zweifel erhaben. Im krassen Gegensatz dazu stehen dann die Texte. Hat sich eigentlich schon mal einer wirklich „Pumped Up Kicks“ unter diesem Gesichtspunkt angehört. Amoklauf und gute Laune?

 

Foster The People sind schlau genug, die Musik immer spannend und künstlerisch wertvoll zu halten. „Don´t Stop (Color On The Walls)“ geht dann gar in eine Folkrichtung. Aber spätestens „Waste“ zeigt auch, dass das hin und wieder auch nur einfach die Bezeichnung nett – Zusatz: mehr nicht – kriegt. Danach klingt es gar wie eine harmlose Version von MGMT und „I Would Do Anything For You“ ist schon sehr, sehr kitschig. „Houdini“ hat allerdings das Zeug ein noch größerer Hit wie die Single zu werden. Tanzbar, eingängig und mit einem Beat versehen, der einem den ganzen Tag durch den Kopf schwirrt. Die Uh-Uh-Chöre sorgen dann noch dafür, dass dies auch noch jeder mitsummen wird. Catchy sagt man dazu wohl. Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass Foster The People es auf der zweiten Albumhälfte noch mal richtig wissen wollen. „Life On The Nickel“ und auch „Miss You“ haben Hitpotenzial. Den längsten Song haben sie sich mit „Warrant“ ausgerechnet bis zum Schluss aufgehoben. Ein eher sakraler Ausklang – jedenfalls zu Beginn.

 

Fazit: Foster The People sind die neue Indie- und Internetsensation! Das Debütalbum ist durchaus gelungen. Der Indie-Electro-Pop ist zwar nicht die Neuerfindung der Musik, macht aber Spaß und verbreitet unweigerlich gute Laune. Ein bisschen Phoenix hier, ein bisschen MGMT dort und fertig ist der Soundtrack für den Sommer. Ob es auch noch für die Jahreszeiten danach reichen wird, muss sich noch zeigen, besonders, wenn die ganzen hippen Menschen zur nächsten Sensation weiterziehen. „Torches“ lässt die ganze Geschichte also auch wieder auf Normalmaß schrumpfen. Das ist aber ja nicht unbedingt schlecht! Man darf gespannt sein, wie es für Foster The People in Zukunft weitergeht.

 

http://www.fosterthepeople.com

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch