Flying Colors: Second Flight: Live At The Z7 (2 CD/DVD)

Flying Colors: Second Flight: Live At The Z7 (2 CD/DVD)

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 13.11.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Supergroup The Flying Colors entwickelt sich immer mehr zu einer Band mit festem Line-up und einer Zukunftsvision. Das letzte Album wurde ja noch online eingespielt und die Musiker waren nie alle gleichzeitig an einem Ort anzutreffen – schöne, neue Welt. Dies stand dem Erfolg von „Second Nature“ aber nicht hinderlich im Weg. Im Gegenteil, das britische Prog-Magazin nominierte die Scheibe als „Album of the Year“ für die Prog Awards 2015. Selbstverständlich ging es dann damit auch auf Tour und jetzt kann man das Ergebnis auf „Second Flight: Live At The Z7“ bewundern.

 

Der Mitschnitt wurde live im schweizerischen Pratteln aufgenommen. Dies ist jetzt sicher nicht gerade der Ort, der nach einer solchen Produktion schreit. Oftmals sind es aber dann ja genau solche Kleinigkeiten, die dann doch das Besondere ausmachen. Michael Portnoy stimmt das Publikum zu Beginn der Show dann auch darauf ein, dass sie bitte etwas von der bekannten schweizerischen und respektvollen Zurückhaltung aufgeben und ordentlich Krach machen sollen. Klappt natürlich nur bedingt. Trotzdem ist das von der Stimmung kein Reinfall und ein ordentliches Konzert. Portnoy ist – auch wenn er hinter der Schießbude sitzt – ja sowieso die geborene Rampensau und nordet die Zuschauer dementsprechend auch immer wieder ein. Es gibt wohl kaum eine andere Gruppe, wo der Schlagzeuger einen größeren Sprechanteil als der Mann ganz vorne an der Bühne hat. Er singt aber ja auch immer wieder einige Parts des Sets und überlässt Casey McPherson nicht alleine das Feld. Keyboarder Neal Morse ist auch immer mal wieder für die Lead-Vocals verantwortlich.

 

24(!) Kameras haben die Sause aufgenommen. Das Videomastering führte die Firma Cinnafilm durch. Beim 5.1.-Klang kann der Hörer zwischen Einstellungen wechseln, die ihn imaginär wahlweise auf die beiden akustisch besten Plätze im Z7 oder direkt ans Mischpult in der Halle versetzen. Und dann gibt es auch noch den Front-Row-Mix! Noch Fragen? Da wurde schon einiges aufgefahren, was auch nicht weiter überraschend ist, denn Portnoy ist eben auch großer Filmfreak und er hat auch schon mal geäußert, dass ihm das fast wichtiger wie die Musik ist.

 

Umso überraschender ist es, dass die DVD auf Seiten des Bilds nur bedingt überzeugen kann. Die eingesetzten Kameras geben kein einheitliches Bild wieder und von Sepia bis Fischauge ist alles dabei. Teilweise hat man das Gefühl, dass die Macher einfach zu viel wollten. Hin und wieder ist auch die Kameraführung recht abenteuerlich und der Schnitt auch nicht gerade gelungen und viel zu hektisch. Das liegt natürlich immer im Auge des Betrachters und das ist letztlich Geschmackssache, aber die vielen Möglichkeiten mussten dann auch genutzt werden. Weniger wäre eindeutig mehr gewesen. Der Ton hingegen lässt kaum Wünsche offen, selbigen darf man durchaus als Referenzwerk bezeichnen.

 

Das Set wird jedem Fan die Tränen der Freude in die Augen treiben. Von „Open Up Your Eyes“, „Kayla“, „The Storm“ bis hin zu „Mask Machine“ und „Infinite Fire“ ist das schon die ganz große Progschule. Die Herren sind einfach Könner an ihren Instrumenten. Da werden jede Menge Emotionen geschürt und von Rock bis Ballade, von laut bis leise ist da alles dabei.

 

Fazit: „Second Flight: Live At The Z7“ von Flying Colors ist schon die ganz hohe Musikkunst. Die DVD zeigt allerdings nicht nur eine technisch immens versierte Band, sondern auch eine, die auf der Bühne nicht wie eine Maschine wirkt, sondern tatsächlich auch das abliefert, was man von einer Rockband erwartet und dazu gehört auch viel Atmosphäre. Kameraführung, Schnitt und der Einsatz der verschiedenen Kameras ergeben leider kein einheitliches Bild, was dicke Abzüge in der B-Note ergibt - dafür ist der Ton ein Gedicht! Die Doppel-CD wird man noch gerne aus dem Schrank holen.

 

http://flyingcolorsmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Flying Colors: Second Nature

Flying Colors: Second Nature

Mascot Label/Rough Trade

VÖ: 26.09.2014

 

Wertung: 7/12

 

Aus den Projekt Flying Colors wurde eine Art Supergroup, die jetzt zu einer richtigen Band zusammen gewachsen ist. Als sich die Truppe 2012 gründete, war es noch eher ein gegenseitiges Abtasten. Gitarrist Steve Morse (Deep Purple, Dixie Dregs, Kansas), Schlagzeuger Mike Portnoy (Transatlantic, Winery Dogs, Dream Theater), Multiinstrumentalist Neal Morse (Transatlantic, Spock’s Beard) und Bassist Dave LaRue (Dixie Dregs, Joe Satriani, Steve Vai) sind in dem Haifischbecken des Musikgeschäfts ja alte Hasen und da kann man sich auch mal schnell aufeinander einstellen. Den jungen Sänger Casey Mc Pherson konnten die Herren schnell integrieren. Auf ausgedehnter Tour stellten alle Beteiligten aber schnell fest, dass die Chemie stimmt und somit gibt es nun mit „Second Nature“ bereits die nächste Platte der ambitionierten Kapelle zu hören.

 

Diesmal hat man sich ganz viel Zeit genommen. Geschlagene anderthalb Jahre zog sich die ganze Geschichte hin. Man nutze dabei auch die Möglichkeiten, welche sich aufgrund der schönen Onlinewelt ergeben und so konnte man sich Ideen auch via Skype oder Mail senden. Auf der anderen Seite wurde aber auch auf die gute alte Oldschool-Art gearbeitet und man traf sich um gemeinsam an den Ideen und Songs zu feilen. Man hört „Second Nature“ durchaus an, dass hieran sehr lange gearbeitet wurde. Vielleicht wäre es sogar von Vorteil gewesen etwas weniger Zeit für das Album zu verwenden, denn so klingt es doch an sehr vielen Stellen reichlich überfrachtet und überladen. Auf der anderen Seite ist es fast schon erstaunlich, dass die Band nur ihrem Instinkt gefolgt ist und der ganzen Geschichte eben kein Konzept zugrunde liegt. „Second Nature“ ist nämlich im Grunde seines Herzens ein progressives Album geworden.

 

Der Auftakt mit „Open Your Eyes“ geht auch gleich mit über zwölf Minuten in die Vollen. Der Song fängt wie ein Instrumentalstück an, wechselt dann die Richtung hin zu vertrackten Rhythmen, nur um im nächsten Moment die Richtung zum Pop einzuschlagen und mit seinem melodiösen Gesang sogar die Mainstreamhörer einsammeln dürfte. Danach wird es theatralisch, so wie es Muse auch gefällt. „Mask Machine“ ist dann komplett im Muse-Stil angelegt, aber auch total drüber. „Bombs Away“ kommt da immerhin viel zielstrebiger zu einem Ergebnis. In den Strophen groovt die Nummer sogar sehr lässig daher, kriegt aber zum Refrain hin wieder diesen Musical-Einschlag. Queen lassen grüßen.

 

Und so geht es munter weiter. „The Fury Of My Love“ ist gar eine schmalzige Hardrockballade. Eins muss man Flying Colors lassen, sie beweisen auf diesem Album ein ganz feines Händchen für Melodien. Die Grundstruktur von „A Place In Your World“ ist eigentlich härter, aber doch schaffen es die Herren, auch dort einen melodischen Teil einzubauen, dass es fast schon wieder poppig ist. „Lost Without You“ ist dann der erste richtige kurze Song, zumindest wenn fast fünf Minuten als kurz durchgehen. Das Stück ist zwar im Refrain mit reichlich Pathos angereichert worden, aber die Strophen sind doch herrlich entschlackt und luftig. Die Nummer könnte auch glatt auf dem erste guten Soloalbum von Chris Cornell sein. Zwischen altertümlicher Folklore, Psychedelica und Hardrock spielen sie auch sehr gekonnt bei „One Love Forever“ auf. „Peaceful Harbor“ erinnert an eine ungute Mischung aus Jethro Tull, Mike Oldfield und Chris De Burgh. Ehrlich. Zum Schluss schließt sich der Kreis mit „Cosmic Symphony“, einem Track der sich in drei Teile zerlegt. So progressiv wie die Platte begonnen hat wird diese auch beendet.

 

Fazit: Flying Colors haben sich für die Aufnahmen von „Second Nature“ sehr viel Zeit genommen. Zu viel Zeit. An manchen Stellen wird man den Eindruck nicht los, dass die Platte einfach mit zu vielen Ideen und Soundschichten zugekleistert wurde. Das ist sicher Geschmackssache, denn der progressive Anteil ist eben immens gestiegen und wird mitunter noch mal eine ganz neue Käuferschicht ansprechen. Der melodische Part kommt dabei nämlich keineswegs zu kurz. Die Herren sind natürlich allesamt Virtuosen an ihren jeweiligen Instrumenten. So bleibt unterm dem Strich ein nicht uninteressantes und kopflastiges Album, welches aber zu keiner Zeit so viel Seele wie das Debüt ausstrahlt.

 

http://flyingcolorsmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Flying Colors: Live In Europe

Flying Colors: Live In Europe (2 CDs)

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 8/12

 

Kaum hat die Supergroup Flying Colors ein erstes Lebenszeichen mit dem Debütalbum abgegeben, war auch eine entsprechende Fangemeinde schon gefunden. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass diese Truppe absolute Könner in ihren Reihen hat. Dies hilft natürlich alles nichts, wenn die Musik nicht überzeugt. Die Gefahr war hier nicht gegeben, denn die Platte von 2012 konnte über weite Strecken begeistern. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis diese Kapelle auch ein Livepublikum begeistern wird. Dies lies nicht lange auf sich warten und da die Flying Colors auch hier entsprechende Qualitäten haben, lag es natürlich auf der Hand dies auch für die Nachwelt festzuhalten. Aufgenommen wurde „Live In Europe“ am 20. September 2012 im 013 im niederländischen Tilburg. Die ganze Sause erscheint nun in allen erdenklichen Formaten und da dürfte für jeden etwas dabei sein.

 

Die Band spielte an diesem Abend das komplette Debütalbum, haute aber auch noch ein paar zusätzliche Favoriten der einzelnen Mitglieder heraus. Das Set war somit immens abwechslungsreich. Wie auf dem ersten Album fing das Set mit „Blue Ocean“ relativ verhalten an. Mit „Shoulda Coulda Woulda“ ging es anschließend aber mit durchgedrücktem Gaspedal in die Vollen. Fäuste in die Höhe, Nackensmuskulatur gestärkt und ab dafür. Das Ding rockt. Es gibt aber auch solche Geschichten wie „The Storm“ die poppig, aber auch mit Progrock-Elementen und einem brillanten Spiel aller Akteure aufwarten können. „Odyssey“ von den Dixie Dregs ist ein weiteres Beispiel für diese Richtung.

 

Die zweite CD geht dann noch mehr in eine Progrichtung. „Kayla“ ist da in jeder Beziehung beeindruckend. Der Sound ist einfach unglaublich. Kaum zu glauben, dass dies alles live ist. Ist es aber. Die Herren sind einfach Virtuosen an den Instrumenten und da darf man gerne mal staunen. „Repentance“ nimmt sich dafür auch noch alle Zeit der Welt. Ein schwelgerischer Song, der zum Träumen einlädt. Was fehlt ist ein Brett, selbiges gibt es dann erst wieder mit „All Falls Down“. Das Prog-Ungetüm „Infinite Fire“ holt zum Schluss noch mal alles raus was geht. Leise, laut, wild, zurückgenommen und dabei wird alles in das Schaufenster gestellt, was diese Band zu bieten hat – und dies ist eine ganze Menge.

 

Fazit: Die Flying Colors unterstreichen mit „Live In Euope, dass sie auch auf der Bühne unbestritten herausragende Qualitäten hat. Im Gegensatz zum Album ist der Sound noch sauberer und klingt nun weit weniger nach Soundgarden. Hier wird oftmals die hohe Kunst des Progrock zelebriert, mit all seinen schönen, aber auch negativen Randerscheinungen. Hierbei überwiegen aber eindeutig die positiven Eindrücken und somit darf man schon mal staunen, was diese Supergroup hier abliefert.

 

www.flyingcolorsmusic.com

 

Text: Torsten Schlimbach

 

Album Pre-Listening 'Live In Europe':

https://soundcloud.com/mascotlabelgroup/sets/flying-colors-live-in-europe/s-8H9k3


Live-Video ’The Storm’:
http://www.muzu.tv/fyingcolors/the-storm-live-music-video-musikvideo/2031536/

 

Live Video ’All Falls Down’:
http://www.myvideo.de/watch/9245032/Flying_Colors_All_Falls_Down_Live

 

Live Video ’Odyssey’:

http://www.rockhard.de/news/newsarchiv/newsansicht/36064-flying-colors-videopremiere-zu-odyssey-von-live-in-europe-dvd.html

Flying Colors: dito

Flying Colors: dito

Mascot Records/Rough Trade

VÖ: 23.02.2012

 

Wertung: 9/12

 

Nach dem das Musikgeschäft, wie wir es seit ein paar Jahrzehnten kennen, ein paar Tage auf dem Buckel hatte, wurde ein neues Genre erfunden. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass dies doch quasi täglich der Fall ist. Sobald man keine passende Schublade findet, wird eben eine neue eröffnet. Die Sparte der Supergroup ist aber eine ganz eigene Welt. Im Falle der Flying Colors tritt nun die nächste Band mit diesem Attribut an die Welt zu erobern.

 

Das Covermotiv könnte auch stellvertretend für das stehen, was die Band ausmacht. Viele kleine Teilchen bilden das Gerüst der Band und Musik und ergeben schließlich das große Gesamtpaket. Die Idee, die hinter den Flying Colors steht, ist recht einfach. Ein paar versierte Musiker und ein famoser Popsänger nehmen zusammen ein paar Songs auf und bestenfalls entsteht daraus dann ein ganzes Album. Hat geklappt. Man wollte Altes und Neues miteinander mischen und etwas völlig Eigenständiges kreieren. Ein neuer Sound sollte entstehen. Neue Musik ist es freilich geworden, der Rest ist in der heutigen Zeiten einfach nicht mehr möglich. Man hat doch sowieso schon alles gehört und die Mischung verschiedener Stile hat es nun auch schon in allen erdenklichen Formen und Facetten gegeben.

 

Bei den Namen Steve Morse, Casey McPherson, Neal Morse, Dave LaRue und Mike Portnoy schnalzt der Kenner mit der Zunge und rutscht unruhig auf seinem Stühlchen hin und her. Im Frühjahr 2011 kam die Truppe zusammen um in 9 Tagen das erste Album unter dem Banner Flying Colors einzuspielen. Das Ergebnis ist beachtlich geworden, obwohl es natürlich nicht wirklich eine Revolution im Musikzirkus auslösen wird.

 

Kurz und knackig bringt es vielleicht „All Falls Down“ auf den Punkt worum es bei diesem Projekt geht. Ausufernde Soli, virtuoses Riffing, Keyboardflächen, ein pumpender Bass und treibende Drums und dazu ein glasklarer Gesang – diese Einzelteile ergeben Flying Colors. Wer die ganze Geschichte dann noch richtig ausdefiniert haben möchte, kommt mit dem kleinen Progmonster „Infinite Fire“ auf seine Kosten. Zunächst fängt die Platte mit „Blue Ocean“ noch recht poppig an. Das klingt gar so, als wollten die Jungs die Zuhörer nicht gleich zu Beginn zu sehr fordern und überfordern.

 

Mit „Shoulda Coulda Woulda“ geht es anschließend aber gleich in die Vollen. Die 90er sind zurück! Das könnte glatt eine Reinkarnation von Soundgarden sein. Überhaupt erinnert das hin und wieder an die Chris Cornell Schiene. Mit „Kayla“ ist das nicht nur stimmlich recht nahe dort zu verorten, sondern auch musikalisch würde das perfekt auf eine Soloplatte des Soundgarden Sängers passen. Insgesamt fällt auf, dass die Platte ungemein druckvoll aus den Boxen kommt und so Gebräue aus Jazz, Metal und Rock wie „Forever In A Daze“ unglaublich frisch klingen – trotz alter Zutaten!

 

Fazit: Flying Colors ist in der Tat ein tolles Projekt von fünf absoluten Einzel- und Ausnahmekönnern. Erfreulicherweise geht es hier nicht um bloßes Muckertum, sondern darum die Stärken eines jeden Protagonisten herauzustellen. Die Summe ist größer als ihre Einzelteile und die Arrangements und Kompositionen sind tatsächlich Spitzenklasse! So macht eine solche Geschichte Spaß! Darf gerne eine Fortsetzung geben!

 

www.flyingcolorsmusic.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch