Flash Forward: Revolt

Flash Forward: Revolt

Uncle M Music/Cargo Records

VÖ: 24.11.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Was macht man, wenn man es satt hat, dass einem ständig irgendwer reinredet? Was macht man, wenn man ständig das Gefühl hat, dass man fremdgesteuert wird und dementsprechend dann agiert? Agieren muss? Genau, in letzter Konsequenz buddelt man sich ein und geht zurück auf Anfang. Das mag nicht überall ein probates Mittel und Rezept sein, aber als Künstler kann man sich diese Freiheit natürlich nehmen. Man braucht allerdings ein dickes Fell und sofern man als Musiker unterwegs ist, sollte man unbedingt noch ein paar Notfallpläne in der Schublade haben, denn von irgendwas muss man schließlich auch die Miete, Kleidung und das Essen bezahlen. Spielt man das Spiel nicht mit, dann hat man es ungleich schwerer. Die Jungs von Flash Forward sind diesen Weg aber nun gegangen. Wagenburgmentalität. Nur noch auf sich selber konzentrieren. Machen was einem selber guttut. Das Ergebnis kann man nun mit den zwölf Songs von „Revolt“ hören.

 

Wenn das nun das Ergebnis ist, wenn man auf keine Einflüsse der Branche mehr hört, dann Hut ab! Dann wollen wir alle unbedingt in einer Band spielen. Na gut, mangels Talent wird das vermutlich nicht zum Erfolg führen. „Revolt“ ist nun ein Album, welches sich ganz sicher nicht hinter internationalen Produktionen zu verstecken braucht. Richtig fett ist das hier Gehörte geworden. Die Stadien tauchen ja schon am Horizont auf. Bombastisch schwingen sich die Songs auf um Größeres zu erreichen. Bei „Payback“ gibt es dann sogar einen Screamo-Part auf deusch. Die Mischung auf diesem Album ist extrem vielfältig. „Recovering“ bietet beispielsweise alles, was die Alternativschublade so hergibt. Da wechselt das Tempo mehrmals, von Emo- bis zum Punkrock ist es auch nur ein Katzensprung, laut und leise geben sich die Klinke in die Hand und alles baut irgendwie auch auf einem Popfundament auf. Da ist es, das böse Wort. Pop muss aber ja nicht negativ behaftet sein. Für „Revolt“ bedeutet das eben, dass das alles höchst melodisch und teilweise eingängig ist.

 

Manchmal ist das dann aber auch eher unschön. „Paralyzed“ ist live bestimmt ein Brett, aber so aus der Konserve erinnert das eher an Teeniemusik. Obwohl: auch das ist ja im Grunde nicht verkehrt, denn wenn sich junge Menschen, die sich sowieso gerade von der ganzen Welt unverstanden fühlen, in handgemachte Musik verlieben, kann das nur gut sein. So ein Brett wie „Heart Of Gold“ zu Beginn ist natürlich auch mal eine Ansage. Aber auch hier gilt: eine Melodie und eine Hookline, die sich sofort einfräst.

 

In den guten Moment hören sich Flash Forward wie Billy Talent an, in den schlechten wie 30 Seconds To Mars. Der Rest liegt irgendwo in der Mitte. „Perfectionist“ groovt dann auch noch wie Sau. Nur mal so: Muse mögen die Herren aus dem Ruhrpott vermutlich auch. Selbst ein vermeintlich ruhiger Song wie „Lion“ wächst sich noch bombastisch aus. Das funktioniert auch auf den großen Festivals. Das gilt aber ja im Grunde für jeden Song auf diesem Album. Erfrischend ist dann auch mal eine Nummer, die einfach nur mal einen guten Punsch hat, hier „Kickstart“. Textlich ist das durchaus ein gesellschaftskritisches Album. In einer egoistischen Welt wäre es mal wieder wichtig, wenn wir uns alle auf ein Wir und die Gemeinschaft fokussieren würden. Miteinander, zuhören, Solidarität. Das Covermotiv lässt ja auch keine Fragen offen.

 

Fazit: Flash Forward wollen es wissen. Alleine. Reinreden ist nicht. Mit „Revolt“ drängt die Band auf die Festivals und in die Stadien. Alles groß, alles bombastisch. Von Emo bis Pop, von Punk bis Rock – alles drin, alles dabei. Hin und wieder kriegt man als Ü40 Mensch aber auch das Gefühl, dass man langsam zu alt für diese Art von Kram wird. Nun gut, muss man eben warten, bis man alt genug für Jazz ist. Nützt ja nichts!

 

http://www2.flash-forward-band.de/start.html

 

Text: Torsten Schlimbach

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