Femme Schmidt: Raw

Femme Schmidt: Raw

Dolce Rita/Warner

VÖ: 04.03.2016

 

Wertung: 8/12

 

Wie denn nur, liebe Elisa Schmidt? SCHMIDT? Oder doch lieber Femme Schmidt? So ganz scheint der Künstlername noch nicht festzustehen. Das erste Album wurde zwar „Femme Schmidt“ betitelt, aber da hieß die Interpretin noch schlicht SCHMIDT. Jetzt kommt mit „Raw“ das zweite Album in die Läden und nun nennt sich die junge Künstlerin Femme Schmidt. Alles klar soweit? Man wird sowieso das Gefühl nicht los, dass hinter diesem Projekt – oder sollte man Produkt sagen? - eine große Marketingstrategie steht und steckt. Für das erste Album konnte sie Fließbandschreiber Guy Chambers gewinnen, der ja eigentlich nicht mehr arbeiten wollte, und nun wurde u.a. mit Glen Scott, James Bryan und Martin Terefe gearbeitet. Los Angeles, New York, Stockholm und Kopenhagen waren einige der Stationen, bevor in den Londoner Kensaltown Studio „Raw“ final auf den Weg gebracht wurde.

 

Die Inszenierung von Femme Schmidt passt da sehr gut in das Gesamtbild. Bei all dem Wirbel darf und sollte man aber nicht vergessen, dass Elisa Schmidt ihr Handwerk nicht nur gelernt hat, sondern auch beherrscht. Angeblich wusste sie ja schon als Kind, dass sie mal Berufsmusikerin werden möchte und dafür hat sie auch einiges getan. Die Anerkennung der Kollegen – von Elton John über Lionel Richie bis hin zu Bryan Ferry – spricht für das Ergebnis.

 

Femme Schmidt ist Lana Del Rey nicht unähnlich. Auf „Raw“ ist aber alles ein bisschen polierter und glatter. „To The Edge“ fängt dabei geheimnisvoll an und würde sogar als Song für den nächsten Bond-Film durchgehen. Der Refrain setzt dann auch auf die ganz großen Popklischees. „The Music“ kommt zunächst eine ganze Spur reduzierter daher. Es brodelt aber und irgendwie scheint sich da ein Sturm aufzutürmen. Dieser äußert sich dann abermals in bombastischen Pop. Mit „Golden“ geht sogar ein Stück ihrer Identität flöten, denn das Stück könnte auch von Ellie Goulding sein – oder Lena Meyer-Landrut. Die Ballade „Temple Of Tears“ ist ganz nett, aber es fehlt das Besondere. Lana Del Rey hat da bessere Dinger im Repertoire.

 

„Kill Me“ ist allerdings ein Killer. Eine Bombennummer. Geile Hookline und tanzen kann man dazu auch noch. „Million Baby“ ist ganz nett und das jazzige „Raw“ könnte man sicher auch in einem Musical unterbringen. So ein ruhiges, unaufgeregtes Stück wie „Surround Me“ steht der Dame mit der markanten Stimme eigentlich ganz gut. Es muss nicht immer die große Pathoskeule sein. Mit „Loving Forces“ ist das aber schon wieder vorbei. Da wird sich noch mal für den nächsten James Bond beworben. Nach dem poppigen „Shape Of Love“ wird das eigentliche Album mit „God Only Knows“ verträumt beendet. Danach folgen zwei Bonustracks. „Is Your Love Strong Enough“ erinnert an Adele, während „Wild Heart“ „Raw“ unaufgeregt, aber ganz formidabel abschließt.

 

Fazit: Das zweite Album von Femme Schmidt hat natürlich nicht mehr diesen Aha-Effekt zu bieten. Der geneigte Zuhörer weiß ja nun schon um die Stimmkraft und die Klangfarbe. „Raw“ ist jetzt alles andere als wild und man wird das Gefühl an vielen Stellen nicht los, dass dahinter ganz viel Kalkül steckt und steht und weniger mit Herzblut zu tun hat. Pop Noir wird das von Schmidt und ihrem Umfeld genannt. Lana Del Rey ist da nicht ganz weit entfernt. „Raw“ ist an vielen Stellen poppiger als das Debüt und der Geist der 20er ist auch nicht mehr so offensichtlich. In letzter Konsequenz ist „Raw“ ein gutes Popalbum – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

 

http://femmeschmidt.com/de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Schmidt: Femme Schmidt (Deluxe Edition 2013)

Schmidt: Femme Schmidt (Deluxe Edition)

Warner

VÖ: 14.12.2012

 

Wer einen Beitrag zum Tatort leistet, der hat es geschafft an die ganz großen Töpfe zu kommen. Wenn es sich dabei auch noch um die äußerst populäre Kölner Ausgabe handelt, kann man fast von einem Lottogewinn sprechen. Die junge Berliner Künstlerin Schmidt kann sich dies nun auf ihre Fahnen schreiben. Ihre neue Single „Heart Shaped Gun“ wird an Neujahr im Tatort „Scheinwelten“ für die musikalische Untermalung sorgen. Da das Format bekanntlich zur besten Sendezeit läuft und sowohl Jung und Alt vor die Glotze lockt, erreicht sie hier auf einen Schlag eine große Hörerschaft und natürlich potenzielle Käufer.

 

Da „Heart Shaped Gun“ auf ihrem aktuellen Album „Femme Schmidt“ bisher nicht enthalten ist, legt man nun noch schnell eine Neuauflage der Platte nach. Schade! Das Album wurde schließlich erst im Mai veröffentlicht und jetzt eine Deluxe Edition nachzuschieben ist dann doch für die Fans und Käufer ärgerlich. Leider hat sich dieses Vorgehen die letzten paar Monate noch mal verstärkt eingebürgert. Insgesamt wurde „Femme Schmidt“ um vier Songs erweitert. Warum man daraus nicht einfach eine schöne EP zusammengestellt hat braucht man nicht weiter hinterfragen – zumal dieser Ausgabe nicht mal ein Booklet beigelegt wurde und das ist nun wirklich frech. Der Fan ist mal wieder der Dumme, denn um die Sammlung möglichst komplett zu halten, muss das Album nun erneut angeschafft werden.

 

Für alle anderen gibt es nun endgültig keine Ausrede mehr. Dieses Werk hat nämlich nichts an seiner Faszination verloren und ist nach ein paar Monaten immer noch ein aufregende Melange aus Cabaret, Pop und Jazz. Die Umsetzung und die Zusammenstellung der Tracks ist immer noch erstaunlich stimmig. Langeweile kommt hier erst gar keine auf. In gewissem Sinne löst Schmidt das ein, was man sich von Lana Del Rey versprochen hatte – großes Kino also! Dabei stört es auch nicht, dass dies von vorne bis hinten so maßgeschneidert wurde. Ist ja bei Frau Del Rey auch nicht anders, nur dass ihr Album letztlich enttäuschte, dies auf „Femme Schmidt“ aber keineswegs zutrifft.

 

„Heart Shaped Gun“ ist die perfekte Thriller-Musik. Mysteriös und dunkel schält sich der Track voller Anmut aus seinem Kokon um sich dann in Richtung ganz großer Opulenz zu verabschieden. Könnte man so nehmen und glatt in einem James Bond Film unterbringen. Kein Wunder, denn mit mit dem mehrfachen Jazz ECHO-Preisträger Martin Tingvall und dem international renommierten Songwriter Robin Grubert sind ja auch Könner ihres Fachs dabei. Noch besser kommt dies bei der Duett-Version mit eben Grubert zum Vorschein! Diese Version liegt hier selbstverständlich auch vor.

 

Mit „Black Roses“ gibt es einen weiteren neuen Song, der zunächst als düstere Ballade beginnt, das Tempo aber immer mal wieder variiert. Unter dem Strich ist diese Nummer durchaus gelungen, allerdings auch keine Sensation. Eine wunderschöne Live-Version des Macy Gray Klassikers „I Try“ rundet die Bonussektion ab. Dieser Song ist natürlich auch wie für Schmidt gemacht und beim ruhigen Beginn ist auch reichlich Platz um ihre stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen zu können. Danach zieht das Tempo an und der Track schwillt zu einem groovigen Jazz/Funk-Stück an.

 

Fazit: „Femme Schmidt“ wurde um vier weitere Songs angereichert und wird jetzt großspurig als Deluxe Edition noch mal auf den Markt geschmissen. Über die Qualitäten der einzelnen Stücke muss man nicht diskutieren, diese sind nämlich durch die Bank großartig. Ein etwas bitterer Beigeschmack bleibt allerdings! Den Song für den Tatort - „Heart Shaped Gun“ - hätte man auch als EP mit den drei anderen Neuen veröffentlichen können!

 

http://www.femmeschmidt.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Schmidt: Femme Schmidt

Schmidt: Femme Schmidt

Warner

VÖ: 18.05.2012

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Im letzten Herbst stellte sich die Frage, wer denn die Künstlerin mit dem deutschen Namen Schmidt ist? Mit einer EP, die den schönen Titel „Above Sin City“ trug, wurde ein Versuch unternommen die junge Berlinerin in der deutschen Musiklandschaft zu etablieren und erstmals den Kritikern und dem Publikum vorzustellen. Die Musik, die es dort zu hören gab, ist derart aus dem Rahmen gefallen, dass schnell die Rede von einem hoffnungsvollen Talent die Runde machte. Mittlerweile ist Schmidt wieder etwas mehr in Vergessenheit geraten. Das Geschäft ist aber auch derart schnelllebig geworden, dass der Trend von heute in einer Woche schon wieder ausgelutschter Käse von gestern ist. Lana Del Rey lässt an dieser Stelle ganz herzlich grüßen.

 

Die beiden Damen haben dann auch mehr gemeinsam, als man vermuten könnte. Beide scheinen höchst talentiert und beide haben sich einem Sound verschrien, der nicht nur den Geist einer längst vergangenen Epoche ein- und ausatmet, sondern derart retro ist, dass es komplett aus dem musikalischen Einheitsbrei fällt. Natürlich kann man die Frage stellen, ob da nicht pure Berechnung hinter steckt!? Und dann das alles nur einem Konzept am Reißbrett geschuldet ist und der ganze Zauber auf die schönen Leiber zugeschnitten wurde. Die Mitbestimmung dann auch recht spärlich ausfällt und eher im Stile eines großen Schauspiels vorgetragen wird. Lana Del Rey ist ja mittlerweile komplett entzaubert worden.

 

Aber genug von der Amerikanerin, denn hier geht es um Schmidt und die 22-jährige Berlinerin ist ein anderes Kaliber. „Femme Schmidt“ führt den Stil der EP konsequent fort – klar, denn vier der fünf Songs daraus gibt es nun auch auf dem Debüt – und legt ein authentisches Werk ab. Mit anderen Worten, man nimmt der Dame vollends ab, dass ihr diese Musik am Herzen liegt. Musik, die an die 20er Jahre erinnert und mit einem Sound der 60er versehen wird. Klar, das gleicht einer Inszenierung, aber Schmidt macht dies auch sehr gut. Wie sie lasziv den Zuhörer um den Finger wickelt und mit verruchter Stimme die ziemlich eindeutigen Songs vorträgt ist nicht ohne.

 

Die Männer hinter Schmidt sind Guy Chambers und Richard Flack. Beide ja nun beileibe keine Unbekannten. Der Pop-Jazz oder Jazz-Pop, den sie in Zusammenarbeit mit der Sängerin perfektioniert haben, ist dann auch der komplette Gegenentwurf zum Mainstreampop des Jahres 2012! Die Nostalgie-Show, die einer Marlene Dietrich sicher wesentlich näher wie einer Lady Gaga steht, lässt hin und wieder auch komplett die Hosen runter. So ist die wunderschöne Ballade „Under My Heart“ - lediglich mit Streicher- und Pianobegleitung – das komplette Gegenteil von alledem. Schmidt wirkt hier völlig bei sich selbst und variiert auch mal den Gesang und unterstreicht, dass sie neben dem zur Schau gestellten lasziven Timbre in ihrer Stimme auch ohne diese ganzen Kunstgriffe überzeugen kann. Diese Nummer wäre übrigens aufgrund der Atmosphäre perfekt für die Vorweihnachtszeit geeignet. Und dies ist bitte ausdrücklich als Kompliment zu verstehen. Das langsame „Stay“ fischt in ähnlichen Gewässern. Man könnte es sich gar in einem Film mit Audrey Hepburn vorstellen.

 

„Boom Boom“ kann man immer noch als den neusten Schrei im Tanzschuppen platzieren. Trotzdem haben es alle beteiligten Protagonisten geschafft den Nummern auch immer etwas Sperrigkeit mit auf den Weg zu geben. Und auf die Idee das bekannte Fernsehthema von „Die Zwei“ in "Alain Delon" einfließen zu lassen hat einfach Klasse. Die ausgewogene Mischung macht „Femme Schmidt“ tatsächlich zu einer sehr guten Platte. Schade, dass die EP aber nun komplett entzaubert ist und sich diese Tracks – bis auf das Velvet Underground Cover – allesamt auch auf dem Debüt befinden. Wer Frau Schmidt allerdings erst jetzt für sich entdeckt, dem kann das gänzlich egal sein.

 

Fazit: „Femme Schmidt“ löst das ein, was die EP „Above Sin City“ letzten Herbst schon versprochen hat. Musik, die so klingt wie das Cover aussieht. Musik, die komplett aus der Zeit gefallen ist. Natürlich steht dahinter ein Konzept, aber die Umsetzung ist fabelhaft und man verfällt schnell dem Zauber von Schmidt. Cabaret, Pop und Jazz der besonderen Art! Sollte man 2012 zumindest mal angetestet haben!

 

http://www.femmeschmidt.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Schmidt: Above Sin City (EP)

Schmidt: Above Sin City (EP)

Warner

VÖ: 21.10.2011

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Wer ist bitteschön SCHMIDT mögen sich viele fragen. Deutsch, klar! Mit einem typisch davor? Könnte man so sagen – oder doch nicht? Alles rund um SCHMIDT ist ein bisschen mysteriös. Die Fakten sind es weniger. Eine 21-jährige Berliner Göre macht sich auf die Club Szene von London aufzumischen. Gut, Göre ist jetzt auch nicht passend, denn ihre Musik ist dafür zu vornehm. Man kann sich dazu schicke Kleider in verrauchten Clubs vorstellen. Mit „Above Sin City“ folgt nun ein erstes musikalisches Ausrufezeichen in EP-Form!

 

Ohne, dass man einen Ton gehört hat, wirkt „Above Sin City“ wenig sympathisch. Zunächst einmal irritiert einen die Zusammenarbeit mit Guy Chambers. Jenem Guy Chambers, der sich nicht zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Robbie Williams als Fließbandpoparbeiter erwiesen hat. Jetzt hat er also Frau SCHMIDT entdeckt. Und dann ist da allerorten die Anpreisung, dass Chambers jetzt die Entdeckung der Saison gemacht hat und er sie zwischen Marlene Dietrich und der neuen Club Sensation anpreist. Das wirkt doch alles arg konstruiert.

 

Untersucht man „Above Sin City“ genauer werden alle Bedenken und Vorbehalte förmlich zerstreut. Zunächst überrascht die stilvolle Aufmachung dieser EP! Das ist in dieser Form nicht üblich. Ein Booklet, welches für fünf Songs schon sehr üppig ausgefallen ist, wurde sehr liebevoll gestaltet. Die schönen Fotos wurden ganz im Stil der 20er Jahre aufgenommen. Künstlerisch ist das aber nicht zu gewollt, sondern genau auf den Punkt gebracht. Die Songtexte werden ebenfalls abgebildet.

 

Die Musik ist ein regelrechter Knaller. Was man hier auf die Ohren bekommt ist eine aufregende Mischung aus Pop, Cabaret, Jazz und Tanzmusik! „Boom Boom“ hat mehr Schmiss wie die ganze Dance-Kacke (Entschuldigung! Aber man muss es doch mal so deutlich sagen!) der heutigen Chartssuppe. Zudem ist die Stimme unglaublich sexy und man kann sich dieser Musik kaum entziehen. Mit „Under My Heart“ kann die junge Berlinerin ihre Stimme noch mehr in den Vordergrund stellen. Diese Klavierballade kommt ganz im Stile eines Nick Cave oder Tom Waits. Voller erhabener Schönheit passt dieser Song gar in die Vorweihnachtszeit – ohne den üblichen Kitsch. SCHMIDT hat aber auch etwas Verruchtes zu bieten, wie sie mit „Shadowman“ und dem knisternden und holprigen „Sin City“ unter Beweis stellt. Selbst den Velvet Underground Track „Venus In Furs“ meistert sie auf geniale Art und Weise und klingt hier wie eine neue Nico.

 

Fazit: SCHMIDT ist ein neuer musikalischer hell leuchtender Stern aus Berlin. Die junge Dame legt mit der EP„Above Sin City“ einen überragenden musikalischen Einstand vor. Sie präsentiert eine aufregende Mischung aus Cabaret, Pop und Jazz. Ihrer Stimme haftet etwas Geheimnisvolles an, sodass man von dieser Musik regelrecht vereinnahmt wird. Nach diesen siebzehn Minuten darf man auf das Album gespannt sein!

 

http://www.femmeschmidt.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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