Fazerdaze: Morningside

Fazerdaze: Morningside

Flying Nun Records/Grönland

VÖ: 05.05.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Neuseeländerin Amelia Murray hat man hier noch nicht so auf dem Musikradar. Als Fazerdaze schaffte sie es mit ihrer EP immerhin in die Nerd-Blogs und die Indiegazetten. Jetzt veröffentlicht sie ihr Debüt „Morningside“ hierzulande bei Grönland. Damit ist die potenzielle Käuferschicht gleich ein ganzes Stück gewachsen, gilt Grönland allgemein doch als gute Adresse, bei der man auf die Auswahl der Künstler besonders achtet. Fazerdaze wird sicherlich alle begeistern, die mit 60ies Pop, Shoegaze und Indiekrach und Schönklang etwas anfangen können. Gut, der eine oder andere Blogger wird einsam in seinem Zimmer etwas weinen, da ihm jetzt das Liebste genommen wurde. Teilen ist ja nicht sein Ding. Geschenkt.

 

Amelia Murray alias Fazerdaze hat mit „Morningside“ den passenden Soundtrack für den Frühling und Sommer aufgenommen. Gitarre, Bass, Drum-Computern und zurückhaltend eingesetzten Synthies zeugen von besonderem Minimalismus. Der Gesang dazu wirkt teilweise sehr verhuscht und nach hinten gemischt. Shoegaze ist da nun wirklich nicht mehr weit entfernt. Bestenfalls gibt es noch die wunderbare Popmusik der 60er obendrauf. „Bedroom Talks“ verbindet diese beiden Welten sogar auf ganz wundervolle Art und Weise miteinander.

 

DIY scheint schon beim Opener „Last To Sleep“ durch. Das erinnert an eine Mischung aus Elastica und den Breeders. Schöner, verträumter Einstieg. „Lucky Girl“ ist derart beschwingt, dass es die gute Laune kostenlos dazu gibt. Bei „Misread“ wird dann ja auch noch der Krach gereicht. Nicht ausufernd, aber man hört schon deutlich, dass die junge Dame auch mal die eine oder andere Musik aus UK in der Anlage laufen hatte. Und die Pixies. Und Sonic Youth. „Little Uneasy“ ist süßliche Popmusik der alten Schule und „Jennifer“ das vermutlich schönste, kleine Ding, welches man dieses Jahr im Indiezirkus auf die Ohren bekommen wird. Herzig.

 

Darf es ein bisschen Bass sein? Hereinspaziert und „Take It Slow“ hören. Fazerdaze schafft es, mit ganz wenig ganz viel zu bewerkstelligen. Atmosphärisch ist das schon sehr dicht. Das verhuschte „Shoulders“ ist da ebenso wenig eine Ausnahme wie „Friends“, welches noch mal ordentlich die Krachschatulle öffnet. „Half-Figured“ bringt das auch noch alles in einem einzigen Track unter.

 

Fazit: Amelia Murray alias Fazerdaze hat mit „Morningside“ ein Album wie aus einer anderen Welt aufgenommen. In dem ganzEN polierten und austauschbaren Musikzirkus wirkt die Mischung aus 60ies Pop, Shoegaze und Indie der 90er-Prägung schon wie heilsame Medizin. Das macht heutzutage ja kaum noch einer. Abgesehen davon sind die Songs teilweise derart süßlich und schön, dass sie einem unweigerlich ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich an solche Musik herantrauen - es braucht dafür nämlich gar nicht so viel und Minimalismus ist oft so viel mehr als Gigantismus.

 

https://www.facebook.com/fazerdazemusic

 

Text: Torsten Schlimbach

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