Fayzen: Gerne Allein

Fayzen: Gerne Allein

Universal

VÖ: 12.05.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Musik muss man als Hörer auch aushalten können. Schöne Musik kann nämlich gleichzeitig auch so unglaublich traurig sein. Die Wahrheit schmerzt eben. Nicht immer, aber wenn sie einen trifft, dann auch oftmals mit voller Wucht. Fayzen kommt eigentlich vom Rap und HipHop. Schon mit seinem Debüt schlug er aber einen anderen Weg ein. Kritische und soziale Texte gab es auch schon in den 90ern von ihm zu hören. Die alte Zeit, als er noch in den Straßen von Hamburg seine Demotapes verkaufte. Das ist längst Geschichte und irgendwann merkte der gebürtiger Iraner, dass er etwas wahrhaftiges mit seiner Kunst schaffen wollte. Er brachte sich das Klavier- und Gitarrenspielen selbst bei und ging auf die Singer/Songwriterschiene. Diese fährt er nun auch mit seinem neuen Album „Gerne Allein“.

 

„Gerne Allein“ ist das vermutlich melancholischste, traurigste, aber auch schönste Album des Jahres. Wer Philipp Poisel bisher als den feinfühligsten Musiker Deutschlands einsortiert hat, muss nun umdenken. Fayzen weiß mit der Sprache zu spielen, umzugehen und wunderschöne Texte zu verfassen. Die Direktheit beeindruckt. Man hat als Zuhörer immer das Gefühl, dass dies keine fiktiven Geschichten sind, sondern authentische. Selbst ein Liebeslied wie „1000 Teile“ scheint real. Ist das kitschig? Selbstverständlich! Liebe ist aber ja nun oftmals kitschig. Was er da erzählt - vom Tante Emmaladen, dem Schulhof und den wundervollen Momenten – nimmt man ihm vollends ab. Selbiges gilt auch für das feinfühlige, gar zarte „Lina“. Dass Fayzen vom Rap kommt, hört man immer wieder seiner Art von Sprechgesang – beispielsweise bei „Intro und Outro (Quillagua)“ - an.

 

Fayzen singt aber natürlich nicht nur von der Liebe! „Gerne Allein“ ist auch ein hoch politisches und sozialkritisches Album. Das weht selbst durch den wunderschönen handgemachten Pop von „Mondverlassen“, auch wenn es sich dabei oberflächlich betrachtet auch um ein Liebeslied handeln mag. Der Titelsong - „Gerne Allein“ - geht an das Herz. Wie immer bei Fayzen, hat das Zusammenspiel der Musik und des Textes eine traurige Note. Die schwingt auch bei „Baumwall“ mit. „Herr Afshin“ und auch „Mein Herz Ist Traurig“ stürzen einen sowieso in das berühmte Tal der Tränen. Aber bei Fayzen gibt es auch immer einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Man muss nur zuhören. Das hier ist sowieso ein Zuhöreralbum. Fayzen ist auf der Suche nach seinen Wurzeln. Man hört ihm den Schmerz an. Hoffnungslos ist das aber eben nicht. Man muss da auch mal die tollen Songaufbauten erwähnen. Künstlerisch ist das schon sehr wertvoll. Musik aus dem Herzen.

 

Fazit: Fayzen hat mit „Gerne Allein“ ein sehr feinfühliges Album aufgenommen. Der Künstler lässt mit seinen Texten und seiner Musik sein Herz sprechen. Er öffnet sich vollends – ohne Netz und doppelten Boden. Authentisch und wunderschön. Es tut aber auch verdammt weh. Das sind Songs, die einen ganz sicher nicht kaltlassen werden! Es gibt ja auch schon genug belangloses Zeug da draußen. Fayzen ist anders und trägt sein Herz auf der Zunge. „Gerne Allein“ ist ein außergewöhnliches Album und verdient es gehört zu werden!

 

http://www.fayzen.de/gerne-allein/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch