Family Of The Year: dito

Family Of The Year: dito

Universal

VÖ: 07.08.2015

 

Wertung: 7/12

 

Die Erwartungen, die an das neue und gleichnamige Family Of The Year Album gestellt werden, dürften ungleich höher als noch beim Vorgänger sein. Mittlerweile ist die Band, besonders in Deutschland, nicht mehr der Geheimtipp für die Indiefolkgemeinde. Nach der Single „Hero“ war die Kapelle über Nacht in aller Munde und das dazugehörige Album „Loma Vista“ wurde auch zu einem kleinen Erfolg. Hierzulande starteten Family Of The Year richtig durch und somit ist es nicht unbedingt als Sensation zu werten, dass sie für das neue Album nach Berlin zogen, natürlich in das von Hipstern bevölkerte Kreuzberg. Obwohl, das gilt ja nicht nur für Kreuzberg, denn eigentlich stirbt ja ganz Berlin an Coolness, aber das ist ja ein anderes Thema.

 

Abgefärbt hat das glücklicherweise nicht auf das neue Album. Cool ist daran nämlich nichts. Auf ihre Art sind die Songs ziemlich retro. „Dead Poets“ könnte man sich auch gut von The Mamas and The Papas vorstellen. Aufregend ist an dieser Platte leider auch nicht sonderlich viel. Das kommt alles gefällig, nett und harmlos daher. Die Songs sind bisweilen bezaubernd und ja, das passt auch alles zum Sommer. „The Dance“ schleppt sich ohne Höhepunkt süßlich daher, hat aber kaum einen Spannungsbogen zu bieten. Über die volle Albumdistanz langweilen Family Of The Year dann doch ziemlich. Vielleicht sind die beiden Keefe-Brüder und die Mitstreiter Christina Schroeter und James Buckley auch einfach zu nett.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, das hier ist keine schlechte Platte – im Gegenteil! Der Folkpop geht auch gut ins Ohr, es fehlt nur eben das Besondere. Mit der Single „Make You Mine“ startet das Quartett ganz vielversprechend in das Album. Die Popnummer verbreitet gute Laune und hat einen guten Groove. Ein Ohrwurm, zu dem man gerne mitwippt: der Hipster mit seinem Vollbart ebenso wie die Schwiegermutti oder der spießige Beamte. Auf Family Of The Year können sich eben viele einigen. Das feine Fingerpicking bei „Facepaint“ lässt aufhorchen. Der Song, mit seinen treibenden Drums, entwickelt sich gar zum krachenden Indiepop – jedenfalls für Family Of The Year-Verhältnisse. Gutes Ding!

 

„Carry Me“ ist so ein bisschen von Simon & Garfunkel angehaucht, aber auch dieser Track lässt es nach hinten raus noch etwas lauter werden. „Carry Me“ könnte auch ein Hit werden. Der fröhliche Popsong hat auch etwas träumerisches zu bieten und dürfte so viele Hörer ansprechen. Das ist alles derart nett, dass man Family Of The Year einfach mal drücken möchte. Solche Songs können nur sehr nette Menschen schreiben. Frei von allen bösen Gedanken. „May I Miss You“ geht in eine ähnliche Richtung, hört sich aber auch etwas erzwungen an. Danach gibt es einen kleine Bruch und Family Of The Year läuten den Folkpop ein. „Give A Little“ und besonders „Blue Jean Girl“ gehen deutlich in diese Richtung, bevor mit dem schon erwähnten „Dead Poets“ dieser Weg endgültig ganz konsequent verfolgt wird.

 

Fazit: Family Of The Year machen mit ihrem dritten Album dort weiter, wo sie mit dem Vorgänger aufgehört haben. Die Band schreibt fluffige Popsongs mit Folkeinschlag, die meist gut ins Ohr gehen. Es sind gute, nette, bisweilen bezaubernde Songs. Man kommt aber auch nicht umhin zu sagen, dass das oft auch einfach zu nett und harmlos ist und dann wird es langweilig. Trotzdem wird der eine oder andere Song aus diesem Album wieder jede Menge Leute ansprechen – alles gut also.

 

http://familyoftheyear.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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