Eric Andersen: Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron

Eric Andersen: Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron

Meyer Records/Rough Trade

VÖ: 19.05.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Der Name Eric Andersen dürfte nur absoluten Nerds ein Begriff sein. Dies ist insofern schade, da sich der Mann seit vielen Jahrzehnten dem Folk der guten alten Tradition verpflichtet hat. Er hat unzählige Alben aufgenommen und unter dem Banner von allen möglichen Labeln veröffentlicht. Bis ganz nach oben hat er es allerdings nie geschafft. Dies mag Fluch (in finanzieller Hinsicht), aber auch Segen (in künstlerischer Hinsicht) zugleich sein. Jetzt ist Andersen, immerhin Jahrgang 1943, bestimmt ganz glücklich wie es gelaufen ist. Keiner quatscht ihm rein und er kann machen was er will.

 

In der jüngeren Vergangenheit hat sich der gute Eric mit der Literatur des britischen Dichters Lord Byron beschäftigt. Er stieß während einer UK Tour im Jahre 2014 auf selbigen. Ein Benefizkonzert für ein neues Dach für die eigene Kirche von Byron später liegt nun das Konzeptalbum „Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron“ vor. Von den vierzehn Songs hat Andersen lediglich zwei selber komponiert. Die restlichen zwölf Nummern basieren auf Versen von Byron. Musikalisch wurde denen ein eher spartanisches Gewand verpasst. Die Lieder wurden übrigens live aufgenommen und das tut dem Sound unglaublich gut.

 

Andersen hat mit diesem Album ein ganz besonderes Anliegen, denn er möchte den jungen Leuten diese Literatur zugänglich machen. Das ist mal ein kühnes Unterfangen, denn bei allem Respekt, es dürften nur sehr wenige junge Leute dieses Album hier hören. Größtenteils dürfte die Hörerschaft die 40 längst überschritten haben. Das sagt jetzt nichts über die Qualität der Songs aus, es ist nur eben keine hippe Musik. Zeitlos ist sie allerdings schon, denn diese Art von Folk und Americana kommt immer wieder.

 

„There´ll Be None Of The Beauty´s Daughters“ klingt zu Beginn wie eine Mischung aus Dylan, Knopfler und Cohen. Das ist gerade aufgrund der Violin sehr schön inszeniert. „Song To Augusta“ steigert die Intensität noch mehr. Oud und Djembe sind weitere Instrumente, die auf diesem Album zu hören sind. Diese werden in der Populärmusik ja nicht mehr so oft eingesetzt. „She Walks in Beauty“ ist ein ganz dezentes Kleinod, welches die Herzen berühren wird.

 

Zum Glück gibt es mit der Americana-Nummer „Hail To The Curled Darling“ mal etwas Dreck, Rotz und Staub der Wüste. „Child Harold´s Farewell“ legt auch mal etwas mehr Schmiss auf die Akustikgitarre. „Albion“ hört sich erneut wie ein neues Knopfler-Stück an. Was dem Album vielleicht etwas fehlt, ist die musikalische Vielfalt. Das treibt immer in ähnlichem Tempo und Fahrwasser dahin. Es dauert bis zu „When We Two Parted“ bis es wieder etwas forscher wird.

 

Fazit: Eric Andersen hat mit seinem neuen Album wieder ein Folk- und Americana Manifest aufgenommen. Er hat die Texte des britischen Dichters Lord Byron nicht nur als Inspiration genommen, sondern direkt vertont. Eingespielt wurde das dann auch noch live. Ein sehr intensives und authentisches Werk. Es mangelt etwas an unterschiedlichen Stimmungen und wenn man sich nicht komplett darauf einlassen kann, holen einen die Songs nicht ab. Andersen möchte den jungen Leuten die großen Literaten näher bringen, demnächst angeblich sogar Böll.

 

http://www.ericandersen.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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