Eric Andersen: Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll

Eric Andersen: Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll

Meyer Records/Rough Trade

VÖ: 21.12.2017

 

Eric Andersen verfolgt seit geraumer Zeit einen Bildungsauftrag. Er befasst sich auf seinen musikalischen Werken immer wieder mit den Großen der Literatur. Jetzt hat er sich Heinrich Böll gewidmet und mit dessen Werk und Leben beschäftigt. Daraus ist dann „Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll“ entstanden. Was das nun so genau ist, kann man gar nicht beantworten. Mit sechs Songs und einer Spielzeit von unter 25 Minuten geht das sicher nicht als Album durch. Eine Single ist das logischerweise aber auch nicht, denn hier steht ja kein besonderer Song im Vordergrund. Eine Auskopplung ist das demnach also nicht. Mitunter kann man von einer EP reden. Letztlich ist das aber sowieso egal, man sollte das nur im Hinterkopf haben, nicht, dass man hier von falschen Voraussetzungen ausgeht.

 

Am 21.12.2017 jährt sich der 100. Geburtstag des am 16.7.1985 verstorbenen Literaten und somit bot es sich ja an „Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll“ an diesem Tag zu veröffentlichen. Warum Böll? Die Idee entstand an einem Februar-Tag mit René, einem der Söhne des literarischen Großmeisters, als sie in Köln einen Spaziergang machten. Je mehr Eric Andersen sich mit Böll beschäftigte, umso mehr war er von dessen Humanität zutiefst beeindruckt.

 

Der zentrale Song dürfte hier „Thank You“ sein. Hört man dem bissigen Text zu, dann dürfte klar sein, wer der Adressat von Andersen ist. Eine Abrechnung ist das – mit unglaublich viel Text. So kennt man das auch von Dylan. Musikalisch ist das sowieso in der Dylan-Ecke zu verorten.

 

Dylan ist sowieso allgegenwärtig. Auch das in Folk getränkte „Silent Angel“ ist deutlich vom Meister inspiriert worden. Andersen macht das aber durchaus sehr gut, gar keine Frage. „Face Of A Clown“ hingegen kommt eher im Leonard Cohen-Style, während „Silence“ eine Mischung aus den beiden großen Singer/Songwritern ist. Eingerahmt werden diese Songs von „Wenn Das Wasser Im Rhein Goldener Wein Wäre“ - als Albumeröffnung mit Frauenstimme, als Albumschluss als Instrumental. Kölner werden den Songs sofort musikalisch, als auch textlich verstehen und lieben.

 

Fazit: „Silent Angel: Fire And Ashes Of Heinrich Böll“ ist ein gutes Kurzalbum bzw. eine gute EP geworden. Ob Andersen mit seiner traditionellen Ausrichtung im Dylan/Cohen-Style tatsächlich einen Bildungsauftrag erfüllen kann, bleibt fraglich. Dieses Werk hier werden mitunter sowieso nur Menschen entdecken, die längst die 40 überschritten haben. Junge Menschen haben dann doch andere Vorlieben und Helden. Die hier versammelten Nummern sind aber deswegen ja trotzdem gut, gar keine Frage. Und zu Ehren von Heinrich Böll darf das durchaus auch mal abgefeiert werden!

 

http://www.ericandersen.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Eric Andersen: Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron

Eric Andersen: Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron

Meyer Records/Rough Trade

VÖ: 19.05.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Der Name Eric Andersen dürfte nur absoluten Nerds ein Begriff sein. Dies ist insofern schade, da sich der Mann seit vielen Jahrzehnten dem Folk der guten alten Tradition verpflichtet hat. Er hat unzählige Alben aufgenommen und unter dem Banner von allen möglichen Labeln veröffentlicht. Bis ganz nach oben hat er es allerdings nie geschafft. Dies mag Fluch (in finanzieller Hinsicht), aber auch Segen (in künstlerischer Hinsicht) zugleich sein. Jetzt ist Andersen, immerhin Jahrgang 1943, bestimmt ganz glücklich wie es gelaufen ist. Keiner quatscht ihm rein und er kann machen was er will.

 

In der jüngeren Vergangenheit hat sich der gute Eric mit der Literatur des britischen Dichters Lord Byron beschäftigt. Er stieß während einer UK Tour im Jahre 2014 auf selbigen. Ein Benefizkonzert für ein neues Dach für die eigene Kirche von Byron später liegt nun das Konzeptalbum „Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron“ vor. Von den vierzehn Songs hat Andersen lediglich zwei selber komponiert. Die restlichen zwölf Nummern basieren auf Versen von Byron. Musikalisch wurde denen ein eher spartanisches Gewand verpasst. Die Lieder wurden übrigens live aufgenommen und das tut dem Sound unglaublich gut.

 

Andersen hat mit diesem Album ein ganz besonderes Anliegen, denn er möchte den jungen Leuten diese Literatur zugänglich machen. Das ist mal ein kühnes Unterfangen, denn bei allem Respekt, es dürften nur sehr wenige junge Leute dieses Album hier hören. Größtenteils dürfte die Hörerschaft die 40 längst überschritten haben. Das sagt jetzt nichts über die Qualität der Songs aus, es ist nur eben keine hippe Musik. Zeitlos ist sie allerdings schon, denn diese Art von Folk und Americana kommt immer wieder.

 

„There´ll Be None Of The Beauty´s Daughters“ klingt zu Beginn wie eine Mischung aus Dylan, Knopfler und Cohen. Das ist gerade aufgrund der Violin sehr schön inszeniert. „Song To Augusta“ steigert die Intensität noch mehr. Oud und Djembe sind weitere Instrumente, die auf diesem Album zu hören sind. Diese werden in der Populärmusik ja nicht mehr so oft eingesetzt. „She Walks in Beauty“ ist ein ganz dezentes Kleinod, welches die Herzen berühren wird.

 

Zum Glück gibt es mit der Americana-Nummer „Hail To The Curled Darling“ mal etwas Dreck, Rotz und Staub der Wüste. „Child Harold´s Farewell“ legt auch mal etwas mehr Schmiss auf die Akustikgitarre. „Albion“ hört sich erneut wie ein neues Knopfler-Stück an. Was dem Album vielleicht etwas fehlt, ist die musikalische Vielfalt. Das treibt immer in ähnlichem Tempo und Fahrwasser dahin. Es dauert bis zu „When We Two Parted“ bis es wieder etwas forscher wird.

 

Fazit: Eric Andersen hat mit seinem neuen Album wieder ein Folk- und Americana Manifest aufgenommen. Er hat die Texte des britischen Dichters Lord Byron nicht nur als Inspiration genommen, sondern direkt vertont. Eingespielt wurde das dann auch noch live. Ein sehr intensives und authentisches Werk. Es mangelt etwas an unterschiedlichen Stimmungen und wenn man sich nicht komplett darauf einlassen kann, holen einen die Songs nicht ab. Andersen möchte den jungen Leuten die großen Literaten näher bringen, demnächst angeblich sogar Böll.

 

http://www.ericandersen.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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