Emil Bulls: Kill Your Demons

Emil Bulls: Kill Your Demons

AFM Records/Soulfood

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Emil Bulls sind immer noch eine Konstante im deutschsprachigen Indierockzirkus. Seit nunmehr 20 Jahren knüppeln sich die Herren über kleine und große Bühnen und veröffentlichen kontinuierlich Alben. Mit „Kill Your Demons“ gibt es nun mal wieder eine neue Platte. Produziert wurde das Album von Benny Richter, den Mix übernahm Florian Nowak. Die zwölf Songs pflügen sich – mehr oder weniger – wieder durch den harten Gemüsegarten – poppige Melodien natürlich inbegriffen!

 

Der Titeltrack „Kill Your Demons“ eröffnet auch gleichzeitig das Album. Das Ding ist ein ziemlicher Brecher. Core darf und muss man da wohl als Überbegriff nehmen. Rohe Gitarrenwände und tiefergelegte Bässe knallen da aus den Boxen. „The Ninth Wave“ hört sich an wie ein Song, den Linkin Park in den letzten Jahren nicht mehr auf die Reihe bekommen haben. Die Emil Bulls mögen den Begriff zwar nicht, aber das gehört schon ein bisschen in die Nu Metal-Ecke. „Black Flags“ schafft den Spagat zwischen unbändiger Wut und melancholischen Zwischentöne. Es ist ja auch nicht gut um die Welt bestellt. Übrigens gibt es hier auch noch ein paar Powerchords der Metalschule.

 

„Miss Magnetic“ und „Once Find For All“ bringt dann die andere Seite der Bayern zum Vorschein, nämlich die poppige. Letztgenannte Nummer hat dann auch noch den entsprechenden Refrain am Start, der sich auf Festivals und in den Hallen der Republik natürlich prima tausendfach mitsingen lässt. „The Anatomy Of Fear“ kommt dann wieder aus der tiefergelegten Ecke. Bei dieser Thematik ist das aber auch kein Wunder. Zu dem Stück darf man auch gerne mal freidrehen. „MT. Madness“ hat was von den Deftones, aber die Erkenntnis ist ja auch nicht gerade neu wenn es um die Emil Bulls geht. Es gibt ja auch weitaus schlechtere Referenzen und Vergleiche.

 

„Euphoria“...nun ja...muss man mögen. Also diese poppige Seite. Mutig. „In Any Case Maybe“ pölt einem den Refrain mit der Brechstange rein. Aufwachen gut und schön, aber das ist irgendwie auch sehr penetrant. Vermutlich geht es aber auch nur so. Im Anschluss gibt es das bekannte Spiel zwischen Geknüppel und poppigen Elementen bei „Done Dark“. „Levels And Scales“ ist eine geile Nummer, in die die Band ihr ganzes Herzblut hereingelegt hat. „Winterblood“ ist der Abschluss der unter die Haut geht!

 

Fazit: „Kill Your Demons“ wird die Fans der Emil Bulls erfreuen, bisweilen sogar begeistern. Alles wie gehabt, keine Experimente, man bleibt sich treu. Die Band ist eben die Konstante in der deutschen Indiemusiklandschaft. Es wird hier nach allen Seiten ausgelotet was geht und man begibt sich wieder an die Randgebiete der Härte, aber auch des Pop. Kann man so machen.

 

http://www.emilbulls.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Emil Bulls: Oceanic

Emil Bulls: Oceanic

Sony

VÖ: 30.09.2011

 

Wertung: 8/12

 

Die Emil Bulls gehören ganz sicher zu den fleißigsten Bands des Landes. Die Jungs sind seit der Hochzeit des Alternativ-Rocks im Musikzirkus dabei und können nicht ohne Stolz auf die letzten sechzehn Jahre zurückblicken. Mit „Oceanic“ legen sie nun schon wieder ein neues Album vor. Es handelt sich dabei um das siebte Werk! Das ist mal eine Ansage! Dafür brauchen Kollegen eine ganze Karriere die sich über Jahrzehnte erstreckt. Es ist aber sicher nicht so, dass den Emil Bulls das alles so zufliegt. Dafür müssen sie sich immer wieder hinterfragen und hart arbeiten. Eine gesunde Fanbasis macht es aber sicher einfacher, denn auf ihre Anhänger können sie immer zählen.

 

Wie man so hört, soll im Vorfeld von „Oceanic“ nicht alles so glatt gelaufen sein. Gerade die Anfänge sollten einem Trümmerfeld geglichen haben. Die Ideen waren nicht da und der ganze Prozess zehrte an den Nerven aller Beteiligten. Die Frustration soll sogar in einen handfesten Streit ausgeartet sein. So blöd wie es sich anhört, dies scheint der Platte letztlich auf die Sprünge geholfen zu haben. Die negativen Spannungen wurden in kreative Energie umgewandelt und so ist „Oceanic“ teilweise mal wieder ein schönes Brett. „We Don´t Believe In Ifs“ knallt beispielsweise derart rein, dass dies Hardcore-Freunde erfreuen dürfte. Die Emil Bulls brechen hier ihren eigenen Geschwindigkeitsrekord.

 

Vierzehn Songs sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache und lässt nicht gerade auf Ideenarmut schließen. Zudem ist die Scheibe extrem vielfältig und abwechslungsreich. „The Concubines Of Debauchery“ erinnert so vom Aufbau an die letzten sphärischen Songs von Linkin Park. Die Emil Bulls legen allerdings noch eine gehörige Spur Härte drauf und preschen dann mit „Epiphany“ doch noch los, als wäre der Teufel hinter ihrer Seele her. Mit Crossover hat das eigentlich nicht mehr viel zu tun, auch wenn die Emil Bulls immer wieder in diese Schublade einsortiert werden. „Between The Devil And The Deep Blue Sea“ überzeugt so mit dem nötigen Härtegrad, vergisst aber auch die harmonischen Melodien nicht – die werden nämlich links und rechts am Wegesrand eingesammelt.

 

Anscheinend haben sich die Emil Bulls für dieses Album keine Grenzen gesetzt. „The Jaws Of Oblivion“ entpuppt sich nämlich als waschechter Hit mit Poppotenzial! „Not Tonight Josephine“ erinnert dagegen an die famosen Deftones. Elektronische Spielereien wurden auch untergebracht, kann man auf „Battle Royal“ überprüfen – aber nicht nur. Natürlich ist die Stimme rauer und kratziger aber die Balladenpophymne von „I Bow To You“ hätte sich auch großartig auf dem Comeback Take That-Album gemacht - ehrlich(!) und das ist bitte nicht negativ zu verstehen. Da braucht man schließlich ein Händchen für und die Emil Bulls stellen auch dies erneut unter Beweis. Mit „The Saddest Man On Earth Is The Boy Who Never Weeps“ ist gar ein weiterer astreiner Poptitel dabei. Aber keine Angst, mit „All Systems Go“ pflügen sie wieder alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Von „Lessons From Losses“ bis zur Popballade „Dancing On The Moon“ erinnert die Platte erneut ganz stark an den Weg, den auch Linkin Park mit dem letzten Album gegangen sind. Wird nicht jedem gefallen, ist aber darum nicht schlecht. Die Emil Bulls 2011 stehen eben für die Vielfalt und Abwechslung.

 

Fazit: Die Geburt von „Oceanic“ der Emil Bulls war wohl nicht ganz so einfach. Dem Album hat es wohl nicht geschadet – im Gegenteil. Die Platte schafft den Spagat zwischen gepflegter Härte und poppigen Elementen. Die Emil Bulls preschen los wie der Hund, der von der Kette gelassen wurde, nur um im nächsten Moment den Fuß völlig vom Gas zu nehmen und mit den schönsten und süßlichsten Klänge den Hörer zu becircen. Gemacht wird, was gefällt und nicht was erwartet wird. So muss einem um die Zukunft er Emil Bulls nicht Bange sein!

 

http://emilbulls.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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