Elles Bailey: Wildfire

Elles Bailey: Wildfire

Outlaw Music

VÖ: 01.09.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

"Yeah Baby, reich mir mal die Kippen und eine Flasche Whiskey, ich will frühstücken." So ähnlich stellt man sich das morgendliche Ritual von Elles Bailey vor. Ihre kraftvolle Stimme klingt nämlich so, als würde sie mindestens drei Packungen am Tag wegrauchen und mit Feuerwasser gurgeln. Die Dinge liegen aber manchmal dann doch ganz anders, denn Bailey verdankt die Klangfarbe ihrer Stimme einer Lungenentzündung in ihrer Kindheit. Die in Bristol lebende Sängerin hat ihr neues Album „Wildfire“ nun in den Blackbird Studios in Nashville aufgenommen. Produziert wurde die Platte von Brad Novell. Als Musiker griffen ihr zur Umsetzung jede Menge Größen aus Nashville unter die Arme. Vollendet wurde das Werk dann auf der Insel.

 

Macht Elles Bailey jetzt etwas komplett Neues? Nicht wirklich, denn sie reiht sich direkt neben Beth Hart ein. „Wildfire“ hat den Blues. Den Blues von Nashville. Den Blues der Sümpfe. Abgesehen davon ist das Ding ein Hit. Nicht in der Form, dass das Stück im Radio gespielt würde, aber das mindert ja nicht die Qualität des Songs. „Same Flame“ legt noch an Groove und Voodoo zu. Das ist Musik, die nichts mit dem aktuellen Zeitgeist des Business am Hut hat. „What If I“ bringt dann noch den Soul ins Spiel. Traditionalisten fühlen sich hier wohl. Ein bisschen mehr Rotz hätte allerdings auch nicht geschadet.

 

Die Ballade „Perfect Storm“ vereint das nun alles irgendwie unter einem Dach. Beth Hart-Fans können da im Grunde bedenkenlos zugreifen – oder sich aber die Frage stellen, warum es die Musik von Elles Bailey noch braucht, wenn man die gute Beth schon im Schrank stehen hat. Ronnie Wood dürfte, sofern er das Album je hört, auch großen Gefallen daran finden. Slide Guitar wohin man auch hört. „Let Me Her You Scream“ stampft dazu auch noch herrlich im Staub der Wüste herum. Und wie gut „Shake It Off“ - genau das Ding von Taylor Swift – ist, kann man anhand der Version von Elles Bailey sehr gut nachvollziehen. „Shackles Of Love“ plätschert danach ein bisschen dahin. „Believed In You“ ist die Überballade, wie es sie aber auch Dutzendfach gibt. „Howlin´ Wolf“ gibt ja schon per Titel die Richtung vor. Da schwingt allerdings auch sehr viel Pathos mit. Das reduzierte „Girl, Who Owned The Blues“ kommt da schon wesentlich dringlicher. Klingt nach Truckerkneipe – und das ist bitte nicht negativ zu verstehen. „Time´s A Healer“ schlägt als Bonustrack eine ähnliche Richtung ein. Das Doppel bildet zum Schluss einen ganz starken Abgang.

 

Fazit: Elles Bailey lässt auf „Wildfire“ dem Blues freien Lauf. Die Dame aus Bristol ist eine astreine Roots-Sängerin. Ein bisschen Soul darf es natürlich auch mal sein. Das erinnert alles stark an Beth Hart. Beides Frauen mit ausdrucksstarken Stimmen, die sich der traditionellen Musik verpflichtet fühlen und nicht irgendwelchen Trends nachrennen. „Wildfire“ ist ein gutes Album, gleichwohl es auch ein paar Durststrecken zu überstehen gilt.

 

https://www.ellesbailey.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch