Elena: Shit Vergangener Tage

Elena: Mixtape - Shit Vergangener Tage

Recordjet/Soulfood

VÖ: 17.11.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Tradition ein eigenes Mixtape zusammenzustellen ist ja leider eingeschlafen. Files oder Links hin- und herschicken ist ja auch nicht sonderlich sexy. Früher hat man sich Gedanken über die Auswahl gemacht, die Anordnung der Songs folgte nicht willkürlich, sondern dahinter war eine richtige Geschichte für den Beschenkten versteckt und natürlich hat man auch noch ein Cover gestaltet. Und dann war der Prozess des Überspielens ja auch noch langwierig, aber eben auch mit viel Spaß verbunden. Elena hat nun ihr ganz eigenes Mixtape zusammengestellt. Kein Mixtape bekannter Songs, nein, es sind ihre Songs. Es ist ihr „Shit Vergangener Tage“.

 

Elena schreibt und produziert. Elena singt, spielt Klavier, Ukulele oder Moog Bass. Elena unterrichtet aber auch in Hamburg Gesang und arbeitet auch noch als Chorleiterin. Ein Leben für die Musik. Ihre Einflüsse sind sehr vielfältig und somit ist die Mischung auf „Shit Vergangener Tage“ schon höchst beachtlich, weil es die in dieser Konstellation nicht so oft gibt: Klassik, Rap und Jazz. Elena hat letztes Jahr mit ihrem Debüt noch eine etwas andere Richtung eingeschlagen. Poppiger waren die Songs. Jetzt gibt es sehr viele Ecken und Kanten, die nicht unbedingt den Mainstreamhörer abholen, dafür aber viele Menschen die authentische Musik wirklich lieben.

 

Der Titelsong „Shit Vergangener Tage“ ist dabei so etwas wie die Blaupause des Albums. Jazz und Klassik verschmelzen zu einer aufregenden Melange. Gut, hier fehlt der Rapanteil, den gibt es mit dem düsteren „Schwester Von“ dann aber noch mal in seiner langsamsten Form. Lässig, cool, minimalistisch. Sie ist übrigens die Schwester von David Garrett. Musikalisch gibt es da aber keine Schnittmengen, auch wenn manche das aufgrund der Klassik-Elemente viele gerne als Aufhänger nehmen.

 

„Strasse Nach Clayton“ hat einen Refrain mit poppiger Melodieführung. Es sind die Gegensätze, die dieses Album ausmachen, hier sind es die Worte. Und so wird der Refrain mit mit einem Jazz-Piano in den Strophen in eine entgegengesetzte Richtung geführt. „Apfel“ hat auch wieder diese Gegensätze. Den Refrain könnte man sich auch von einer Joy Denalane vorstellen, während die vielen Wörter in den Strophen einem in bester Eminem-Manier um die Ohren fliegen. „Wut Im Bauch“ ist noch krasser. Das Paino pendelt dezent zwischen Jazz und Klassik und der gesungene Refrain steht im krassen Gegensatz zu den Spoken Word-Salven in den Strophen. Thematisch passt das zudem auch sehr gut zu den aktuellen Diskussionen um die Gleichberechtigung der Frau bis hin zu #metoo. „Ooh! (Eines Tages)“ wird von Luis Baltes gefeatured. Das Stück hat einen guten Flow – hier trifft handgemachte Musik auf Beats. Sehr abwechslungsreich ist dieses Album und doch greift hier ein Rädchen in das andere.

 

Fazit: Das Mixtape von Elena - „Shit Vergangener Tag“ - gefällt mit einer Mischung aus Jazz, Klassik, Electronica und HipHop. Die Songschreiberin und Multiinstrumentalistin hat aber auch sprachlich ein intelligentes Werk auf die Beine gestellt. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und somit ist das auch ein sozial- und gesellschaftskritisches Album, welches den Zeitgeist sehr gut einfängt.

 

http://elena-singt.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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