Dirk Darmstaedter: Before We Leave

Dirk Darmstaedter: Before We Leave

Teaneck Records/Edel

VÖ: 26.09.2014

 

Wertung: 8/12

 

Die Geister der Vergangenheit wird man nicht los. Man kann sich dagegen wehren oder man kann es einfach machen wie Dirk Damstaedter, jener begnadete Indie-Popsong-Schreiber, der seinen größten Hit „Brand New Toy“ immer noch live spielt. Die Älteren werden sich gerne an die auslaufenden 80er erinnern, als Darmstaedter mit den Jeremy Days für einen Sommer mit besagtem Song der heißeste Scheiß des Landes war. Die Jüngeren können damit freilich nichts anfangen und doch ist „Brand New Toy“ längst zu einem Klassiker geworden. Dirk Darmstaedter spielt den Song immer noch. Man nimmt es ihm ab, denn er hat offensichtlich Spaß daran und zudem das Stück ganz neu arrangiert und irgendwo zwischen Dylan, Cash und Petty angelegt. Ein Wink hinüber zu der guten, alten Zeit. Was das alles mit „Before We Leave“, seinem neuen Album, zu tun hat? Oberflächlich betrachtet natürlich nichts, aber es sagt doch eine ganze Menge über den Musiker Darmstaedter und sein künstlerische Selbstverständnis aus. Er ist mit sich und seiner Welt im Reinen und das hört man eben auch „Before We Leave“ an!

 

Man müsste Dirk Darmstaedter mal fragen wie er das macht. Nicht die Musik, auch nicht sein eigenes Label verlassen und dann ein neues gründen. Das ist sicher auch alles interessant, aber diese Stimme bringt einen um den Verstand. Der Mann klingt immer noch wie ein junger Sangesbarde! Die Jahrzehnte scheinen in dieser Hinsicht jedenfalls spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein. Und dann hat er sich auch diese Neugier bewahrt. Seine Art des Gesangs klingt jedenfalls immer noch so, als wäre er neugierig auf alles was da wohl auf ihn zukommen mag. Neugierig auf die Welt. Neugierig auf seine Fans und wie diese seine Songs wohl annehmen werden. „Before We Leave“ unterstreicht jedenfalls ganz dick und fett, dass der Mann mit sich und seiner Welt absolut im Reinen zu sein scheint.

 

„Before We Leave“ wird jetzt die deutsche Musikwelt nicht in ihren Grundfesten erschüttern, vermutlich wird diese Platte - werden diese Songs - sogar untergehen. Leider. Solche Musik hört heutzutage ja kaum noch einer. Dirk Darmstaedter beherrscht die leisen Indietöne wie kaum ein anderer in diesem Land. Lieber lässt er etwas weg anstatt seine Musik zu überfrachten. Auch das ist eigentlich gegen den Trend. Er kann dafür anscheinend locker und leicht Melodien aus dem Ärmel schütteln, die so formvollendet sind, dass es nur so eine Kunst ist. Das fragile, fast zusammenfallende „Seashells“ ist Singer/Songwriter, ist großer Pop und dazu auch noch herrlich entschlackt. Und mal ehrlich: ist „The Half Life“ nicht wunderschön?! Popmusik so völlig ohne Pathos, ohne aufdringlich zu sein, einfach mit so einem kleinen Beatles-Schlenker versehen – toll. „Top Of The World“ erinnert an eine Vielzahl seiner früheren Songs, besonders der mitreißende Refrain erwärmt die Herzen.

 

Manches plätschert auch ein bisschen so dahin. „Damage Control“ ist eigentlich nicht schlecht, hat aber auch nicht wirklich einen Spannungsbogen zu bieten und viel zu erzählen. „Lie To Me“ kommt nett und fluffig als kleine Indiepopperle daher, schwingt sich aber gar noch zur großen Pophymne auf. Da klingelt die Gitarre auch mal, als hätte The Edge im Studio vorbeigeschaut. „Capetown“ ist klassischer Singer/Songwriterpop mit ordentlich Twang. „Western Union“ hingegen ist sehr britisch angelegt, während „Some Streets Will Lead Nowhere“ mit der vollen Melancholiebreitseite ankommt. „Punching Ball“ biegt etwas forscher auf die Zielgerade ein. Der Titelsong „Before We Leave“ fängt als Reggaestück an, nimmt die Abbiegung in Richtung Pop und fährt dann sogar noch ein paar Bläser auf. Großes Kino zum Schluss!

 

Fazit: Dirk Darmstaedter haut mit „Before We Leave“ ein entspanntes, schönes und gutes Popalbum aus der Indieecke raus. Der Mann hat nichts verlernt und zudem noch einiges zu erzählen – musikalisch wie textlich. Er hat sich seine Jugendlichkeit und Unbekümmertheit auf eine sehr natürliche Art und Weise bewahrt. Es sind gute Songs. Songs die nicht die Welt verändern, für den Einzelnen aber von großer Bedeutung sein.

 

http://www.dirkdarmstaedter.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch