Die Kammer: Season III: Solace in Insanity

Die Kammer: Season III: Solace In Insanity

Delicious Releases/Membran

VÖ: 05.02.2016

 

Wertung: 8/12

 

Die Kammer öffnet nun zum dritten Mal ihre Pforten. Mit „Season III: Solace In Insanity“ wird gleichzeitig auch noch ein neues Kapitel aufgeschlagen. Sänger Marcus Testory und Gitarrist Matthias Ambré haben sich für die mehr als 60 Minuten etwas ganz Verrücktes ausgedacht. Schon Noel Gallagher gab einst Jack White mit auf den Weg, dass seine White Stripes ohne Bass einfach beschissen klingen würden. Ob Die Kammer nun genau diese Worte von Herrn Gallagher im Ohr hatte, als man sich an die Arbeiten für dieses Album machte, ist nicht überliefert. Darauf zu hören kann aber so verkehrt ja auch nicht sein, denn der gute Noel liegt ja bekanntlich immer richtig mit seinen Einschätzungen. Also liebe Hörer der „Season III“,  sperrt die Lauscher ganz weit auf, denn der Bass ist nun fest im Sound verankert worden.

 

Aber keine Sorge, sonst ist ja alles wie bisher. Also fast. Nun ja, vielleicht doch nicht so ganz. Wenn sich Die Kammer öffnet, dann gleicht das auch einer Wundertüte. Das Album wird nämlich eingebettet durch Sabine Bohlmann. Viele werden sie als die Synchronstimme von Lisa Simpson kennen. Auf diesem Album erinnert sie allerdings an einen anderen Charakter: die maulende Myrthe. Auch ihr lieh sie ja ihre Stimme. Das Morbide, das Dunkle, das Verrückte – all das stellte sie auch für dieses Album hier zu Verfügung. „Solace In Insanity“ und „Sophie´s Chimaera“ kriegen so einen ganz besonderen Zauber verliehen.

 

Ansonsten ist - bis auf die Cellistin Tabea Rotter, nun ersetzt durch Veronika Münstermann - die Mannschaft aber zusammen geblieben. Ingo Römling am Bass ist ja nun auch kein Unbekannter, denn er gestaltete ja sämtliche Artworks. Dieses gut eingespielte Team sorgt also abseits der bekannten Musikpfade wieder für einige Überraschungen. Hörgewohnheiten werden da mal schnell auf den Kopf gestellt.

 

Es wird auf „Season III“ auch mal richtig durchgelüftet. Der Folk von „The Drunk Welshman“ erinnert dabei an The Jeremy Days! Klar, die Orchestrierung aus Tuba, Violine, Viola und Cello mag ungewöhnlich sein, aber die Kapelle von Dirk Darmstaedter hat einst ähnliche Songs kreiert – nur mit anderen Mitteln. Das düstere „The Way You Are“ dürfte ja wieder alle ASP-Fans zufriedenstellen. Es geht bei Die Kammer aber ja auch nicht darum irgendwelche Fanerwartungen zu erfüllen, sondern alles wird der Atmosphäre, dem Sound und der Aussage untergeordnet und dabei können eben Reminiszenzen an die Vergangenheit auch gut und gerne für ein stimmiges Gesamtbild sorgen.

 

Der Jahrmarkt öffnet mit „Gingerbread Heart“ seine Tore – hatten wir schon die Drehorgeln und Spieluhren erwähnt? Nein? Hier sind sie! Und ja, so ein bisschen geht es mit „Sedlaczek“ dann auch in Richtung Polka. Tango? Walzer? „The Galant Enticer´s Tango“! Der Gesang ist allerdings etwas übertriebener Natur. „Intoxication Intravenous“ kennt man aus dem Kölner Karneval. Ehrlich. Natürlich nicht so, aber Elemente daraus. Sagten wir gerade Karneval? Pardon, schrieben! Bitteschön, hier ist „Carnival Of The Peculiar“, ein Lied, welches aber eher nach Seemannsgarn klingt. Ein Lied wie die raue See während eines Sturms.  „Auld Weeping Willow“ hört sich wie aus einem Horrorfilm entsprungen an. „Fairy On The Wire“ bringt ja wieder die Sonne zurück.  Ballade? Ballade: „Will You Close My Eyes?“.  Alles geht. Auch mal ein bisschen Pop. „Love For Life“ hat nämlich sogar Hitqualitäten.

 

Fazit: Die Kammer hat auch in der dritten Runde noch nichts an Faszination verloren. „Season III: Solace In Insanity“ wird Fans der morbiden, akustischen Instrumentierung erfreuen. Diesmal auch mit Bass. Und mit jeder Menge anderen Instrumenten, die nichts in der Mainstreammusik zu suchen haben. Polka, Walzer, Pop, Folk und das ganze Kabinett der wunderbaren Abscheulichkeiten werden hier aufgefahren. Hörgewohnheiten werden da auf den Kopf gestellt und das ist doch schon mehr, als man gemeinhin heutzutage geboten bekommt.

 

https://die-kammer.com/de

 

Text: Torsten Schlimbach

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