Derek Smalls: Smalls Change

Derek Smalls: Smalls Change

BMG

VÖ: 04.05.2018

 

Wertung: 8/12

 

Der Name Spinal Tap löst immer noch bei Millionen Fans Schnappatmung aus. Der Film über eine halb-fiktive und zweitklassige Metal-Kapelle, mit dem Namen „This Is Spinal Tap“, erfreut sich unter Musikfans auch heute noch großer Beliebtheit. Die Älteren werden die liebgewonnenen Spinal Tap-Abende mit Freunden, Chips und viel Bier noch in guter Erinnerungen haben. Es gibt eben Streifen mit Kultcharakter. Die Band fand sich für verschiedene Reunions immer mal wieder zusammen. 2009 trat Spinal Tap sogar beim legendären Glastonbury Festival auf. Jetzt wird der Geschichte auf gewisse Art und Weise ein neues Kapitel hinzugefügt. Tieftöner Derek Smalls veröffentlicht mit „Smalls Change“ sein erstes Soloalbum.

 

Derek Smalls (Harry Shearer) ist nicht mehr der Jüngste und ein Debüt in seinem Alter können sicher nur wenige Menschen vorweisen. Immerhin 75 Lenze zählt Smalls bald. Beim Alter treffen dann Fiktion und Wirklichkeit auch zusammen, denn Shearer wurde tatsächlich 1943 geboren. Blättert man durch das Booklet und betrachtet die verschiedenen Fotos von Smalls, dann kann man sich ungefähr ausrechnen, ob man das hier alles auf die Goldwaage legen sollte! Dies bedeutet aber natürlich nicht, dass dieses Album nicht durchaus ambitioniert ist. Man muss eben nicht alles bierernst nehmen. Die Riege der beteiligten Musiker lässt auf jeden Fall darauf schließen, dass hier neben dem Spaß, auch durchaus mehr dahintersteckt. Und das tut es auch!

 

Hier mal ein Überblick, wer da alles Smalls unter die Arme gegriffen hat:

 

Jeff “Skunk” Baxter (Steely Dan, Doobie Brothers)
Gregg Bissonette
Larry Carlton
David Crosby
Donald Fagen (Steely Dan)
Taylor Hawkins (Foo Fighters)
Jim Keltner
Danny (Kootch) Kortchmar
Russ Kunkel
Michael League (Snarky Puppy)
Jane Lynch (actress/singer)
Steve Lukather (Toto)
Judith Owen
Snarky Puppy Horns
Joe Satriani
Paul Shaffer (David Letterman, SNL, etc.)
Chad Smith (Red Hot Chili Peppers)
Richard Thompson
Steve Vai
Waddy Wachtel
Rick Wakeman (Yes)
Phil X

 

Mein lieber Herr Gesangsverein, von einer derartigen Riege können andere nur träumen!

 

Textlich geht es um die Ärgernisse des Älterwerdens. Fans dürfen sich über viele Tap-Zitate freuen. So gibt es beispielsweise ein Wiederhören mit „Big Bottom“ oder „Stonehenge“. Steely Dans „Rikki Don’t Lose That Number“ wird zu „Willie, Don’t Lose That Number“. Und ja, da wird natürlich von Beavis & Butt-Head Smalls’ Dialog mit seinem Schniedl „Memo To Willie“ wieder aus der Kiste hervorgeholt. Selbstverständlich hat Donald Fagen an dem Stück mitgearbeitet.

 

Musikalisch wird überall natürlich der Heavy Metal aufgegriffen, aber auch Rock and Roll und Klassik. Der Titeltrack „Smalls Change“ klingt dabei sogar wie ein Musical. „Butt Call“ (der Titel!) wird trotz der Metalgitarre dafür sorgen, dass demnächst jeder auf sein Smartphone glotzt. Smalls der alte Witzbold. Die Songs fallen nicht durch Geschwindigkeit auf und bleiben eher in gemächlichen Gefilden stecken, sind aber trotzdem extrem vielseitig. Die traditionellen Metalriffs werden auf Songs wie „I Don´t Get Old“ oder „Faith No More“ sauber ausgespielt. „Gimme Some (More) Money“ hat sogar ein bisschen Honky Tonk-Flair zu bieten. Macht Laune! „Hell Toupee“ ist bombastisch aufgeblasen. Smalls bittet hier zur Oper – natürlich auf seine Art. „Gummin´ The Cash“ ist ein Metalfest mit und durch Gitarrenhexer Steve Vai. „When Men Did Rock“ mit Satriani und Rick Wakeman klingt sogar zum Schluss progressiv. „Rock And Roll Transplant“ liest sich alleine schon auf dem Papier wie ein Allstartreffen: Steve Lukather, Jim Keltner und Chad Smith und ja, auch hier hört man den unbändigen Spaß, den die Herren beim Einspielen gehabt haben müssen.

 

Fazit: Wer Rockmusik auch mal mit einem Augenzwinkern verstehen kann, wird mit „Smalls Change“ absolut gut unterhalten werden. Das Album von Derek Smalls (Harry Shearer) macht einfach unglaublich viel Spaß, ist musikalisch aber höchst vielseitig und durchaus hochwertig! Die Gäste, die dazu beigetragen haben, sind zudem die A-Liga der Rockmusik. Man hört, dass alle Beteiligten eine Menge Spaß gehabt haben müssen. Für Spinal Tap-Fans ist das sowieso ein Fest und absolute Pflicht – also im Grunde somit für jeden eine Pflichtveranstaltung!

 

http://dereksmallsmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch