D´Angelo And The Vanguard: Black Messiah

D´Angelo And The Vanguard: Black Messiah

Sony

VÖ: 15.12.2014

 

Wertung: 8/12

 

Fast fünfzehn Jahre musste man nun auf ein neues Album von D´Angelo warten. Fünfzehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit und das Musikgeschäft ist mittlerweile komplett anders aufgestellt und funktioniert auch eben nicht mehr so wie damals. Eine ganze Generation dürfte noch nie was von dem Mann gehört haben. Warum jetzt dieses Album? Der 40-jährige dürfte damals in der goldenen Zeit ja seinen Schnitt gemacht haben. Als Grammy-Preisträger sowieso, denn damals war das immerhin ein ernstzunehmender Preis. Ob er mit „Black Messiah“ noch mal an die alten Erfolge anknüpfen kann muss dann doch bezweifelt werden, denn dafür war der Wandel in den fünfzehn Jahren viel zu groß.

 

Angeblich fanden die Aufnahmen tatsächlich verteilt über die fünfzehn Jahre statt. D´Angelo zur Seite stand dabei seine Band The Vanguard. Pino Palladino, James Gadson und Questlove sind als Gäste bei „Black Messiah“ dabei. Bei den Texten konnte er zudem auf die Hilfe von Q-Tip und Kendra Foster bauen. Verwendet wurde für die Aufnahmen altes Vintage Equipment und es kamen ausschließlich analoge Bänder zum Einsatz. Auf diese Art und Weise sind letztlich zwölf Songs zustande gekommen.

 

„Black Messiah“ ist wohl das entspannte Album, welches Prince nicht mehr aufnehmen wird. Vieles auf dieser Platte könnte auch vom kleinen Genie aus Minneapolis sein. Das Album ist eine wunderbare Mischung aus Funk, R&B, Soul und Jazz. Die Arrangements und die Produktion sind schon vom Feinsten. In der ganzen Umsetzung steckt einfach sehr viel Detailliebe, die Platte wirkt aber zu keiner Zeit überladen. Mit „Ain´t That Easy“ groovt sich die ganze Mannschaft noch auf einem Terrain ein, welches auch Outkast nicht fremd ist. „1000 Deaths“ wabert gesanglich allerdings etwas planlos daher, dafür kann die Instrumentierung – besonders der Bass – überzeugen. „The Charade“ haftet sogar ein bisschen Indieprogrock-Attitüde an. „Sugah Daddy“ kann mit einer Bläsersektion und einem Pianospiel aufwarten, wie man es in der modernen Musik seit James Brown nicht mehr gehört hat. „Really Love“ ist zwar auch funky, schippert gesanglich aber leider etwas zu harmlos daher.

 

„Back To The Future (Part 1)“ packt danach wieder den Prince-Groove aus und auch „Till It´s Done (Tutu)“ geht sehr geschmeidig in die Ohren – und Beine! „Prayer“ schwurbelt dafür wieder etwas ziellos daher, es muss wohl Kunst sein. Für sich genommen ist „Betray My Heart“ sicher groß, aber von diesen funkigen Klängen hat man nun einfach schon zu viele auf „Black Messiah“ gehört. Die Bläser bringen wenigstens den Jazz zurück. Lässig ist hingegen „The Door“ und auch „Back To The Future (Part II)“ kann überzeugen. Mit „Another Life“ legt D´Angelo ganz zum Schluss dem Zuhörer einen der besten Songs seiner (von Albumseite) überschaubaren Karriere zu Füßen. Grandioses Ende von „Black Messiah“.

 

Fazit: Er war lange weg, aber jetzt meldet sich D´Angelo mit seiner Band The Vanguard mit „Black Messiah“ recht amtlich zurück. Es reißt einen zwar nicht komplett vom Hocker, aber die Mischung aus Funk, Soul, R&B und Jazz ist schon nicht von schlechten Eltern. Der Neo Soul ist weitestgehend verschwunden, aber das muss ja nicht schlecht sein. Ohne jede Vorankündigung hat er dieses Album veröffentlicht, der Effekt dürfte bei Beyoncé aber ungleich größer gewesen sein. „Black Messiah“ hat es aber auf jeden Fall verdient gehört zu werden. Punkt.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch