Crischa: Das Leben Ist Anders

Crischa: Das Leben Ist Anders

Motor/Edel

VÖ: 04.04.2014

 

Wertung: 8/12

 

Man glaubt es kaum, dass Crischa aus Reutlingen mal mit Blackmail musiziert hat. Zumindest deutet nichts auf seinem Album „Das Leben Ist Anders“ darauf hin. Crischa sagt mittlerweile aber selbst, dass er Musik wie ein Schwamm aufsaugt und die Richtung prinzipiell egal ist. Mit Geburtsjahr 85 gehört er sicher auch nicht mehr zu den Jungspunden der Szene und ist sich seiner musikalischen Ausrichtung durchaus sehr sicher. Alles ist möglich, nur schmissig und rockig sollte es sein. „Das Leben Ist Anders“ ist voll davon. Die Platte wurde von ihm gemeinsam mit seinem Manager Attila Hermann in den Naidoo/Herberger Studios produziert.

 

Naidoo? Herberger? Da ahnt man ja nichts Gutes. Bitte nicht noch einer dieser weinerlichen Sänger, davon ist Deutschland sowieso schon inflationär überschwemmt. Glück gehabt, Crischa jammert nicht, Grischa feiert da Leben. Seine Musik ist dabei manchmal derart überschwänglich, dass es schon wieder zu ungestüm wirkt. „Sie Ist Sommer“ scheint ja derart die gute Laune und Sonne aus dem Arsch, dass es schon unangenehm wird. Puh, dieser Teufelskerl. „Sonnenschein In Deinem Dekolleté“ klingt vom Titel her ja dann wie der nächste fröhliche Hit für den Sommer. Es ist eine Ballade. Eine Ballade, bei der der Mann singt als ginge es um sein Leben. Immer ein bisschen rau, immer ein bisschen wie ein Straßenköter, immer erfrischend – ohne bisschen.

 

„Blutjung“ hört sich wie der junge Westernhagen an und nach so einem Song ist jener seit mindestens zwei Jahrzehnten auf der Suche. Da jubiliert alles: Gitarren, Bläser, Tasten. „Du Siehst Gut An Mir Aus“ swingt, rollt und rockt, während „Autopilot“ ein bisschen Grönemeyer Flair in die Platte holt. Crischa beherrscht aber auch oftmals die leisen, nachdenklichen Töne. „Ein Kuss Der Die Welt Veränderte“ haut nach hinten raus aber noch ein bisschen Pathos heraus, während „Nur Du“ noch mal alles auf die Balladenorgel schmeißt und „John“ anschließend gar noch mal ein bisschen zur Klassik rüber schaut. Ist das Schlager? Deutschpop? Alles und nichts! Nach „Lied Der Motivation“ - übrigens tatsächlich von der Klassikmusik mehr als nur inspiriert – ist man glatt sprachlos, was das denn nun war, dieses „Das Leben Ist Anders“.

 

Fazit: Crischa legt da ein deutschsprachiges Album vor, welches man lange nicht mehr in dieser Republik auf die Ohren bekommen hat. Meist jammern ja alle nur herum und nerven mit ihrem Befindlichkeitspop. Crischa beherrscht bei seinen Alltagsbeobachtungen und den großen und kleinen Themen, die uns alle umtreiben, auch die leisen Töne, aber er macht das gänzlich anders als seine Kollegen. Und wenn er abgeht, dann richtig. Mit großem Besteck und allem drum und dran. Dicke Hose und so. Er kann es aber auch. Ein überraschendes Album.

 

http://www.crischa.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch