Clean Bandit: New Eyes

Clean Bandit: New Eyes

Warner

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 7/12

 

2008 wurde in Cambridge eine neue Band aus der Taufe gehoben. Clean Bandit gründeten sich  während des Studiums am Jesus College. Zunächst bestand die Band aus fünf Mitgliedern, schrumpfte aber schnell zu einem Quartett. Mit „New Eyes“ folgt allerdings erst jetzt das Debütalbum. An Anfragen mangelte es seinerzeit nicht, denn schnell sprach sich in der Szene herum, dass Clean Bandit eine Art ungeschliffener Diamant sei. Die Band widerstand aber allen Offerten und erledigte zunächst alles in Eigenregie. Besonders die formvollendeten Videos zu den Songs sorgten für offene Münder und wurden im Internet schnell ein Renner. Teilweise haben die Stücke von „New Eyes“ schon eine lange Reise hinter sich. „Mozart´s House“ und „Telephone Banking“ kreisen dabei sogar schon seit 2010 durch den Orbit.

 

Bei uns erlangten Clean Bandit mit dem Megahit „Rather Be“ eine größere Aufmerksamkeit. Die Nummer landete auf Platz eins der UK-Charts und auch im Rest von Europa wurde das ein Hit. Das schmissige Popstück ist allerdings nicht unbedingt repräsentativ für „New Eyes“. Das Crossover-Werk ist dabei hin und wieder gar im minimalistischen Kammerpop anzusiedeln. Hört man bei „Dust Clears“ tatsächlich noch Autotune? Ernsthaft? Im Jahre 2014? Musste doch nicht sein. Abwechslungsreich ist das Album aber auf jeden Fall. Dies liegt mitunter nicht nur an den verschieden Sounds, sondern auch an der Tatsache, dass jeder Track mit unterschiedlichen Sänger/Innenn um die Ecke kommt. „Mozart´s House“ ft. Love Sega ist dann auch der Zusammenstoß von verschiedenen Musikrichtungen. Electrobeats, die an ein Computerspiel der 90er erinnern, treffen auf einen klassischen Sound, der mit Violine und Cello eine völlig andere Richtung einschlägt und mit einem Gesang aus der Ragga/Hip Hop Ecke beeindruckt.

 

„Extraordinary“ wird von der wundervollen Sharna Bass soulig veredelt. Dies wird mit einem Clubsound untermalt, der aber auch schnell die Abbiegung in Richtung Pop nimmt. „A+E“ mag die Hipster in Verzückung versetzen, langweilt aber schnell. „Come Over“ mit Reggaeanleihen ist auch nicht sonderlich spannend. Klar, mit Violine und Cello hat man das noch nicht gehört, aber der Überraschungseffekt ist schnell verpufft und dann hört sich das auch nur wie schon Tausendmal gehört an. „Cologne“ und „Telephone Banking“ sorgen auch für keinen weiteren Aha-Effekt. Erst „Up Again“ kann noch mal punkten. Lorde mischt mit einem ähnlichen Sound gerade das Musikgeschehen auf. Clean Bandit zeigen hiermit, dass sie das auch können. „Heart On Fire“ ist danach leider wieder eine kleine Enttäuschung. Der Computerspielsound wird nur durch Elisabeth Troy gerettet, die dem Stück ihren Stempel aufdrückt. „New Eyes“ wildert dann in den Gefilden, die James Blake gehören und „Birch“ ergötzt sich an seinem Minimalismus und schleppt sich dem Ende entgegen. „Outro Movement III“ ist zum Schluss eine Art Zusammenfassung dessen, was Clean Bandit eigentlich sagen wollen – viel schlauer ist man auch dann nicht.

 

Fazit: Clean Bandit werden von den Hipstern gnadenlos abgefeiert. Wer jung ist und cool sein will, muss die Band mögen. Dance- und Clubtracks findet man auf „New Eyes“ nur bedingt. Hier trifft Klassik auf Elektro. Was sich spannend anhört, ist es aber meist dann doch nicht. Gerade die Klassikelemente werden dabei an den Rand gedrängt und gehen schnell im Nirgendwo verloren. Letztlich steht und fällt dieses Album mit seinen Sängern. Die kunstvollen Videos von Clean Bandit sind mitunter spannender wie die Musik. Aber wie gesagt, wer jung ist muss einfach Clean Bandit hören.

 

http://cleanbandit.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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