Chase And Status: Brand New Machine

Chase And Status: Brand New Machine

Universal

VÖ: 07.10.2013

 

Wertung: 8,5/12

 

Nach dem Knalleralbum „No More Idols“ legen Chase And Status mit „Brand New Machine“ endlich ein neues Album vor. Man durfte gespannt sein was sich dieses verrückte Team nun wieder ausgedacht hat. Es ist eine Menge und es steht der Vielfalt des Vorgängers in nichts nach. Es ist aber trotzdem anders, aber mal wieder eine der Dance-Sensationen des Jahres. Die tollste Erkenntnis daran: daran ist nichts fremdgesteuert! Chase And Status setzen die Trends und alle anderen müssen wohl oder übel folgen, denn auf „Brand New Machine“ gibt es die Vorgaben für ein ganzes Genre.

 

„Count On Me“ mit Moko ist ja schon wieder mit seiner Simplizität der Dancefloorkracher der Saison und verweist die Mitbewerber auf die Plätze. Chase And Status wären aber eben nicht Chase And Status wenn „Brand New Machine“ nicht ein wahnsinniger Ritt auf er Rasierklinge wäre. „Gun Metal Grey“ reitet sich auf einem düsteren Beat ganz langsam in das Album rein, bevor bei „International“ die Sirenen angehen. Dubstep und Ragga sind das Gebot der Stunde. Was bei „Brand New Machine“ besonders auffällt, dass es nicht mehr so knallt wie beim Vorgänger. „BLK & Blu“ ist ja schon Pop in Reinkultur. „Pressure“ knüpft auch eher an „International“ an. Tanzbar ist das, aber eher auf eine zurückgenommene Art. Ein wilder Rave hört sich jedenfalls anders an.

 

„Machine Gun“ ist die wahnwitzige Antwort auf Prodigy, aber wesentlich zurückgenommener und doch baut sich eine intensive, gar bedrohliche Stimmung auf. Das gilt auch für „Gangsta Boogie“. Gerade der Rappart ist großartig und weit von dem entfernt, was einem immer über dem großen Teich entgegen weht. Chase And Status übertreiben es auf diesem Album allerdings auch etwas mit diesem verzerrten Gesang der klingt, als hätte King Kong mal im Studio vorbeigeschaut. Die großen Momente sind immer dann vorhanden, wenn eine weibliche Stimme durch die dunkle Atmosphäre dringt. Wer auch immer meint, dass irgendwas auf „Disintegration“ von The Cure düster tönt, möge „Heaven Knows“ mit Elli Ingram hören und für immer schweigen. Als Gegenpol folgt das luftige und leichte „Lost & Not Found“ mit seinem treibenden Beat.

 

Auf „Brand New Machine“ mag auf den ersten Blick nicht alles zusammenpassen, aber nach und nach ergibt dieses Gemisch durchaus Sinn. „Like That“ - erneut ist Moko ganz groß – ist Pop, Funk, R&B, Gospel und Dancemusik der Extraklasse. „Deeper Devotion“ wildert sich durch die erste Hälfte der 90er und da ist dann auch der Eurodance nicht mehr weit entfernt. „Breathing“ langweilt erstmals. „What Is Right“ mit Nile Rodgers(!) und Abigail Wyles ist die Version Erwachsenenpop, die man viel zu selten im Radio hört. Eine moderne Variante von Sade steckt da drin. „Alive“ fährt zum Schluss noch mal alle Geschütze auf und packt sämtliche Wendungen des Albums in 3 Minuten und 27 Sekunden. Toller Abschluss!

 

Fazit: „Brand New Machine“ ist nicht mehr ganz so laut wie sein Vorgänger. Vermehrt schleichen sich bei Chase And Status auch ein paar poppige Klänge ein. Dazwischen tummelt sich Dubstep, Funk, R&B, Gospel, Eurodance und in ihren Herzen sind die Jungs natürlich auch Rocker – irgendwie. Für die dreckigen Tanztempel setzen Chase And Status immer noch Maßstäbe, nicht für den Mainstream, gleichwohl der schon mit Appetithäppchen angelockt wird.

 

http://chaseandstatus.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

Chase And Status: No More Idols

Chase And Status: No More Idols
Universal

VÖ: 29.04.2011

 

Wertung: 10,5/11

Tipp!


Ja Herrschaftszeiten, was war denn bitte das? Was fegte denn da durch die Anlage? Das neue Album von Chase And Status nennt sich „No More Idols" und wer das Ding auflegt, sollte gewarnt sein, denn man könnte auf die Idee kommen, dass dann in einer knappen Stunde eine Büffelherde durch die Bude tobt. Was das Duo hier veranstaltet, spottet jeder Beschreibung. Vielleicht muss das aktuelle Dance-Genre seinen momentanen Ansazt völlig neu überdenken. Chase And Status hauen hier ein Ding raus, das alles andere wie Kindergeburtstag wirken lässt.


Wer The Prodigy remixt muss schon ein ganz besonderes Kaliber sein. Die beiden Helden, die sich hinter diesem Projekt verbergen, sind es! Saul Milton und Will Kennard sind aber längst keine Unbekannten mehr und weit über die Grenzen von UK bekannt. Spätestens seit ihrem Auftritt beim Glastonbury-Festival sind sie in der Szene sowieso in aller Munde. Ihr Album „More Than Alot" fegte sowieso wie ein Dampfhammer durch die einschlägigen Zappelbuden. Nun folgt der Nachschlag.


Man kann jetzt viele Schublade aufziehen und wird Chase And Status sowieso nicht gerecht. Was ist das nun? Breakbeat? Dubstep? Drum & Bass? Ja und auch wieder nein! Dancemusic ist es auf jeden Fall, aber das wirkt ja schon fast verniedlichend. Electonica ist es auch - irgendwie. Viele Stile lassen vielleicht nur einen Schluss zu: Crossover. Natürlich hat das nichts mit dem Crossover der 90er zu tun, aber wie sich die beiden hier durch die verschiedenen Spielarten pflügen ist schon eine Kunst für sich. Man kann aber auch ein ganz neues Genre aufmachen und zukünftig vom Chase And Status-Genre sprechen! Das wäre doch mal wieder was, wenn die Musik im Kleinen wieder Protagonisten am Start hat, die etwas Neues kreieren.


Die Liste der Gäste ist dann auch fast so lang wie das Album selber. Von Plan B über die White Lies bis hin zu Clare Maguire und Dizzee Rascal reicht die Palette. Dass dabei nicht immer voll auf die Zwölf abgezielt wird, dürfte klar sein. So ein Ding wie „Fool Yourself" mit Plan B und Rage dreht dann aber sämtliche Gehirnwindungen von einer Seite auf die andere. Die ruhigen Parts lassen einen kurz verschnaufen, bevor der Dampfhammer wieder ausgepackt wird. Mit „Let You Go" zeigen sie zusammen mit Mali, dass diese Musik auch eine Menge Soul hat. Selbst der Rock schimmert immer wieder durch. „Blind Faith" ist gar von einer Sexyness durchzogen - vermisst man im Dancebereich bisweilen ja schmerzlich.


Bei „Hypest Hype" kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Hier gibt es voll auf die - Entschuldigung - Fresse. Die Zusammenarbeit mit Dizzee Rascal funktioniert natürlich bestens und Wortakrobatik bekommt hier eine neue Bedeutung. Selbst die White Lies passen zu „Embrace" wie der sprichwörtliche Popo zum Eimer. Die stimmgewaltige Clare Maguire hat ja gerade selbst ihr Debütalbum am Start, mit Chase And Status kann sie noch mal eine ganz andere Seite von sich zeigen. Der sphärische Aufbau täuscht, bevor dann doch noch die Handbremse gelöst wird.


Fazit: Chase And Status legen mit „No More Idols" eine der - im weitesten Sinne - Danceplatten des Jahres vor! Wenn schon, dann bitte so! Dies ist ein Crossover-Dampfhammer, wie man ihn schon lange nicht mehr auf die Ohren bekommen hat. Alles andere ist Kindergeburtstag! No More Idols? Ha! Das Genre hat mit den beiden Helden von Chase And Status aber zwei gefunden!


http://www.urban.de/chase-and-status 


Text: Torsten Schlimbach

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