Cäthe: Vagabund

Cäthe: Vagabund

Sony

VÖ: 02.10.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Cäthe ist zurück und auch mit dem dritten Album „Vagabund“ kann sie musikalisch immer noch neue Wege beschreiten. Bei Cäthe gibt es keinen Stillstand und es wird sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht. Immerhin wurde sie 2012 von der GEMA mit dem Autorenpreis in der Kategorie Rock(!) ausgezeichnet und schon ein Jahr später durfte sie den Fred-Jay-Preis für ihre Songtexte entgegennehmen. „Vagabund“ heißt das dritte Album, welches Cäthe nun komponiert hat. Aufgenommen wurden die neuen Songs im Hamburger Hafenklang Studio unter der Regie von Stephan Gade.

 

Die zwölf Songs von „Vagabund“ wurden wohl unter Livebedingungen eingespielt. Dies bietet sich ja auch an, denn geschrieben und entstanden sind die Nummern größtenteils auf der Gitarre. Ihre vierköpfige Band hat die Songs im Studio nach den Vorstellungen der 32-jährigen ausgeschmückt und mit Leben gefüllt. Und Cäthe? Sie trägt ihr Herz wieder auf der Zunge. Mit viel Leidenschaft, aber auch Leidensfähigkeit ist da sehr viel Selbstreflexion zu finden. Es geht um die Liebe mit all ihren Tücken. Dies kann auch die Liebe zum Vater thematisieren, von dem nicht mehr als ein „Foto Im Portemmonaie“ bleibt.

 

Cäthe singt hier derart inbrünstig und intuitiv, das kann man nicht lernen. Zudem hat sie ein Volumen in der Stimme, dass sich da jedes Popmäuschen aus Scham in die Ecke stellt. Und sie singt mit einer Leidenschaft, die einfach mitreißend ist. Man höre sich nur „Hallelujah“ an. Der Beginn des Songs erinnert übrigens an „Mensch“ von Grönemeyer. Durch die Stimmkraft kommt einem da bisweilen Jule Neigel in den Sinn, wie beispielsweise bei „So Oder So“. Wenn Cäthe „Glaub Mir, Honey“ singt, dann hat man tatsächlich das Gefühl, dass sie einen direkt ansingt. Die Dame hat es einfach drauf und laut kann sie wie keine andere. Wenn es aber mal leiser werden soll, dann macht sie das mit einer Anmut, wie beim Titelstück „Vagabund“, dass es nur so eine Freude ist.

 

Musikalisch ist das handgemachte Popmusik, die auch mal einen Schwenker zum Soul und Rock wagt. Oder wie mit "Müder Drache" auch mal eine Tex-Mex-Nummer. Die Grenzen zum Schlager sind manchmal aber auch fließend, wenn man sich da „Die Zu Werden Die Wir Sind“ oder „Unter Palmen“ so anhört. Es muss ja nicht der Ballermann-Helene-Schlager sein. Die Ballade „Junge Aus Sand“ berührt wie auch das folkige „Scheitern Kann Ich Auch Alleine“.

 

Fazit: „Vagabund“ ist das dritte Album von Cäthe und es ist ein gutes Werk geworden. Sie singt aus voller Leidenschaft und legt den Zuhörern ihr Herz zu Füßen. Ihre voluminöse Stimme ist derart markant, dass sie in der deutschen Musikszene eine Sonderstellung einnimmt. Die handgemachten Songs gehen fluffig in die Ohren – und Beine. „Vagabund“ ist ein Album für die ganze Familie: das gefällt von den Kindern bis zur Oma wahrscheinlich allen. Musik die verbindet.

 

http://www.cäthe.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Cäthe: Verschollenes Tier

Cäthe: Verschollenes Tier

Deag Music GmbH/Sony

VÖ: 14.06.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Catharina Sieland hat früh mit der Musik angefangen. Schon als Jugendliche trat sie mit ihrer Gitarre vor Publikum auf. Musik war schon immer ihre Leidenschaft und schon früh stand für sie fest, dass sie keinen normalen Beruf ausüben könnte. Sie ging lieber auf die Fachschule für Musik- und Gesangsausbildung. Der Kühlschrank füllt sich aber natürlich nicht von alleine und so musste sie sich mit verschiedenen Nebenjobs über Wasser halten. Über Mannheim gelang sie schließlich nach Hamburg. In der Hansestadt stand natürlich auch wieder die Musik im Fokus und somit absolvierte sie an der dortigen Hochschule einen mehrwöchigen Popkurs. Sie hatte ihre Heimat gefunden und zog 2005 schließlich ganz nach Hamburg.

 

Es dauerte aber eine ganze Weile bis sie soweit war der Welt ihre Songs zu präsentieren. 2011 gründete sie schließlich eine Band und veröffentlichte das Album „Ich muss gar nichts“ unter dem Namen Cäthe. Die Kritiker zeigten sich einigermaßen begeistert und das Feuilleton hatte auch einen neuen Liebling gefunden. Durch ihren Auftritt bei Inas Nacht war sie plötzlich auch bei einem größeren Publikum bekannt. 2012 bekam sie dann die bisher größte Anerkennung ihrer Karriere als sie von der GEMA den deutschen Autorenpreis in der Kategorie Rock verliehen bekam. Natürlich tourte Cäthe auch und jetzt gibt es mit „Verschollenes Tier“ das zweite Album, welches von den Fans schon freudig erwartet wird.

 

Die Künstlerin sagt über sich selbst, dass sie eine Perfektionist ist. Das sieht man dem ganzen Artwork an und das hört man auch „Verschollenes Tier“ an. Paradoxerweise sind die Songs aber eher aus dem Bauch heraus entstanden – zumindest klingen sie so. Der Albumtitel – was auch schon auf die erste Platte zutraf – hätte nicht besser gewählt werden können. Wie ein nicht zähmbares Tier gebärdet sich Cäthe hier. „Hoch Oben Nah Dem Sturm“ hört sich an, als hätte man Jule Neigel ohne Wasser in der Wüste ausgesetzt. „Geister“ hingegen klingt nach einer Kreuzung aus Ina Müller und den Rolling Stones. Das Ding groovt, rockt und der aufgekratzte Gesang ist das Salz in der Suppe. Das verträumte „TabulaRasa“ hat sogar Hitqualitäten.

 

Meist führt sich Cäthe hier auf wie ein eingesperrtes Tier, es geht aber auch anders. „Gelbe Kartons“ ist gefühlvoll bis dorthinaus. Cäthe nimmt zudem kein Blatt vor den Mund, zu überprüfen in „Kleingeld“. Sehr retro und doch im Hier und Jetzt ist „Funken“ verankert. Hin und wieder ist Cäthe etwas anstrengend und dann wird es dem Hörer nicht einfach gemacht. Vielleicht sind dies aber auch die Momente, die nur die Damenwelt verstehen kann. Im Studentenwohnheim funktioniert dann aber auch „Die Leute“ wieder. Musikalisch wird hier gar ein Bogen von den 20ern bis in die 90ern gespannt. Cäthe ist aber alles in allem mehr Hildegard Knef denn alles andere. „Waffen Niederlegen“ hätte man sich auch von der großen Knef vorstellen können. Den kitschigsten Track - aber auch einen der schönsten - hat sie mit „Mein Herz Mit Dir Bin Ich Frei“ an den Schluss gestellt.

 

Fazit: Cäthe legt mit „Verschollenes Tier“ ein gutes, manchmal anstrengendes Zweitwerk vor. Zwischen Rock, Soul und einer Atmosphäre, wie man sie wohl im Berlin der 20er Jahre kannte, ist alles dabei. Catharina Sieland legt hörbar ihr ganzes Herzblut in dieses Album. Vielleicht ist das gar eine Platte die eher von der Damenwelt verstanden wird. Textlich nimmt sie jedenfalls kein Blatt vor den Mund und legt dem Zuhörer ihre Welt offen.

 

http://www.cäthe.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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