Brothers Of Santa Claus: Not OK

Brothers Of Santa Claus: Not OK

Jazzhaus Records/in-akustik

VÖ: 07.04.2017

 

Wertung: 8/12

 

Erst letztes Jahr legten die Brothers Of Santa Claus ein beachtliches Debütalbum vor. Schon jetzt gibt es bereits den Nachfolger. Aufgenommen wurde „Not OK“ über mehrere Monate im Funkhaus in Berlin. Mit Produzent Alexander Sprave hatte die Band dann sogar ein heimliches Bandmitglied im Boot. Der Mann passte nämlich lt. Sänger Maximilian Bischofberger auf, dass die Songs nicht zu sehr ins Verkopfte abrutschten. Eine gewisse Leichtigkeit sollte dann doch auch noch durch „Not OK“ wehen. Diese zehn Songs zeigen jedenfalls die enorme Entwicklung die die Brothers

Of Santa Claus seit dem Erstlingswerk genommen haben.

 

Mit „How Does It Feel“ knüpft die Band noch am ehesten an „Navigation“ an. Feinste Gitarrenarbeit, eindringlicher Gesang und dies alles in ein Singer/Songwritergewand verpackt. Die Brüche und Tempowechsel zeigen aber auch schon in diesem Song, dass die Band jetzt ruppiger zu Werke gehen kann. Mit „Figure It Out“ wird das Album quasi eingeläutet – und das kann man zunächst durchaus wörtlich verstehen. Danach groovt sich die Nummer ein und wird zu einem kleinen Indieprachtstück. „Hold My Hand“ erinnert entfernt sogar an New Wave, während „Stay Away“ an die rockige Version von Radiohead anknüpft.

 

„Not OK“ schleppt sich zunächst langsam dahin, wird dann aber noch sphärisch ausgearbeitet und ist atmosphärisch sehr dicht. Nach hinten raus wird es dann futuristisch. „Julika“ umschmeichelt den Zuhörer und schält sich zuckersüß aus seinem Kokon. „Once“ ist verträumt, wechselt aber auch immer wieder ein bisschen die Richtung. Verkopft? Nicht wirklich, man muss zuhören und sich von der Melodie und dem Groove einfangen lassen. „NDK“ verliert sich zwischendurch etwas zu sehr im Indiekrach mit anschließender Spielerei. „No One Ever Noticed“ kommt im Anschluss aber wieder ganz gefällig daher. „Evolution“ klingt so, wie es der Titel vermuten lässt. So würde es wohl anhören, wenn Radiohead Jazz spielen würden – mit kurzen Zwischenlauten von Herrn Yorke.

 

Fazit: Mit „Not OK“ legen die Brothers Of Santa Claus gegenüber „Navigation“ künstlerisch einen Quantensprung hin. Das schönere Album ist das Debüt, das künstlerisch wertvollere sicherlich das vorliegende. Man muss sich da eben entscheiden: Schönheit oder Kunst. Oder man hört einfach beide Alben! Für jede Stimmung ist da nun etwas dabei.

 

http://www.brothersofsantaclaus.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Brothers Of Santa Claus: Navigation

Brothers Of Santa Claus: Navigation

Jazzhaus Records/in-akustik

VÖ: 26.09.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

In Freiburg soll es deutschlandweit ja die meisten Sonnentage im Jahr geben. Das scheint die Jungs von Brothers Of Santa Claus aber nicht sonderlich zu beeindrucken. Auf die Idee könnte man bei dem seltsamen Bandnamen kommen, klar. Vielmehr liegt es aber an der Musik von „Navigation“. Die fünf Musiker haben da nämlich ein melancholisches bis düsteres Werk aufgenommen. Es fing einst wohl alles mit der Akustikgitarre an. Für dieses Album kam dann noch der Groove dazu. Der eindringliche Gesang war schon immer da.

 

„Navigation“ ist mit kaum einem anderen Album einer deutschen Band vergleichbar. Die Kompositionen und Arrangements sind schon toll. Man hört, dass da sehr viel liebevolle Arbeit investiert wurde. Verkopft ist „Navigation“ trotzdem nicht. Das ist Musik die berührt. Musik die gegen den Strom schwimmt. Manchmal ist das sperrig und will erarbeitet werden. „Navigation“ ist vermutlich eines der besten Indiealben der letzten Jahre.

 

„Dry“ ist ein Kleinod sondergleichen. Die feinen Gitarrenlicks setzen sehr schöne Akzente. Der Bass hält alles zusammen, das verträumte Schlagzeug trägt das Stück und die kleinen, unscheinbaren Tempowechsel sorgen für einen herausragenden Spannungsbogen. Die Reise in die Welt der Brothers Of Santa Claus beginnt mit „Brother“, einer Nummer mit Folkunterbau, die an die Bright Eyes erinnert. Das ist ja schon mal nicht die schlechteste Referenz. „Österland“ kommt dann mehr im Bandsound an. Luftig-leicht und doch voller Melancholie. „New Tagivan“ ist toller, treibender Indiefolkpop. Auch hier sind die einzelnen Tempoverschleppungen sehr schön gesetzt worden. Die Gitarrenarbeit ist das Prunkstück. Der Song groovt zudem wie Sau.

 

„Not The One Who Knew It“ erinnert ein bisschen an die großen Britpopzeiten, während „Tomcat“ zunächst nur von dieser markanten Stimme und dem Bass lebt. Auch dieser Track entwickelt sich aber schnell zu einer kleinen Perle der Indiemusik. Ruppig, düster, rau. Zu „Too Late“ möchte man einfach nur durch das Haus tanzen. „Snowstorm“ ist das komplette Gegenteil. Der langsamste Song des Albums sorgt für die nachdenklichen Töne. Wie sich das aber nach hinten raus noch derart eindringlich steigert, ist schon ganz groß. Gänsehaut. Mit „Max And The Midnight Trash“ gibt dann einen ordentlichen Rausschmeißer, der alles vorher Gehörte in einem Song unterbringt.

 

Fazit: Den Brothers Of Santa Claus ist mit „Navigation“ eines der tollsten Indiealben aus Deutschland der vergangenen Jahre gelungen. Tolle Kompositionen und Arrangements. Nie zu viel, immer genau richtig. Nachdenklich und melancholisch. Dann wiederum tanzbar. Dieser Band wünscht man allen erdenklichen Erfolg, damit solche Musik noch öfters möglich ist. Ich bedanke mich!

 

http://www.brothersofsantaclaus.de/band.html

 

Text: Torsten Schlimbach

 

02.12. Köln, Kulturcafé Lichtung
03.12. Darmstadt, Das Blumen
06.12. Berlin, Auster Club
07.12. Karlsruhe, Jubez
08.12. Würzburg, Kellerperle
09.12. Mainz, schon schön
10.12. Magdeburg, Musikkombinat
11.12. Mannheim, Merry Messplatz
S U C H E
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