Broken Bells: After The Disco

Broken Bells: After The Disco

Sony

VÖ: 31.01.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Broken Bells, dieses Superduo der Popmusik, tritt mal wieder an das Abendland vor dem Untergang zu bewahren. Jedenfalls musikalisch. Guckt man sich die Berichte im Vorfeld der Veröffentlichung von „After The Disco“ so an, dann könnte man zumindest auf diese Idee kommen. Die Hipster sind schon wieder derart wuschig, dass die Einheitshornbrille vor Entzückung seit Wochen auf der Nase hoch und runter wippt. Dabei war ja nie so ganz klar, ob James Mercer und Brian Burton dieses Projekt überhaupt am Leben halten können. Mercer ist mit The Shins ja eigentlich schon ausgelastet und Burton aka Danger Mouse ein gefragter Mann, der mittlerweile auch von den ganz Großen als Produzent angefragt wird. Ausgerechnet Burton hat ja immer wieder durchblicken lassen, dass Broken Bells eben nicht nur auf ein einziges Album ausgerichtet wird. Er jetzt geht sogar soweit, dass er sagt, dass „After The Disco“ absolute Priorität genießt und alles andere zu warten hat. Alles!

 

Und was war die Aufregung doch wieder groß, als der erste Song von „After The Disco“ endlich in den unendlichen Weiten des Internets die Runde machte. Doch was war das? Es drohte Ungemach in Hipsterhausen und so mancher selbsternannte Bewahrer des guten Musikgeschmacks schien überhaupt nicht einverstanden. Ja, dieses „Holding For Life“ war nichts für schwache Gemüter. Jüngere Semester waren sich schnell einig, dass dies doch bei den Scissor Sisters abgekupfert wäre, die man immerhin für einen Sommer toll finden durfte, gar musste. Die Älteren wußten allerdings was das Stündlein geschlagen hatte, denn selbst die zackigen Gitarren konnten nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Bee Gees dafür Pate gestanden haben. Und gerade Burton hat eben ein großes Faible für die Disco-Ära der 70er und die Bee Gees sind nun mal Teil davon. Viel Aufregung um, ja um was eigentlich? Nichts wäre etwas hart, aber letztlich ist das eben nur eine nette Popnummer, die die Musikwelt ganz sicher nicht in den Grundfesten erschüttert, aber eben auch nicht sonderlich schlimm ist.

 

Das könnte sowieso das Motte für die ganze Platte sein. „After The Disco“ ist im Grunde ein völlig unaufgeregtes Album. „Leave It Alone“ ist beispielsweise eine kleine Indiefolkpop-Fingerübung, die zwar noch so ein bisschen Danger Mouse-Geschwurfel im Hintergrund verarbeitet, letztlich aber von James Mercer vorangetrieben wird. Der chorartige Refrain packt den Hörer natürlich bei den Hörnern und zieht diesen mit in den Strudel dieser gar wundervollen Melodie. Eigentlich ein fast unscheinbarer Song, aber derart nachhaltig, dass man froh um seine Existenz ist. Das lässt sich allerdings nicht unbedingt von jedem Stück hier sagen. „Perfect World“ ist zwar auch ein verdammt eingängiger Popsong, aber der ganze 80er Klimbim ist nun wirklich durch, darüber kann auch der schöne, monotone Gesang nicht hinwegtäuschen. Wer sich noch an die Spielkonsolen dieser Zeit erinnert, dürfte dort eine ähnliche Melodie vorgefunden haben. Der Titeltrack „After The Disco“ bläst in ein ähnliches Horn. Wann hört denn endlich dieses 80ies Revival auf? Das ist ja nicht mehr auszuhalten. Abgesehen davon hätte man den Herren Mercer und Burton durchaus mehr zugetraut als einfach nur auf den nächsten Trendzug aufzuspringen.

 

Diese beiden Herren können aber auch anders. „The Changing Lights“ korrigiert die Richtung zwar nicht komplett, die dezenten perkussiven Elemente ergeben in Verbindung mit den Synthesizern aber sogar Sinn und der unwiderstehliche Refrain setzt sich unnachgiebig im Ohr fest. Annehmbare Popmusik für Erwachsene. Man sollte dabei aber auf die Dosierung achten, denn bei zu häufigem Hörgenuss dürfte sich das schnell abnutzen und dann auch nerven. „Control“ wechselt danach ganz dezent den eingeschlagenen Weg und rettet sich in das Indiehandwerk hinüber – trotz ausufernden Popmelodien. „Lazy Wonderland“ zitiert danach ganz ungeniert die Beatles, aber auf eine sehr schöne und angenehme Art und Weise. „Medicine“ vermischt dann so einiges was auf dem Papier überhaupt nicht zusammenpasst: die Eagles, The Cure, Echo & The Bunnymen und landet irgendwie dann doch beim Soft Rock. Das Ding groovt und fährt unweigerlich in die Beine. Die Broken Bells sind tanzbar, aber nicht in den so angesagten Zucktempeln des Planeten. „No Matter What You´re Told“ ist zwar bassgetrieben, aber man sollte bei den beiden Herren die Hintergrundgeräusche niemals aus den Ohren verlieren. „The Angel And The Fool“ ist im Grunde seines Herzens eine wunderschöne Ballade, die deutlich die musikalische Sozialstation von Mercer herausarbeitet. „The Remains Of Rock & Roll“ hat mit Rock natürlich nichts am Hut, mit Roll gar noch weniger. Ein nettes Popstücken, welches einen etwas ratlos zurücklässt - wie das gesamte Album.

 

Fazit: Das zweite Album der Broken Bells - „After The Disco“ - deutet mit dem Titel ja schon an in welche Richtung es geht. Die Platte ist nicht unbedingt dafür gemacht tanzbar zu sein. Die Disco-Anleihen scheinen trotzdem an allen Ecken und Enden durch und so ein kleines bisschen darf man natürlich auch zu Broken Bells tanzen. Das Album ist aber besser geeignet um es nach einer durchtanzten Nacht in den Morgenstunden aufzulegen. Man wippt dazu gerne mit dem Fuß mit, man hört dem Pop hin und wieder wohlwollend zu, man ekelt sich vor dem 80er Kram, der wie ein abgestandenes Bier einfach nur schal schmeckt und man ist schier überwältigt von der ganzen Perfektion. Alles schön und gut, nur was bleibt unter dem Strich davon übrig? Man hätte sich als Zuhörer etwas mehr Wagnis gewünscht. Musikalisch und produktionstechnisch ist das natürlich allererste Sahne – aber Vorsicht ist geboten, Sahne kann auch schnell ranzig werden!

 

http://www.brokenbells.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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