Blue October: Any Man In America

Blue October: Any Man In America

Edel Records

VÖ: 26.08.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

Von Blue October erzählt man sich Wunderdinge. Wer in die Fänge der Band und deren Musik gerät, soll davon besessen sein. Die Fangemeinde wächst und wächst. Nein, rasant schnell ging das nicht gerade und es dauerte ein bisschen, bis die Band auch einem größeren Publikum ein Begriff war, aber die letzten Studioalben sorgten schließlich dafür, dass der Status der Texaner zumindest in ihrem Heimatland den von Superstars inne hat. Mittlerweile durfte die Band in allen relevanten Sendungen und Talkshows auftreten. Die Konzerte wurden größer und die Fans sprachen von intensiven Erfahrungen, die sie so noch nie erlebt hätten – schon gar nicht bei einer anderen Band. Songs wie „Hate Me“ und „Into The Ocean“ haben für viele Menschen eine große Bedeutung und darauf ist die Band zurecht stolz.

 

Zentraler Fixpunkt der Band ist Justin Furstenfeld. Der Mann ist in der Vergangenheit schon sehr offen mit seiner Erkrankung der Depression umgegangen und hat vielen Menschen aus der Seele gesprochen und wieder Hoffnung gegeben. „Any Man In America“ knüpft daran nun nahtlos an. Dieses Konzeptalbum ging aus den Trümmern seiner Ehe hervor. Ein zäher Sorgerechtsstreit war die Folge und brachte Furstenfeld an den Rande seiner Kräfte. Diese Songs halfen ihm, das Erlebte besser zu verarbeiten „Ich will nur zeigen, wie man es durchstehen kann und dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Jeder Mann in Amerika kann das spüren“.

 

„Any Man In America“ folgt einer klassischen Erzählstruktur und hat einen Anfang, Mittelteil und Ende. Auch, wenn es ein Blue October Album ist, so ist es in erster Linie doch das musikalische Kind von Justin Furstenfeld. Die Band diente dabei mehr als Stütze und setzte seine Visionen um. Das ging sogar soweit, dass man sich gleichzeitig fünf Drummer ins Studio holte. Oder es mündete in der Zusammenarbeit mit Dichter und Rapper Ray C, der gerade einen ähnlichen familiären Schicksalsschlag zu verkraften hatte. Furstenfeld schätzt sowieso die Ehrlichkeit der Rapmusik und somit war diese Kooperation nur ein logischer Schritt.

 

„Any Man In America“ fährt dann auch die ganze Palette der Gefühlsachterbahn auf. Das fängt nach dem Intro schon mit dem großartigen und melancholischen „The Feel Again (Stay)“ an. Blue October fahren eine ganze Wagenladung Bombast und Pathos auf. Gepaart mit dem Text ist das ein ganz intensiver Einstieg in die Platte. Wie sich Furstenfeld hier in den Song wirft ist atmosphärisch schon extrem. Hin und wieder erinnert dies gar an Fish, als dieser bei Marillion noch aktiv war.

 

Blue October leben aber auch von Experimenten. So rollt sich bei „The Monkey Tree“ zunächst ein schwerer Beat aus, bevor es gar in eine poppige Richtung geht. HipHop-Anleihen sind dabei sehr gerne gesehen. Emotionalität ist dabei aber immer das Gebot der Stunde, der bereits bekannte Song „The Chills“ hat in in dieser Hinsicht alles zu bieten. Von tieftraurig bis in die positivsten Höhen bollert sich die Nummer. Es ist ein stetiges Auf und Ab. Das kommt dem Charakter der Band dann wohl auch sehr nahe. „Any Man In America“ ist dann tief im Rap verankert – inklusive sämtlicher Klischees. Man muss dafür schon offen sein. Überhaupt wird die Platte hier etwas schwächer und erst mit „The Getting Over It Part“ wird es besser. Der Abschluss mit „The Worry List“ und „The Follow Through“ entschädigt wieder.

 

Fazit: Blue October werden ihre Fans mit „Any Man In America“ wieder begeistern. Es dürften sogar noch neue hinzukommen. Der Seelenstriptease von Furstenfeld ist schon schwere Kost, aber eben auch authentisch und ehrlich. Musikalisch ist das manchmal etwas dick aufgetragen, aber genau das ist es ja auch, was die zahlreichen Anhänger so lieben. Eins muss man anerkennen: Blue October leben und lieben ihre Musik und das kriegt hier jeder zu spüren – und dies darf man durchaus wörtlich verstehen.

 

http://www.blueoctober.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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