Billy Ocean: Here You Are – The Best Of

Billy Ocean: Here You Are – The Best Of

Sony

VÖ: 29.04.2016

 

Wertung: 7/12

 

Wenn es keinen Anlass für eine Veröffentlichung eines Künstlers gibt, dann saugt man sich eben etwas aus den Fingern. Im Falle der neue Zusammenstellung von Billy Ocean, die unter dem programmatischen Titel „Here You Are – The Best Of“ in den Handel kommt, ist es eben das 30-jährige Jubiläum des Titels „When The Going Gets Tough“. Letztlich ist es aber auch völlig egal, warum eine weitere Retrospektive an die Frau und den Mann gebracht werden soll. 1976 wurde übrigens auch sein Debüt veröffentlicht, insofern gibt es natürlich schon etwas zu feiern. „Here You Are – The Best Of“ ist nicht die erste Werkschau von Billy Ocean und vermutlich auch nicht die Letzte. Immerhin gibt es hier 31 Songs zu hören und wer schon immer auf der Suche nach den Hits von Ocean war, wird hier selbstverständlich fündig werden.

 

Seine größten Erfolge und seine Hochphase hatte Ocean definitiv in den 80ern. Danach wurde es zusehends ruhiger um ihn und es wurden nur noch sporadisch Alben aufgenommen. Die längste Durststrecke gab es von 1993 bis 2008. „Here You Are – The Best Of“ befasst sich aber nicht nur mit seinen eigenen Songs und Hits, sondern hat auf der ersten CD jede Menge von ihm ausgesuchte und zusammengestellte Coverversionen zu bieten. Darunter findet sich dann auch tatsächlich so mancher Titel, der zum musikalischen Kulturerbe der Menschheit gehört.

 

Der Sound ist schon einigermaßen überraschend. Selbiger ist glasklar und auch wenn der Gesang von Ocean natürlich im Zentrum des Geschehens steht, ist doch jede feine Nuance der Instrumentierung auszumachen. Ecken und Kanten darf man da selbstverständlich keine erwarten. Das wurde alles derart glatt geschliffen und poliert, dass daran alles abperlt, was nur im Ansatz mal etwas kratzbürstig sein könnte. Teflon lässt grüßen. „Having A Party“ hat dann auch vermutlich das aalglatteste Saxofon der Musikgeschichte zu bieten. „These Foolish Things“ plätschert so dahin und auch der Backgroundgesang wird im Fahrstuhl keinen aufwecken. Nicht, dass da ein falscher Zungenschlag reinkommt: das wird großartig gesungen und auch die musikalische Umsetzung ist grandios. Es ist nur eben derart makellos, dass es schon wieder unschön wird.

 

Der Auftakt des Sets ist allerdings ganz großes Kino, was natürlich auch am Songmaterial liegt. „A Change Is Gonna Come“ von Sam Cooke ist einfach immer wieder für eine Gänsehaut gut. Bei Billy Ocean fehlt etwas die Intensität zu Beginn des Stücks, gleichwohl seine Version auch toll ist. Bei „Cry Me A River“ hat man ja eigentlich eine Frauenstimme im Ohr. Die Nummer aus dem Jahre 1957 von Julie London kriegt von Ocean noch mal eine ganz neue Atmosphäre verpasst, die durchaus sehr intensiv anmutet. „No Woman, No Cry“ von Marley orientiert sich sehr stark am Original, aber der gute Billy kann da einfach nicht die Ausstrahlung von Marley erreichen. Mit dem schmissigen „A Simple Game“ gibt es zudem eine bisher unveröffentlichte Nummer. Das hat Soul! Unter dem Strich ist die erste CD durchaus gelungen und nett.

 

Auf dem zweite Silberling sind dann die Hits von Ocean zu finden. „When The Going Gets Tough, the Tough Get Going“ läuft ja auch heute noch ständig irgendwo im Radio. Mit „Suddenly“ gibt es anschließend eine fürchterlich kitschige Ballade, die aber auch heute noch die Frauenherzen ein bisschen schneller schlagen lässt. „Get Outta My Dreams, Get Into My Car“ spiegelt einfach wunderbar sein Entstehungsjahrzehnt wieder. Das ist nicht zeitlos, aber eben doch ein musikalisches Spiegelbild jener Tage. Auch die Nummer ist heute noch ein Welthit. „Carebean Queen (No More Love On The Run)“ zählte ebenso zu seinen Hits, wie auch das an die 50er und 60er angelehnte „Love Really Hurts Without You“. Danach gibt es so manchen schlimmen Totalausfall zu hören. „Stop Me (If You´ve Heard It All Before)“ würde in Deutschland unter Schlager laufen. „Loverboy“ zieht einem auch die Schuhe aus. Und „The Long And Winding Road“ covert man einfach nicht! Niemals! Das kann nur in die Hose gehen. Die Ballade „The Colour Of Love“ ist zwar ein weiteres (klangliches) Spiegelbild wo Ocean seine musikalischen Wurzeln sieht, aber es haut auch hin. Balladen dürfen ja nun auch kitschig sein. Mit „Love Train“ gibt es zum Schluss einen schmissigen Rausschmeißer.

 

Fazit: „Here You Are – The Best Of“ von Billy Ocean bietet einen mehr als guten Überblick über das Schaffen des Briten. Die erste CD setzt sich aus Coverversionen jener Songs, die ihm persönlich auch ganz viel bedeuten, zusammen. Das kann nicht immer mit dem Original mithalten, ist aber gesanglich und von der musikalischen Umsetzung schon gut. Es fehlt manchmal an der Atmosphäre. Auf der zweiten CD sind dann alle Hits vertreten. Das ist ein Spiegelbild der damaligen Zeit und derart makellos, dass es hin und wieder einfach zu glatt ist. Kennt man aber natürlich größtenteils alles. Wer schon immer eine Werkschau von Billy Ocean mit seinen Hits haben wollte, wird mit dieser Doppel-CD bestens bedient werden!

 

http://www.billyocean.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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