Big Jesus: Oneiric

Big Jesus: Oneiric

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 30.09.2016

 

Wertung: 9/12

 

Vier Jungs aus Atlanta werden als die ganz großen Hoffnungsträger des Alternativrocks gehandelt. Ihre Band hört auf den Namen Big Jesus und soll nun auch hierzulande so richtig durchstarten. Im Vorprogramm von Good Charlotte den Anheizer zu geben, sind ja schon mal nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Mit „Oneiric“ folgt nun auch ein zehn Track starkes Album. Selbiges wird für einige Überraschungen sorgen.

 

Die Songs bringen einen erfrischenden Ansatz mit. Das Genre darbt die letzten Jahre schon etwas dahin, so ehrlich muss man dann auch mal sein. Big Jesus vermengen da ganz viele Stile und weben das zu ihrem eigenen Sound zusammen. Selbiger ist nicht gänzlich neu, aber auf seine Art dann doch wohltuend vielfältig. Die Band schafft es Pop, Shoegaze, Metal und progressive Musik zu verbinden. „Shrimp“ ist dann sogar recht nahe an Radiohead dran. Der schwebende und verträumte, aber auch vertrackte Sound erinnert jedenfalls sehr stark an die Briten.

 

Oftmals fühlt man sich bei „Oneiric“ auf eine sehr angenehme Art und Weise wie bei den Deftones. Der Screamo-Anteil ist zwar wesentlich geringer bis überhaupt nicht vorhanden, aber das Wechselspiel zwischen harten Gitarren, groovigen Riffs und den verträumten Popmelodien kommt der Band aus Sacramento schon sehr nahe. „Fader“ könnte man sich auch von den Jungs rund um Chino Moreno vorstellen. Mit „SP“ startet die Band recht krachig in das Album. Wer nicht weiß, dass es sich hier um eine Männerstimme handelt, dürfte dahinter eine neue Girl-Punk-Kapelle vermuten. Oder die Breeders. Ja, Kim Deal zu ihren besten Zeiten kommt einem da in den Sinn. Auch „Always“ lärmt sich wundervoll durch die Prärie, nimmt sich aber immer wieder Zeit für poppige Melodiebögen und einem Gesang jenseits dieser Welt. Und wenn sich ganz zum Schluss „Heaviest Heart“ zu schweren Gitarrenklängen zu den aller schönsten Melodiebögen düster dahinzieht, dann ist man um die Erkenntnis reicher, dass der Alternativrock doch noch lebt.

 

Fazit: „Oneiric“ von Big Jesus bringt einem – trotz aller Anleihen, Verweise und Ähnlichkeiten zu anderen Bands – einen frischen Sound in die Anlage. Zwischen den Breeders und Deftons, progressiver Musik und Shoegaze, Pop und Metal ist die Bandbreite extrem groß und doch wirkt das alles wie aus einem Guss. Verträumt, düster und hart. Bisher war das Musikjahr recht mau, wenn es mehr solcher Alben wie dieses hier auf der Zielgeraden des Jahres 2016 geben wird, dann kann sich doch noch alles zum Positiven wenden.

 

https://www.facebook.com/bigassjesus

 

Text: Torsten Schlimbach

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