Big Brother And The Holding Company featuring Janis Joplin: Live At The Carousel Ballroom 1968

Big Brother And The Holding Company featuring Janis Joplin: Live At The Carousel Ballroom 1968

Sony/Legacy

VÖ: 09.03.2012

 

Wertung: 7/12

 

Es gibt was Neues von Janis Joplin. Von ihrer Begleitband Big Brother And The Holding Company natürlich auch. Mit „Live At The Carousel“ wird nun ein Konzert von 1968 veröffentlicht. Lange schlummerte der Auftritt aus dem legendären Carousel Ballroom vom 23. Juni 1968 in den Archiven und Schubladen von Owsley Stanley der seinerzeit das Ereignis mitgeschnitten hat. Stanley war als Tontechniker eine Legende und so ist es nicht verwunderlich, dass er für das Mastering der vorliegenden CD hauptverantwortlich war. Leider starb Stanley letztes Jahr bei einem Verkehrsunfall. Seine Arbeit wurde aber nun in seinem Sinne fortgeführt.

 

Bear, wie Stanley genannt wurde, wollte mit dieser Aufnahme noch mal das besondere Talent von Joplin und ihrer Band zeigen. Unverfälscht und authentisch sollte die ganze Geschichte werden. Es ist ja kein Geheimnis, dass Janis Joplin und die Band kurz nach dem Ereignis aus dem Juni 68 getrennte Wege gingen. Somit kommt dieser Aufnahme hier noch mal ganz besonders eine historische Bedeutung zu. Und ja, die unbändige Energie, die da von den Musikern und der Gesangs- und Hippie-Ikone ausgingen, ist deutlich hör- und spürbar. Und wenn sich die Band in Feedback-Orgien bei „Light Is Faster Than Sound“ ergeht, dann scheint das Garagenrock der Marke Stooges und Grunge der 90er vorwegzunehmen. Trotzdem hätte man auf eine Veröffentlichung besser verzichtet.

 

Fans, Archivare und Puristen mögen das freilich anders sehen, aber mal ehrlich, bei diesem Klang rollen sich einem doch teilweise alle Fußnägel hoch. „I Need A Man To Love“ oder „Flower In The Sun“ sind doch kaum hörbar. Natürlich kann man das nicht mit heutigen Standards vergleichen, das versteht sich von selber, aber trotzdem kommt das teilweise nicht mal an Bootleg-Charakter heran. Es ist natürlich auch der damaligen Technik geschuldet, aber über die volle Distanz ist es schon etwas nervig, wenn der Hauptsound fast nur aus einer Box kommt!

 

Bei „Summertime“ wird es besser. Und natürlich ist es eine Show für sich, wenn Janis Joplin hier wie eine läufige Katze krächzt, faucht, schreit und flüstert. Ihr Timing ist schon beeindruckend. Eine Vollblutsängerin, die vermutlich nicht mal wusste wie und was sie da machte. Manches gleicht gar einer amtlichen Jam-Session. „Coo Coo“ und „Ball & Chain“ werden bis zum Anschlag ausgereizt. Mit „Piece Of My Heart“ findet sich gar ein Hit hier wieder. Von „Call On Me“ gibt es übrigens noch die Version vom 22. Juni aus der Saturday Show als Bonussong.

 

Die Aufmachung wäre ja ganz nett. Auch das Booklet hält einige Bilder und sehr viel Informationen bereit. Es ist allerdings nicht ganz so einfach das Heft aus dem Digipack zu fingern – zumindest wenn dieses nicht beschädigt werden soll. Die Ecken sind doch recht schnell eingerissen. Das hätte man sicher besser lösen können.

 

Fazit: Auf der einen Seite ist es schön, dass man diesen geschichtsträchtigen Auftritt aus dem Carousel Ballroom nun endlich als offizielle Aufnahme auf CD vorliegen hat. Die Energie der Band und von Janis Joplin ist schon beeindruckend. Der Klang ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und auch, wenn der gute Stanley da sehr viel Arbeit investiert hat, so ist das letztlich doch nicht so ganz das gelbe vom Ei – leider. Da hat man schon wesentlich bessere Live-Aufnahmen aus dieser Zeit gehört.

 

Text: Torsten Schlimbach

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