Ben Galler: Niemand Liebt Keinen

Ben Galler: Niemand Liebt Keinen

Bendit Records

VÖ: 23.03.2018

 

Wertung: 6,5/12

 

Nach zwanzig Jahren im Musikgeschäft ein Debütalbum zu veröffentlichen, schaffen auch nicht viele. Wie das geht? Ben Galler hat eben sehr viel für andere Künstler gearbeitet, sich aber nie selbst in das Rampenlicht gedrängt. Jetzt, mit 43 Jahren, ist der Wunsch ein eigenes Album aufzunehmen, aber dann doch so groß geworden, dass nun „Niemand Liebt Keinen“ doch noch das Licht der Welt erblickt. Die Songs haben auch schon eine lange Reise hinter sich und entstanden zwischen 2004 und 2006 auf per-Anhalter-Fahrten zwischen Hamburg und Berlin.

 

Die zwölf Songs werden als Rocksongs angepriesen. Nun, als Rocksongs gehen die Lieder nicht durch. Bestenfalls sind das Popsongs, vieles erinnert aber auch an Schlager. Zumindest dürften Schlagerfans auch großen Spaß an diesem Album haben. Es ist nicht dieser Party- und Bollerschlager, sondern eben auf eine eher angenehme Art und Weise. Die Atmosphäre ist weitestgehend entspannt. Mit 43 Jahren kann man ja auch mal entspannt sein und hat – auch in diesen stürmischen Zeiten – einen anderen Blick auf die Dinge. Die Songs, die nun auch schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel haben, sind zudem immer noch aktuell.

 

„Kreisdurchbrecher“ eröffnet das Album im Westernhagen-Style. Mit „Alpha Auster“ geht es dann weiter in Richtung fluffige und handgemachte Popmusik. Die Nummer wurde als Single ausgekoppelt. Das Stück geht ja auch gut ins Ohr und die Gitarre wird auch mal eingestöpselt und sorgt für ein rockiges Flair. Damit ist die musikalische Schiene gefunden. „Das Turnier“ macht auch noch mal ein bisschen auf dicke Rockhose, aber „Ambrosia“, das Lied über einen Säufer, steht Galler besser zu Gesicht. Mehr (toller) Pop, mehr Erzählstruktur. Eine berührende Beobachtung, die Ben Galler da gemacht hat.

 

Das beschwingte „Kleine Schwester (Großer Bruder)“ ist eine tolles Lied für alle Geschwister dieser Welt. „Gutenachtlied“ ist ein Hoffnungsmacher, eingebettet in einem schönen Arrangement. „Tiefenrausch“ ist etwas zu theatralisch ausgefallen, dafür ist „Liebe Ist Das Nicht“ eine schöne Ballade über eben unerwiderte Liebe. Übrigens ist „Auf Den Zweiten Blick“ recht nahe an Westernhagen angelehnt – auch gesanglich und selbst den Text kennt man.

 

Fazit: Ben Galler hat sich mit „Niemand Liebt Keinen“ einen Traum erfüllt und sein Debütalbum aufgenommen. Pop und Schlager mit rockigen Elementen gibt es da zu hören. Das ist aber alles sehr angenehm und nicht auf diese Pseudofröhlichkeit der Schlagerwelt getrimmt und hat auch nichts mit dem Befindlichkeitspop, der einen jeden Tag aus dem Radio annervt, zu tun.

 

https://www.facebook.com/BenGaller/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch