Asaf Avidan: Gold Shadow

Asaf Avidan: Gold Shadow

Universal

VÖ: 23.01.2015

 

Wertung: 8/12

 

Der israelische Musiker Asaf Avidan ist mit einer Stimme ausgestattet, die es im Musikgeschäft kein zweites Mal gibt. Entweder man mag sie oder nicht, dazwischen gibt es nichts. Wer Avidan nicht kennt, wird nicht mal einordnen können, ob hier Männlein oder Weiblein singt. Das ist mal anstrengend und dann wieder derart großartig, dass es einem die Schuhe auszieht. Der Mann ist aber auch ein begnadeter Songwriter und das stellt er nun mit „Gold Shadow“ erneut unter Beweis. Er folgt dabei keiner Richtung und lässt sich musikalisch etwas ziellos treiben. Genau das macht „Gold Shadow“ natürlich auch spannend und übt einen ganz besonderen Reiz aus.

 

„Gold Shadow“ ist somit ein Sammelsurium aus Folk, Rock, Blues und dicken Synthesizer-Wänden. „Over My Head“ lässt zu Beginn sogar den Soul von der Leine. Avidan hört sich da nach den ganz Großen der 60er und 70er an. „Ode To My Thalamus“ verlässt diesen Weg zunächst nicht, ist aber ein ganzes Stück mysteriöser angelegt. Der Refrain geht zudem runter wie Butter. „The Jail That Sets You Free“ rockt anschließend sogar – ein bisschen jedenfalls. „My Tunnels Are Long And Dark These Days“ klingt vom Titel ja schon, als würde man sich dazu die Pulsadern öffnen wollen. Musikalisch wird dann auch genau das bestätigt. Streicher sorgen dafür, dass man durch ein Tal der Tränen watet. Langsam schleppt sich das dahin und ist die Art von Blues, die auch Nick Cave aufnimmt.

 

Der Titeltrack „Gold Shadow“ lässt zumindest ein bisschen die Sonne wieder aufgehen und „Let´s Just Call It Fate“ ist ein nettes, kleines Folkstück, welches recht positiv gestimmt ist. „Deep Water“ bringt noch ein bisschen Kirmesklimbim unter und „Mother Wolf“ ist die opulente Vertonung eines Stücks mit Musical-Anleihen. Gerade der Gesang geht hier unter die Haut – oder nervt, je nach Sichtweise. „Bang Bang“ ist vermutlich der beste Song, den Asaf Avidan jemals aufgenommen hat. Er gebärdet sich da wie der Voodoo-Priester in Personalunion. Dafür ist „The Labyrinth Song“ eine Frechheit. Der Song wurde ganz dreist bei Leonard Cohen geklaut. Da muss man nicht lange raten, dass sich da bei „Suzanne“ bedient wurde. Mit dem sehnsüchtigen „Fair Haired Traveller“ wird man zum Schluss ja wieder versöhnt.

 

Fazit: „Gold Shadow“ von Asaf Avidan ist das Album, was man von dem Mann erwarten konnte. Es ist alles möglich, Grenzen gibt es nicht und stimmlich lotet er mal wieder die Randgebiete aus, an die sich sonst keiner herantraut. Blues, Folk, Rock, Soul und Synthie-Wände sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Man muss das allerdings auch mögen, denn der Gesang von Asaf Avidan polarisiert selbstverständlich. Alles in allem ist das eine gute Scheibe, nur das Leonard Cohen-Versatzstück hätte er sich schenken sollen.

 

http://www.asafavidanmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Asaf Avidan & The Mojos: Poor Boy/Lucky Man

Asaf Avidan & The Mojos: Poor Boy/Lucky Man
Sony Music

VÖ: 15.04.2011

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!


In seiner Heimat Israel ist Asaf Avidan längst ein Star. Zusammen mit seiner Band oder auch gerne mit einem 30-köpfigen Orchester räumt der 30-jährige alles ab, was geht. Egal ob als Livekünstler oder mit seinen Studioalben - erfolgreich ist er wie kaum ein Zweiter. Mittlerweile hat man auch im Rest der Welt mitbekommen, dass da ein ganz besonderes Talent schlummert. Nun gibt es mit „Poor Boy/Lucky Man" ein neues Album. Man sollte diese Platte dieses Jahr definitiv auf dem Zettel haben.


Asaf Avidan singt zwar oftmals im Falsett, aber anders, als man es gemeinhin gewohnt ist. Seine Stimme polarisiert trotzdem und wird so manchen auch vor den Kopf stoßen. Wenn er sich allerdings bei „Got It Right" die Seele irgendwo zwischen Janis Joplin(!) und Jack White aus dem Leib brüllt, singt und schmachtet, dann ist das schon eine Schau für sich. Eingebettet wird das in Folkrock, wie man es schon lange nicht mehr auf die Ohren bekommen hat.


Die vierzehn Songs bestechen aber noch durch ganz andere Qualitäten. Man höre sich dazu nur den fragilen Aufbau von „My Favourite Clown" an. Das ist schlicht und ergreifend großartig arrangiert. „The Ghost Of A Thousand Little Lies" schleppt sich auf ganz leisen Sohlen durch die Hintertür ran. Fein durchkomponiert steigert sich die Nummer zu einem großen Barbluesjazz. Der dramaturgische Aufbau ist hinreißend. Da darf es auch mal schräg werden und einen lauten Ausbruch geben.


Und wenn gerockt wird, dann auch ordentlich. „Wasting My Time" würden vermutlich sogar die White Stripes mit viel Freude covern, wenn es die Band denn noch geben würde. Auch der bluesgetränkte Indiekracher „Jet Plane" oder das punkige „Little Stallion" hauen derart charmant auf die Kacke, dass man so langsam aber sich die Gewissheit bekommt, dass man es mit einem der besten Indiealben des Jahres 2011 zu tun hat. Auch die ruhigeren Dinger wie etwa „Losing Hand" sind alles andere als 08/15 Indiefolk und ruhig ist auch nicht gleich ruhig, denn meistens kommt von irgendwo doch noch die Krachkeule her.


Fazit: Asaf Avidan & The Mojos legen mit „Poor Boy/Lucky Man" ein astreines Indiefolkrock-Album vor. Da gibt es mal das volle Brett auf die Zwölf oder aber auch ganz ruhige Klänge. Die Arrangements sind perfekt und die Kompositionen ganz hervorragend. Dieses Album sollte man 2011 gehört haben!


http://www.mymojolove.com/


Text: Torsten Schlimbach

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