Alpentines: Silence Gone

Alpentines: Silence Gone

Take That Turn Records/Cargo

VÖ: 13.04.2018

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Alpentines hat mit einer 3-Track-EP 2016 schon in kleinem Kreis für Furore gesorgt. Wer die Songs des Quartetts gehört hat, lechzte förmlich nach einem Debüt. Es musste allerdings noch etwas Wasser den Rhein runterfließen, bis die Kölner-Band das Debüt im Kasten hatte. Selbiges wird nun mit „Silence Gone“ veröffentlicht. Das Album dürfte viele Menschen, die es hören werden, begeistern. Vermutlich wird der Rahmen dieses Kreises aber klein bleiben, da die Kapelle eben nicht die ganz große Industrie im Rücken hat.

 

Man höre sich nur mal den Wahnsinnsritt von „Dark Days“ an. Da ist eine wundersame Mischung aus Muse und Radiohead. Zwischen hart und zärtlich. Zwischen zurückgenommen und epischem Ausbruch. Zwischen Jazz und Funk. Sensationell. Das kennt man von einer deutschen Band in dieser Form nicht. „Mount Molehill“ wird wunderbar vom Bass getragen. Im Hintergrund passieren aber auch jede Menge abgefahrene Dinge, die sich erst nach und nach offenbaren.

 

Alpentines lassen sich in keine Schublade einsortieren. Es gibt unglaublich viele Elemente, die diese Musik ausmachen und bereichern. „Take It Out“ fängt wie ein Popstück an, hat aber auch eindeutig vertrackte Momente - wie man sie vom Jazz kennt. Der Aufbau erinnert bisweilen an Progrock und dann gibt es eine Gitarre zu hören, die feinsten 60ies Pop zu kredenzen scheint. Es wird mit Rhythmen und dem Tempo gespielt und variiert. „It Opens“ fließt dafür unglaublich schön dahin. Ein tolles Musikstück mit beruhigender Wirkung. „Fragile“ wiederum ist ein brodelnder Vulkan. Nein, das ist keine laute Nummer, aber abermals vertrackt. Die blitzsaubere Produktion und der großartige Gesang sind übrigens auch eine Ohrenweide.

 

Das leise Stück „Silence Gone“ mag zunächst unspektakulär anmuten, aber das feine Gitarrenspiel, Bläser und das Cello machen es doch noch besonders. Überhaupt ist die Instrumentenvielfalt beachtlich: Klarinette, Trompete, French und Flügel Horn, Viola, Keyboards, Lap Steel oder Piano – und dies war noch keine abschließende Aufzählung. „Ol 35“ ist die Art von Popmusik, die man sich für Coldplay gewünscht hätte, die sich ja auch an Art Pop versuchen, aber dabei immer wie eine Kirmesbumskapelle wirken. „Yoga Yassin (The Bleeping)“ ist dann endgültig in der Radiohead-Ecke angekommen. „Mount Molehill“ schwebt – sofern das bei Musik geht – schwerelos durch Raum und Zeit und das abschließende "Aberrations" fasst die bis dahin gehörten musikalischen Ereignisse noch mal wunderbar zusammen.

 

Fazit: „Silence Gone“ ist ein tolles Debüt-Album. Die Kölner Band Alpentines hat hier einen sehr schönen Mix angerührt, den man so in der deutschen Musiklandschaft nicht oft zu hören bekommt. Anschnallen, eintauchen, entführen lassen und genießen! Mitunter ist da sogar der Einsatz von Kopfhörern empfehlenswert.

 

https://alpentines.bandcamp.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch