Alexander Knappe: Ohne Chaos Keine Lieder

Alexander Knappe: Ohne Chaos Keine Lieder

Warner

VÖ: 20.04.2018

 

Wertung: 5/12

 

Alexander Knappe meldet sich mit einem neuen Album zurück, welches da „Ohne Chaos Keine Lieder betitelt wurde. Damit hätte er vor Jahren sicher nicht gerechnet, als er kurz davor stand die ganz große Bundesligakarriere in den Fußballstadien der Republik zu starten. Er stand bei Hertha BSC auf dem Sprung und dann machte ihm ein Kreuzbandriss alles zunichte. Was tun? Es war sicher nicht so einfach den Kopf über Wasser zu halten. Vielen glücklichen Umständen hat er es zu verdanken, dass er den Weg ins Musikgeschäft gefunden hat. Und einer Menge Durchhaltevermögen ist es geschuldet, dass die Karriere als Musiker überhaupt möglich war.

 

Über 100 Konzerte spielte Alexander Knappe mit seinem ersten Album im Rücken. Er stand trotzdem immer mal wieder kurz davor die Brocken hinzuschmeißen. Ja, in diesem Geschäft kann man schon mal ausbrennen. Die Ochsentour ist nicht ohne und zwischen Himmel und Hölle ist das nur ein kurzer Weg. Er hat letztlich durchgehalten und davon erzählt nun auch „Ohne Chaos Keine Lieder“. Ein Spiegel seiner Seele. Der Albumtitel ist das Programm. Es geht um die Liebe und die vielen kleinen Dinge des Alltags, die das große Ganze ausmachen.

 

Wer seine bisherigen Alben mochte wird auch mit dem neuen Werk sehr glücklich werden. Es sind melancholische Songs die fast durch die Bank mit einem jammerndem Unterton versehen sind. „Farbenblind“ hat aber auch ein paar fröhliche Untertöne zu bieten. Eigentlich hat dieses schön instrumentierte Lied ja eine positive Note und doch ist da dieser Schmerz als müsste Alexander Knappe die ganze Last der Menschheit alleine schultern. Das ist auch gleichzeitig das Problem des Albums. Die positiven Ansätze gehen da manchmal etwas unter. „Musik An, Welt Aus“ trägt ja schon im Titel die Euphorie, die da eigentlich kommen müsste – nur, sie kommt nicht. „Ballons“, „Herz Mit Der Post“ oder die Ballade „Du“ sind in ähnlichem Fahrwasser anzusiedeln. Zwischen Bourani, Tawil und Naidoo ist da eben auch noch ein Plätzchen für Alexander Knappe. Die Gitarren jubilieren und das ganz große Popbesteck wird aufgefahren.

 

Was auch schon für seine bisherigen Alben galt, lässt sich auch mühelos auf „Ohne Chaos Keine Lieder“ übertragen. Es ist einfach zu viel. Zu viel Kleister. Zu viel Pop. Zu viel Herzschmerz. Zu viel Melancholie. Und ja, auch viel zu viel Gefühl. Bei Schauspielern nennt man das ja gerne Overacting. Das soll ja alles authentisch sein, klar. Letztlich ist das aber so authentisch wie sein vorgetäuschter Bänderriss bei X-Facator, weil er sich urplötzlich seinem Musikprojekt Barbecue widmen wollte, nur um dann doch wieder eine komplette Kehrtwendung zu vollziehen.

 

Fazit: Alexander Knappe kann singen, keine Frage. Die Musik und die Texte von „Ohne Chaos Keine Lieder“ sind aber alles andere als gut. Das zieht einen runter und das ist alles so bedeutungsschwer, dass einem ganz schwindelig werden kann. Dieses Album knüpft nahtlos an die anderen Knappe-Werke an. Die ganze Last der Welt wird hier geschultert. Den Job machen aber doch schon Bourani, Naidoo oder Tawil.

 

http://www.alexanderknappe.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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