Al Di Meola: Elegant Gypsy & More Live

Al Di Meola: Elegant Gypsy & More Live

earMUSIC/Edel

VÖ: 20.07.2018

 

Wertung: 8,5/12

 

Al Di Meola hat zu Beginn des Jahres Fans und Kritiker mit seinem neuen Studioalbum „Opus“ begeistert, da erscheint nun schon das nächstes Wunderwerk. Diesmal handelt es sich allerdings um ein Livealbum – ein ganz spezielles sogar. Sein zweites Album erschien vor mehr als 40 Jahren. „Elegant Gypsy“ war seinerzeit jenseits aller Hörgewohnheiten angesiedelt. Die Mischung aus Jazz und Weltmusik war nicht unbedingt alltäglich und stellte Hörgewohnheiten auf den Kopf. Ein völlig neuer Klangkosmos offenbarte sich da dem geneigten Zuhörer. Letztes Jahr spielte er während seiner US-Tour die Songs des Albums. Nun folgt mit „Elegant Gypsy & More Live“ das Album dazu.

 

Al Di Meola ist nicht nur ein brillanter Virtuose, sondern auch ein Musiker, der mit sehr viel Leidenschaft agiert. Dies hört man auch den Live-Versionen an. Die Atmosphäre des Albums entspricht allerdings nicht unbedingt der einer Liveplatte vor Publikum. Das könnte auch durchaus eine Studioaufnahme mit One Takes sein. Die Zuschauer sind eh kaum zu hören. Dafür ist die Abmischung sensationell. Hier ist wirklich jede noch so feine Nuance zu hören. Jedes Instrument ist fein säuberlich von den anderen zu unterscheiden.

 

Musikalisch ist das natürlich auch feinste Kost, die allerdings bisweilen schwer verdaulich sein kann. „One Night Last June“ fängt wie ein Rocksong an, ändert aber urplötzlich die Richtung und biegt zum Jazz ab. „Flight Over Rio“ lässt zu Beginn vermuten, dass Di Meola nun die Progmusik entdeckt hat, aber auch hier gibt es einen Wechsel zum Jazz und dann wiederum zur Weltmusik. Bei „Black Dog“ handelt es sich selbstverständlich um eine Interpretation des Led Zeppelin-Songs. Robert Plant wird diese Version gefallen.

 

Hin und wieder ist da sehr viel Hektik in der musikalischen Darbietung vorhanden. Das ist aber dem Jazz-Anteil geschuldet. Umso entspannter ist „Midnight Tango“ geraten. Zurücklehnen und genießen! Gerne bei einem Wein! „Egyptian Danza“ fordert dann wieder die volle Konzentration und Aufmerksamkeit des Zuhörers. Tempo- und Stilwechsel im Sekundentakt. „Race With Devil On Spanish Highway“ hört sich tatsächlich so an, als wäre der Beelzebub im Spiel. Danach kennt die Begeisterung bei den Zuschauern vor Ort auch kein Halten mehr und dann fällt einem auch wieder auf, dass dies hier ein Album mit Livesongs ist!

 

Fazit: Al Di Meola hat seinem frühen Meisterwerk „Elegant Gypsy“ live ein Denkmal gesetzt. Er spielt mit einer Leichtigkeit und derart viel Gefühl, dass einem da schon mal der Mund vor Staunen offenstehen bleibt. Da vergisst man auch schnell, dass dies eben keine Studioversionen sind. Zwischen Jazz, Rock und Weltmusik ist das ein sensationeller Ritt, der allerdings nicht nebenbei gehört werden kann. Man muss dafür auch in Stimmung sein. Das dürfte aber ja eigentlich selbsterklärend sein, wenn es um die Musik von Al Di Meola geht.

 

https://www.aldimeola.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Al Di Meola: Opus

Al Di Meola: Opus

earMUSIC/Edel

VÖ: 23.02.2018

 

Wertung: 8/12

 

Ob der Jazz- und Fusion-Gitarrist Al Di Meola noch selbst alle Projekte benennen kann, an denen er je beteiligt war? Es arbeitete schon mit unzähligen Künstlern der Populärmusik zusammen und hat sich dabei stets allen möglichen Genres geöffnet. Schon in jungen Jahren konnte er sich einen Grammy auf die Fensterbank stellen und so ziemlich jede Auszeichnung, die ein Gitarrist erhalten kann, hat er im Laufe seines Lebens eingeheimst. Al Di Meola ist ein Superstar ohne Bekanntheitsgrad bei einem Mainstreampublikum. Nicht diese Eric Clapton-Liga, aber das Fachpublikum liebt ihn. Jetzt veröffentlicht er mit „Opus“ mal wieder ein neues Album. Sein üppiger Backkatalog wird somit um einige Nuancen bereichert.

 

„Milonga Noctiva (Wandering In The Dark)“ eröffnet mit einem sehnsuchtsvollen Spiel das Album. Die Blicke wandern über das Meer. Portugal kommt einem da in den Sinn. Al Di Meola gilt ja als ein besonders schneller Gitarrist, davon ist zunächst nicht viel zu hören. Wenn man genau darauf achtet, dann hört man im Hintergrund auch noch die elektrische Gitarre, die mit einigen Effekten aufgepeppt wird. Das Stück steigert sich noch im ersten Drittel dramatisch, bricht aber wieder ab und landet erneut bei diesem feinen und filigranen Spiel und Stil. Dann zieht das Tempo unmerklich wieder an und der Meister lässt die Finger hoch und runterflitzen. Und plötzlich steht man in einer Jazzspelunke. Schon bei dieser Eröffnung zeigt sich, dass der Mann in keine Schublade passt.

 

„Broken Heart“ ist danach elektrischer angelegt und das flirrende Spiel gibt den Melodiebogen vor. Die Akustische füllt hingegen die Lücken aus. Interessant ist auch die Trennung der Instrumente. Die Drums kommen teilweise nur von links, während die Gitarren rechts zugeordnet werden. Die zieht sich allerdings nicht über die gesamte Länge des Tracks. Klanglich ist das ein ziemlich spannender Ansatz.

 

Das Spiel von Al Di Meola kann übrigens schon fast therapeutische Wirkung entfalten. „Ava´s Dream Sequence Lullaby“ nimmt sich dabei mehr als zehn Minuten Zeit. Man kann sich in dieses Spiel fallen lassen. In diesen hektischen Zeiten ist das regelrecht entschleunigend. „Cerrato Sannita (My Grandfather´s Village Near Napoli)“ lässt dann allerdings auch ein paar kleine Ermüdungserscheinungen erkennen. Nicht bei Di Meola, aber beim Zuhörer. Es fehlt ein bisschen die Abwechslung.

 

Kommt aber, und zwar in Form von „Notorious“. Starkes und grooviges, kleines Ding. Zwischen Jazz und Funk findet sich das ein. Der Bass ist da zunächst die treibende Kraft. Das ruhige und fließende „Frozen In Time“ schließt sich da wundervoll an. Dann verflacht es leider auch etwas. Nicht, was den technischen Anspruch betrifft. Hier kann einem aufgrund des Könnens schon mal der Mund weit offen stehen. Allerdings berührt das nicht gerade das Herz und das ist dann etwas für Spezialisten. Erst mit „Rebels“ flackert wieder das Besondere zwischen Jazz, Funk und Weltmusik auf. Zwischen elektrischer und akustischer Gitarre. Die Tempovariationen holen einen auch wieder ab.

 

Fazit: „Opus“ von Al Di Meola ist ein über alle Maßen beeindruckendes Gitarrenalbum. Der mehrfach ausgezeichnete Gitarrist zeigt hier, wie man die elektrische und akustische Gitarre wundervoll miteinander kombinieren kann. Das ist für den Zuhörer ungemein entschleunigend. Di Meola lässt sein Spiel nie zu einer Leistungsschau werden, was dem Werk zusätzliche Authentizität verleiht. Ein bisschen gleichen sich hin und wieder die einzelnen Passagen, wodurch das Album auch ein paar Längen hat. Unter dem Strich ist „Opus“ aber ein Album für Musikliebhaber!

 

https://www.aldimeola.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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