Al Di Meola: Opus

Al Di Meola: Opus

earMUSIC/Edel

VÖ: 23.02.2018

 

Wertung: 8/12

 

Ob der Jazz- und Fusion-Gitarrist Al Di Meola noch selbst alle Projekte benennen kann, an denen er je beteiligt war? Es arbeitete schon mit unzähligen Künstlern der Populärmusik zusammen und hat sich dabei stets allen möglichen Genres geöffnet. Schon in jungen Jahren konnte er sich einen Grammy auf die Fensterbank stellen und so ziemlich jede Auszeichnung, die ein Gitarrist erhalten kann, hat er im Laufe seines Lebens eingeheimst. Al Di Meola ist ein Superstar ohne Bekanntheitsgrad bei einem Mainstreampublikum. Nicht diese Eric Clapton-Liga, aber das Fachpublikum liebt ihn. Jetzt veröffentlicht er mit „Opus“ mal wieder ein neues Album. Sein üppiger Backkatalog wird somit um einige Nuancen bereichert.

 

„Milonga Noctiva (Wandering In The Dark)“ eröffnet mit einem sehnsuchtsvollen Spiel das Album. Die Blicke wandern über das Meer. Portugal kommt einem da in den Sinn. Al Di Meola gilt ja als ein besonders schneller Gitarrist, davon ist zunächst nicht viel zu hören. Wenn man genau darauf achtet, dann hört man im Hintergrund auch noch die elektrische Gitarre, die mit einigen Effekten aufgepeppt wird. Das Stück steigert sich noch im ersten Drittel dramatisch, bricht aber wieder ab und landet erneut bei diesem feinen und filigranen Spiel und Stil. Dann zieht das Tempo unmerklich wieder an und der Meister lässt die Finger hoch und runterflitzen. Und plötzlich steht man in einer Jazzspelunke. Schon bei dieser Eröffnung zeigt sich, dass der Mann in keine Schublade passt.

 

„Broken Heart“ ist danach elektrischer angelegt und das flirrende Spiel gibt den Melodiebogen vor. Die Akustische füllt hingegen die Lücken aus. Interessant ist auch die Trennung der Instrumente. Die Drums kommen teilweise nur von links, während die Gitarren rechts zugeordnet werden. Die zieht sich allerdings nicht über die gesamte Länge des Tracks. Klanglich ist das ein ziemlich spannender Ansatz.

 

Das Spiel von Al Di Meola kann übrigens schon fast therapeutische Wirkung entfalten. „Ava´s Dream Sequence Lullaby“ nimmt sich dabei mehr als zehn Minuten Zeit. Man kann sich in dieses Spiel fallen lassen. In diesen hektischen Zeiten ist das regelrecht entschleunigend. „Cerrato Sannita (My Grandfather´s Village Near Napoli)“ lässt dann allerdings auch ein paar kleine Ermüdungserscheinungen erkennen. Nicht bei Di Meola, aber beim Zuhörer. Es fehlt ein bisschen die Abwechslung.

 

Kommt aber, und zwar in Form von „Notorious“. Starkes und grooviges, kleines Ding. Zwischen Jazz und Funk findet sich das ein. Der Bass ist da zunächst die treibende Kraft. Das ruhige und fließende „Frozen In Time“ schließt sich da wundervoll an. Dann verflacht es leider auch etwas. Nicht, was den technischen Anspruch betrifft. Hier kann einem aufgrund des Könnens schon mal der Mund weit offen stehen. Allerdings berührt das nicht gerade das Herz und das ist dann etwas für Spezialisten. Erst mit „Rebels“ flackert wieder das Besondere zwischen Jazz, Funk und Weltmusik auf. Zwischen elektrischer und akustischer Gitarre. Die Tempovariationen holen einen auch wieder ab.

 

Fazit: „Opus“ von Al Di Meola ist ein über alle Maßen beeindruckendes Gitarrenalbum. Der mehrfach ausgezeichnete Gitarrist zeigt hier, wie man die elektrische und akustische Gitarre wundervoll miteinander kombinieren kann. Das ist für den Zuhörer ungemein entschleunigend. Di Meola lässt sein Spiel nie zu einer Leistungsschau werden, was dem Werk zusätzliche Authentizität verleiht. Ein bisschen gleichen sich hin und wieder die einzelnen Passagen, wodurch das Album auch ein paar Längen hat. Unter dem Strich ist „Opus“ aber ein Album für Musikliebhaber!

 

https://www.aldimeola.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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