Adel Tawil: Lieder

Adel Tawil: Lieder

Universal

VÖ: 08.11.2013

 

Wertung: 6/12

 

Adel Tawil hat mit Ich + Ich eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihm nach seiner Boygroup-Vergangenheit sicher keiner zugetraut hätte. In erster Linie kann er sich da bei Annette Humpe bedanken. Das weiß er natürlich auch. Seit die Tour des ungleichen Duos im Jahr 2012 beendet war, arbeitete Tawil an seinem ersten Soloalbum. Mittlerweile ist der Sänger ja mehr als anderthalb Jahrzehnte im Musikgeschäft tätig, da ist es schon überraschend, dass er sich für sein erstes Album unter eigenem Namen derart viel Zeit genommen hat. Die Vergleiche mit Ich + Ich werden nun natürlich kommen. Er ist ja auch die Stimme des Projekts und insofern gibt es da ja unweigerlich Parallelen und Ähnlichkeiten. Dreizehn reguläre Songs und ein Bonustrack ergeben in der Summe „Lieder“.

 

Adel Tawil gehört sicher zu den Guten. Er scheint ein überaus sympathisches Kerlchen zu sein und singen kann er sicher auch besser wie so manch einer seiner Kollegen. Irgendwie kann man ihm nicht so richtig böse sein, gleichwohl seine erste Single schon sauer aufstößt. Der gleichnamige Song zum Album ist eine Art musikalischer Kompass und Wegführer durch die Welt von Adel Tawil. Bowie, Nirvana oder The Prodigy werden im Text genannt. Die Anspielung auf Rage Against The Machine ist aber weniger gelungen und kriegt vor dem Hintergrund des Covermotivs der Alternativhelden einen etwas bitteren Beigeschmack. Es war sicher gut gemeint, aber eben nicht gut umgesetzt. Die Zielgruppe wird mit den ganzen Verweisen aber sowieso kaum etwas anfangen können, da dies musikalisch zwei ganz verschiedene Welten sind. Adel Tawil liefert einem hier biedere Pophausmannskost aus dem Baukasten. Der Erfolg ist somit vorprogrammiert.

 

Leider funktioniert „Lieder“ komplett nach diesem Schema. Selten wird etwas gewagt und alles ist in ein nettes Popkleidchen verpackt worden. Die Songs sind größtenteils austauschbar. Ein netter Beat hier, ein paar Synthies da und Keyboards, die die 80er ganz alt aussehen lassen. Und wenn es gesellschaftskritisch und politisch wie bei „Auf Sand Gebaut“ wird, dann klingt das nicht nur bedeutungsschwanger, nein, dies wurde auch noch mit der Brechstange erzwungen. Die teilweise autobiografischen Songs („Unter Wasser“, „Weinen“) funktionieren da wesentlich besser.

 

Vielleicht kann Adel Tawil auch einfach nur im Verbund glänzen. Mit Spannung wurde „Aschenflug“ erwartet, eine Zusammenarbeit mit Sido und Prinz Pi. Diese Konstellation sorgt ja schon auf dem Papier dafür, dass da die Meinungen auseinander gehen und eher ein geteiltes Echo hervorrufen. Sido und Prinz Pi polarisieren eben und die Fans von Tawil haben daran auch zu knabbern. Es ist aber ja auch nicht das erste Aufeinandertreffen der beiden Herren und zusammen mit Prinz Pi ist „Aschenflug“ durchaus ein Lichtblick auf „Lieder“. Selbiges gilt auch für „Zuhause“ mit Matisyahu als Gast, der ein bisschen Weltmusikflair einfließen lässt und das Album aus seiner Lethargie reißt. Bei „Graffiti Love“ gibt es gar eine kleine Reunion von Humpe & Humpe. Da fiept es mal, da dröhnt der dezente Beat und es gibt den berühmten Humpe Singsang im Hintergrund. Es war eine gute Idee, die beiden Humpe-Schwestern mit ins Boot zu holen. Bei „Dunkelheit“ gibt es einen weiteren weiblichen Gast zu hören: seine Frau, die Schauspielerin Jasmin Tawil. Man muss schon sagen, dass die Gästbeiträge „Lieder“ aufwerten, sonst wäre dieses Werk komplett im Einheitsbrei versunken.

 

Fazit: „Lieder“ ist das erste Soloalbum des sympathischen Sängers Adel Tawil. Der Mann wirkt derart nett, dass es sich leider auch auf seine Songs überträgt: nett, aber leider auch ohne Ecken und Kanten. Das wirkt bisweilen wie aus dem Popbaukasten zusammengesetzt und ist derart austauschbar, dass es schnell langweilig wird. Ohne die Gäste wäre die Platte komplett in der Belanglosigkeit versunken, dabei ist Adel Tawil eigentlich ein wirklich guter Sänger. Ein Wagnis ist er mit „Lieder“ jedenfalls nicht eingegangen und seine Fans werden mit diesem Sound auf gar keinen Fall vor den Kopf gestoßen. Malen nach Zahlen.

 

http://adel-tawil.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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