Achim Reichel: Regenballade (Vinyl)

Achim Reichel: Regenballade (Vinyl)

BMG

VÖ: 25.10.2019

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Achim Reichel hat in der deutschen Musiklandschaft stets eine Ausnahmestellung eingenommen. In den 60ern hat er mit den Rattles das Pendant zu den ganzen Bands aus UK gebildet und dafür sehr viel Anerkennung eingeheimst. In den 70ern nahm er Shantys auf und vertonte später auch Goethe oder Fontane. Die Dichter und Denker im Rockgewand hatte man auch noch nicht gehört. Reichel fand aber auch in der ZDF Hitparade statt. Der Mann hatte keine Scheuklappen, sich aber auch stets eine kritische Distanz zum Kommerz bewahrt. Reichel galt so stets als authentisch und wurde selbst von Leuten respektiert, die mit seiner Musik eigentlich nichts anfangen konnten.

 

Jetzt werden von Achim Reichel vier seiner Klassierkalben auf Vinyl veröffentlicht. Den Anfang macht „Regenballade“ aus dem Jahr 1978. Hierbei handelt es sich um das dritte Album einer Reihe der alten Dichter. Reichel gab damals der deutschen Literatur eine Stimme. Das Album wurde remastert und um eine Bonus-EP erweitert. Die Songtexte liegen als vierseitiger Beileger bei. Eroc (Grobschnitt) hat das Album neu abgemischt. Die Soundqualität hat sich hörbar verbessert. Der ehemals etwas blecherne Klang ist weg und ist in seiner Gesamtheit nun um einiges erdiger, direkter und dynamischer.

 

Selbstverständlich wird das auf 180g schwerem Vinyl geliefert. Das ist ja mittlerweile obligatorisch. Ob es unbedingt 180g sein muss, sei mal dahingestellt. Daran scheiden sich ja seit dem Vinyl-Boom die Geister. Mittlerweile erledigen die Presswerke einen guten Job. Verformungen und Wellen gehören der Vergangenheit an. Der satte Sound erfreut das Herz.

 

Auch „John Maynard“, die Demoversion von „Das Meerweib“, „Ein Liebeslied“ und „Alles Sieht So Festlich Aus“ werden von der markanten Stimme kernig vorgetragen. Die zusätzliche EP ist eine echte Bereicherung. „Trutz Blanke Hanz“ ist auf dem eigentlichen Album immer noch der Geheimtipp. Wie Reichel das schnoddrig vorträgt, ist schon ganz großes Kino. Der rockige Ansatz und die düstere Grundstimmung verstärken die Tiefe. „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Haveland“ ist in galoppierendem Rockgewand auch eine Schau für sich. „Der Zauberlehrling“ ist im geflüsterten Sprechgesang und mit seiner düsteren Atmosphäre gar herausragend. Dagegen wird „Der Fischer“ mit einer sehnsuchtsvollen Zärtlichkeit durchdrungen.

 

Fazit: „Regenballade“ von Achim Reichel wird nun auf 180g Vinyl veröffentlicht. Die Aufmachung ist sehr gelungen und die zusätzliche EP stellt eine Bereicherung der Veröffentlichung dar. Das eigentliche Album ist immer noch großartig. Reichel verleiht den deutschen Dichterfürsten eine Stimme – und was für eine! Die Musik dazu ist mal düster, dann wiederum sehr zärtlich. Er trifft stets den richtigen Ton! Tolle Veröffentlichung!

 

https://www.achimreichel.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Achim Reichel: Blues In Blond (Vinyl)

Achim Reichel: Blues In Blond (Vinyl)

BMG

VÖ: 25.10.2019

 

Wertung: 9/12

 

„Blues In Blond“ wird nun auf 180g Vinyl erneut veröffentlicht. Auch hier gibt es die Texte als Beileger dazu und auch dieses Album wurde von Eroc (Grobschnitt) neu für den Plattenspieler abgemischt. „Blues In Blond“ war das erste Album, welches zusammen mit Jörg Fauser in Kollektivarbeit entstand. Die Themen für die Platte legten beide gemeinsam fest, Fauser schrieb dann die Texte. Reichel war seinerzeit für die Musik und die Produktion verantwortlich.

 

Die beiden Platten sind auch wieder hervorragend verarbeitet. Die Qualität ist herausragend. Der Sound und die Aufmachung runden das als Gesamtpaket wunderbar ab. Die Live-Version von „Der Spieler“ auf der zweiten LP ist toll. Es ist aber ja auch der zentrale Song von „Blues In Blond“, auch in der Studio-Version. Vielleicht ist es der beste Song von Reichel und gleichzeitig auch einer der besten deutschsprachigen Songs, die je aufgenommen wurden. Dagegen kann der heutige Befindlichkeitspop nicht anstinken. „Das Atoll“ ist von der Thematik her immer noch aktuell. Die Musik ist leider arg schunkelig. Als Bonustrack gerne genommen, aber eine musikalische Sternstunde ist das nicht.

 

„Im Ghetto“, nun ja, sagen wir mal so, Elvis hat die schönere Version. „Der Midsommernachtstanz“ ist sehr außergewöhnlich. Die Akustiknummer klingt so, wie es der Titel vermuten lässt. Da kriegt man gute Laune. Das eigentliche Album ist gut, aber es gibt auch ein paar Songs, die eher schlagerartig sind. Das seichte „Ich Hab Von Dir Geträumt“ ist schon sehr kitschig. Das sich dahinschleppende „Mama Stadt“ passt aber perfekt zur aktuellen Herbststimmung. „Eckenliegerblues“ gefällt mit seinen Bläsern und dem treibenden Bass.

 

Mystisch und verhuscht kommt die Musik von „Schatten An Der Wand“ daher, wird dann vom bodenständigen und erdigen Rock „In Einer Anderen Stadt“ abgelöst. „Kettchen Am Fuß“ war nicht unbedingt eine Sternstunde, aber „Komm In Die Falle, Marie“ hat was und Marie hat natürlich immer noch das schönste Knie.

 

Fazit: „Blues In Blond“ hat mit „Der Spieler“ einen der besten deutschsprachigen Songs am Start. Das Album wurde nun wieder auf Vinyl aufgelegt. Die Haptik ist super und die Bonus-EP eine nette Zugabe! Das eigentliche Album hat ein bisschen Schatten und sehr viel Licht zu bieten. Dieses Werk kann man mal mit dem Mist, der die deutsche Musiklandschaft im Jahr 2019 beherrscht, nicht vergleichen, da liegen ja mehrere Welten, gar ganze Universen zwischen!

 

https://www.achimreichel.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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