A-WA: Bayti Fi Radi

 

A-WA: Bayti Fi Radi

BMG

VÖ: 31.05.2019

 

Wertung: 8/12

 

Das jemenitisch-israelische Trio A-WA - Tair, Liron und Tagel Haim – ist in unseren Gefilden noch weitestgehend unbekannt. Das soll sich nun mit dem zweiten Album „Bayti Fi Radi“ ändern. In Frankreich sind die Damen allerdings kein unbeschriebenes Blatt mehr. Das hängt auch sicher mit dem Popverständnis der Franzosen zusammen. In den Zeiten von Streaming ist es für A-WA relativ leicht eine große Zuhörerschaft zu erreichen und somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass mehrere Millionen Menschen die Musik abrufen. Tamir Muskat hat übrigens die vierzehn Songs des neuen Werks produziert.

 

Die Geschichten von und auf „Bayti Fi Radi“ wird man in unseren Breitengraden nicht unbedingt verstehen. Die Schwestern singen im jemenitisch-arabischen Dialekt. Liest man sich ein bisschen ein, dann ist die Urgroßmutter Rachel das zentrale Thema der Songs. Sie flüchtete einst vor der Unterdrückung aus dem Jemen. Sie war eine der 49.000 jemenitischen Juden die nach Israel verfrachtet wurden. 1949 wurde das die Operation Magic Carpet genannt.

 

Musikalisch ist das nicht unter Ethno-Pop zu verbuchen. Kann man zwar machen, aber da ist noch so viel mehr. Die Eröffnung „Yo Watani“ erinnert da noch an einen Bollywood-Film. Schon hier kristallisiert sich aber heraus, dass das Trio eine Mischung aus Electro, HipHop und Beats in einen Topf wirft, gut durchrüttelt und dann noch eine große Portion handgespielter Instrumente hinzufügt. Das ist bei „Mudbira“ der Fall, aber auch bei „Hana Mash Hu Al Yaman“. Letztgenannte Nummer ist gesanglich aber nicht so stark wie die Stücke zuvor.  Der Titeltrack „Bayti Fi Rasi“ vereint die Musik der arabischen Welt mit den Beats, wie man sie auch vom amerikanischen HipHop kennt.

 

„Al Asad“ klingt wie jemenitischer Reggae. „Bint Al Sheikh“ ist für meinen Geschmack allerdings etwas zu viel Folklore. „Malhuga“ fällt durch seine eingängige Hookline auf. Das hat durchaus Hitpotenzial. „Min Tiht Al Firash“ und ganz besonders „Shama´a“ scheinen noch am offensichtlichsten die arabische Musik in den Fokus zu stellen. „Makhada Min Thahab“ ist zum Schluss leider ziemlich ereignislos. Da hätte das Album ein anderes Ende verdient gehabt.

 

Fazit: Wer ein offenes Ohr für die Weltmusik hat, sollte auf jeden Fall A-WA und deren neues Album „Bayti Fi Radi“ antesten. HipHop- und Electro-Beats werden mit den Einflüssen ihrer Heimat gepaart, wodurch sich ein aufregendes Musikgebräu ergibt. Das ist zudem extrem tanzbar und braucht sich hinter der modernen Populärmusik nicht zu verstecken.

 

https://www.a-wamusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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