4Lyn: Quasar

4Lyn: Quasar

Very Us Records/Edel

VÖ: 11.05.2012

 

Wertung: 8,5/12

 

Was war los im Hause 4Lyn? Seit 2008 hörte man wenig bis gar nichts von der Hamburger Sturmfront. Und Stürme muss es reichlich gegeben haben. Eine schmerzhafte Trennung vom alten Management war da nur die das I-Tüpfelchen, welches die Band in ihren Grundfesten erschüttert haben dürfte. Der Prozess der alten Rucksäcke die abgeworfen werden mussten, zog sich länger hin als einem lieb sein konnte. Zu allem Überfluss musste „Russo“ Knupper die Band aufgrund einer Krankheit verlassen und mit Dennis Krüger ein neuer Mann an den sechs Saiten seinen Platz noch finden.

 

Mit einer solchen Situation kennt sich die Band ja seit Mitte der 90er aus und von Headtrip bis zum aktuellen Album war es ein oftmals steiniger Weg. Aber hey, Musik kann schließlich alle Probleme aus der Welt schaffen. Für 4Lyn entpuppte sich im April 2011 Dänemark als Türöffner für die neuen Songs. Dahin verzogen sich die Jungs nämlich für ein paar Wochen. Jetzt in der Nachbetrachtung sprechen sie von der intensivsten Arbeit seit Bandbestehen.

 

Schön und gut! Und nun? Nun gibt es mit „Quasar“ die Schnittmenge der musikalisch völlig unterschiedlichen Mannen. Die 44 Minuten könnten auch eine Art „Best Of“ darstellen. Die Vielfalt ist derart breit gefächert und abwechslungsreich, dass es fast unmöglich scheint, dass dies alles auf einem Album versammelt wird. Es gibt Nu-Metal, wenn man so will das Vorläufer-Genre Crossover, Hip Hop, lupenreinen Pop, Balladen, Mönchschöre, überhaupt viel Backgroundgesang und elektronische Spielereien. Die Produktion ist derart amtlich, dass einem glatt eine amerikanische Band in den Sinn kommt. Manchmal ufert das derart aus, dass man das in ein Stadion stellen könnte. „Train 2.0“ ist so ein Ding. Festivals freuen sich über ein solches Brett. Geiles Teil!

 

Gleich im Anschluss gibt es lupenreinen Pop auf die Ohren. „When Alone“ hat gar Ohrwurmqualitäten. Das Stück klingt aber nicht nach dem üblichen Billigmüll für die Charts, sondern kommt nachdenklicher und erwachsener mit einer starken Hookline um die Ecke gebogen. Erstaunlicherweise passt das alles perfekt zusammen, da 4Lyn es schaffen, die Songs mit einer Grundatmosphäre auszustatten, die das alles wunderbar zusammenhält. Der rote Faden ist also da und mit „My Guide“ haben sie die richtige Nummer für den Albumanfang ausgewählt. So meldet man sich nach langer Abwesenheit zurück. Sattes Ausrufezeichen! Schreiben Linkin Park eigentlich noch solche Dinger?

 

Und dann bitte alle mal zu „Someone´s Got 2 Do It“ ordentlich am Rad drehen und bitte hüpfen was das Zeug hält. „Club Exploitation“ ist der vermeintliche Radiohit. Kann man machen, muss man aber nicht. Der niedliche Damenchor reißt es aber noch raus. „Jewellery Store“ knallt danach aber wieder und deutet den 90er Crossover mehr als nur an. Das Hip Hop getränkte „I Am A Phantom“ ist der vielleicht beste Song der Platte. Irrwitzig ausgearbeitet und mit Rhythmus- und Tempowechseln haut das Teil sogar als kleines Rockmonster hin. Entspannung ist mit „10 Minutes Ago“ garantiert. Klingt ein bisschen wie die letzten Radiosongs der Donots. Ist aber auch gut so, denn sonst würde es auch langweilig werden. „Both Of Us“ ist für sich gesehen nett, ähnelt aber dann doch zu sehr den anderen schnellen Stücken. Überraschender kommt da das düstere „Frost“, welches die Richtung von Placebo und Depeche Mode einschlägt. Interessanter Ansatz, davon hätte man sich glatt noch mehr gewünscht. Die traurige Ballade „Hollow Man“ entlässt einen dann aus dieser abwechslungsreichen Platte.

 

Fazit: Nach fast vier Jahren melden sich 4Lyn mit „Quasar“ mit einem dicken Ausrufezeichen zurück. Der Nu-Metal und Crossover wurde mit poppigen und elektronischen Momenten aufgewertet und auch vor astreinem Pop schreckt die Band nicht zurück. Dazu eine schöne Ballade, ein bisschen Hip Hop und ganz viele Arschtritte. Die Wiederholungen halten sich in Grenzen und somit ist dieses Album auch von der Länge in der richtigen Balance!

 

http://www.4lyn.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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