Susanne Sundfør: The Brothel

Susanne Sundfør: The Brothel
Grönland/Rough Trade
VÖ: 20.05.2011
Wertung: 8/12
Die Norwegerin Susanne Sundfør ist in ihrer Heimat eine gefeierte Künstlerin. So ziemlich jeden Preis konnte sie schon abräumen. Mittlerweile ist sie 25 Jahre jung und Berufsmusikerin. Bis vor drei
Jahren wusste sie noch gar nicht, ob sie das alles stemmen kann und nicht doch einer hauptberuflichen Tätigkeit nachgehen sollte. Musik nur als Freizeitbeschäftigung? Gut, dass es anderes gekommen
ist, denn wer weiß, ob sie in ihrer Freizeit überhaupt die Möglichkeit und die Zeit gehabt hätte, ein so ambitioniertes Werk wie „The Brothel" aufzunehmen. Ein großer Dank gebührt auch ihren
Landsleuten von a-ha, die einen Förderpreis für aufstrebende norwegische Musiker ausgelobt hatten. Zudem durfte sie im Vorprogramm auf der Tour von a-ha auftreten. Das war es aber auch schon an
Gemeinsamkeiten, obwohl Susanne Sundfør seit ihren Kindheitstagen auch Fan der Pop-Ikonen ist.
Wenn sich „Grönland" die Rechte an einem Album oder einem Künstler sichert, dann kann man eigentlich schon davon ausgehen, dass man es mit keiner Mainstreamkost zu tun hat. Dies ist im Fall von „The
Brothel" eben auch nicht anders. Dieses Album ist fordernd, schwierig und anstrengend. Manchmal sogar ein bisschen nervig. Das bedeutet aber nicht, dass die zehn Songs nicht auch wunderschön und von
besonderer Klasse sind. Anders ist das Album. Hier werden Hörgewohnheiten auf den Kopf gestellt und Stile miteinander vermischt, die auf den ersten Blick so rein gar nichts miteinander zu tun
haben.
Der Einstieg mit „The Brothel" ist noch verhältnismäßig leicht verdaulich. Die Stimme fließt wie ein klarer Bergfluss über die spärliche und traurige Tasteninstrumentierung. Danach wird es mit
„Lilith" elektronisch. Diese Phase hatte ja auch Tori Amos im Verlaufe ihrer Karriere durchschritten. Was Susanne Sundfør hier veranstaltet klingt dem nicht unähnlich. Anderes erinnert an sakrale
Kirchenchöre. „Black Widow" wird zunächst auch nur von den Stimmen dominiert. Die Pianobegleitung dient da lediglich der Unterstützung. Die Nummer schwingt sich aber in richtige Höhen auf und die
vielen klassischen Elemente geben der ganzen Geschichte eine ganz andere Richtung. Die Kirchenchoräle erleben den Höhepunkt gar beim Schlusspunkt „Father Father". Mit „It´s All Gone Tomorrow" ist
Susanne Sundfør endgültig bei der Klassik angekommen - bis, ja bis die Beats durch das Geschehen holpern. Arabisch wird es übrigens auch noch mal, man höre dazu bitte „Turkish Delight".
Fazit: Susanne Sundfør hat mit „The Brothel" ein extrem ambitioniertes Album aufgenommen. Zwischen Klassik, Ambiente und reinstem Pop kann man hier Songs voller Schönheit entdecken. Man muss sich
allerdings darauf einlassen können, denn sonst wird es schnell anstrengend und nervig. Hat man den Schlüssel aber einmal gefunden, dann wird man diesen nie wieder hergeben!
http://www.susannesundfor.com/
Text: Torsten Schlimbach