Gsindl: Unsdochwurschd

Gsindl: Unsdochwurschd

Donnerwetter Music

VÖ: 17.02.2011

 

Wertung: 7,5/12

 

Bands und Künstler haben es ja schon schwer genug, wenn sie die Texte ihrer Songs in deutscher Sprache verfassen. Noch schwerer wird es dann, wenn sich auch noch für einen Dialekt entschieden wird. Man muss dafür schon gehörig einen an der Klatsche haben, den Exoten-Bonus ausreizen wollen oder sich seiner Sache sehr sicher sein. Gsindl aus dem schönen Bayern sind sich ihrer Sache sehr, sehr sicher. Bayrische Rockmusik soll es sein. Mittlerweile ist „Unsdochwurschd“ die fünfte CD der Band.

 

„Unsdochwurschd“ ist dann auch Programm. Nein, Gsindl ist die Welt sicher nicht egal, davon kann man sich anhand der frechen und tiefgründig verdrehten Texte überzeugen lassen. Nein, es ist einfach komplett egal, ob sie mit ihren musikalischen Visionen den Nerv der Zeit treffen oder die bayrische Sprache nun ein Hemmschuh ist oder eben nicht. „Unsdochwurschd“ ist ehrliche und authentische Musik! Das muss man in der heutigen Zeit ja hin und wieder auch mal wieder erwähnen, denn mehr und mehr wird dies zu einer Rarität.

 

Die zwölf Songs sind zwar meist in Rockgefilden angesiedelt, Gsindl wagen aber auch immer wieder den Blick über den berühmten Tellerrand und so gibt es auch ein paar musikalische Schlenker. Aber keine Sorge, der rote und alles verbindende Faden hört auf den schönen Namen ROCK! Das macht Spaß, ist ambitioniert und mit einer gewissen Leichtigkeit durchzogen. Die Musik von Gsindl klingt nicht verkrampft und auch nicht verkopft. Genau daraus schöpft die Band ihre Stärke. Man muss sich und anderen nichts mehr beweisen – weil es für die ganz große Karriere sowieso nicht mehr langt? Warum eigentlich nicht, die Voraussetzungen sind eigentlich bestens?!

 

Was einem ein bisschen die Freude an „Undsdochwurschd“ nimmt, ist die dünne Produktion und die Abmischung. Die musikalische Vielfalt und ganz besonders der Gesang gehen so nämlich im Soundbrei etwas unter. Da ist noch einiges an Luft nach oben. Auf der anderen Seite können Gsindl eben auch nicht auf die großen Lösungen zurückgreifen, denn der potente Geldgeber im Hintergrund fehlt eben. Mit einem größeren Label im Rücken wäre da eventuell noch mehr drin gewesen.

 

Ansonsten macht die Scheibe eine Menge Spaß. Das Fernweh aus „Auf Und Davo“ kennt wohl jeder. Man muss nur mal den Popo hochkriegen. Die Nummer rockt und groovt wie Sau und das Ding bringt live wohl jeder Bühne zum einstürzen. Zudem zeigt sich auch, dass die Jungs ein feines Händchen für Melodien haben. Die Hommage an die Heimat mit „Bayern“ schließt sich da nahtlos an. Mit „Schabäzi“ gibt es dann eine faustdicke Überraschung. Das Ding ist irgendwo in der Mitte vom 90er Crossover zu finden und dem Funk der Red Hot Chili Peppers. Die Peppers kriegen allerdings so eine druckvolle Nummer nicht mehr hin.

 

„Wer Wia Wos“ erinnert nicht nur an die Sesamstraße, sondern an die Bläsersektion der Busters, die ein Die Ärzte Stück veredeln. Ska vom Feinsten, der sogar noch ein Kinderchor im Programm hat. Der Reggae von "Griabig´s Lebn“ schließt sich anschließend perfekt an. Allerdings fehlt hier auch etwas der Spannungsbogen und das Stück plätschert dann auch so ein bisschen dahin – oder surft auf einer entspannten Welle. Es kommt ja immer auf die Betrachtung an.

 

Dafür macht der Zungenbrecher „Novi Vinodolski“ einfach nur Spaß. Der kommt bei Gsindl sowieso nicht zu kurz. Wer es lieber direkt auf den Punkt gerockt mag, der wird mit dem knochentrockenen „Warsd Hoid Dahoam Bliem“ bestens bedient. „Weichnatsliadazeit“ ist die schönste Akustik-Untermalung zum Vorweihnachtswahn. Recht habt ihr, Jungs!

 

Fazit: Die Jungs von Gsindl haben mit „Unsdochwurschd“ wieder mal ein gutes Rockalbum mit Ska- und Reggaeeinschlag aufgenommen. Kritische Untertöne werden dabei immer mit einem Augenzwinkern präsentiert. Auch, wenn hier auf Bayrisch gesungen wird, ist das weit von folkloristischen Belustigungen entfernt. Gsindl drücken sich musikalisch und sprachlich einfach so aus, wie es für sie die ehrlichste Art zu sein scheint. Schade, dass die Abmischung und die Produktion da nicht Schritt halten kann. Man darf sich aber schon auf die - hoffentlich - sechste CD der Jungs freuen!

 

http://www.gsindl.de/

 

Text: Torsten Schlimbach