Unna-Trilogie (3 DVDs)

Unna-Trilogie (3 DVDs)

Turbine/Alive

VÖ: 05.05.2017

 

Wertung: 9/12

 

„Bang Boom Bang“ sorgte einst dafür, dass der deutsche Film endlich mal cool und witzig wurde. Nicht so bemüht. Natürlich sind die Anleihen klar und deutlich erkennbar. Quentin Tarantino hat hier deutlich sichtbar seine Spuren hinterlassen. Peter Thorwarth hat es aber geschafft, dass dieser Film seine Handschrift trägt und ganz sicher auch in Zukunft immer wieder von einer neuen Generation entdeckt werden wird. Der Streifen hat Kult-Potenzial. Es folgten mit „Was Nicht Passt Wird Passend Gemacht“ und „Goldene Zeiten“ noch zwei weitere Filme, die man gemeinhin als Unna-Trilogie kennt. Mittlerweile wurden die drei Komödien schon mehrfach veröffentlicht. Einzeln, aber auch in schicken Boxen, teilweise limitiert, konnte sich der geneigte Fan das schon zigfach in den Schrein stellen. Die Filme wurden dann auch restauriert und neu abgetastet und dem Zeitgeist entsprechend aufgehübscht. Nun erscheint die „Unna-Trilogie“ erneut in der 3 DVD und 3 Blu-ray-Variante. Hierbei handelt es sich um eine Ausgabe für den schmalen Geldbeutel, denn man kriegt die drei Scheiben zum Preis von einer!

 

Die Aufmachung orientiert sich natürlich dann auch am Preis. Das dürfte aber ja eigentlich auch logisch sein und man kann hier keine schmucke Box erwarten. Die Hülle gleicht der einer Einfach-DVD, nur kann man im Inneren eben die 3 Discs auf die Halterung stecken. Ein Booklet gibt es nicht, dafür aber ein Wendecover mit identsicher Vorder- und Rückseite. Das ist zweckmäßig und mehr braucht es im Grunde auch nicht. Dafür sind die jeweiligen DVDs ja randvoll mit Bonusmaterial und das kann sich nun wahrlich sehen lassen! Wir reden hier immerhin über 6 Stunden Bonusmaterial!

 

Die Bildqualität der jeweiligen Filme liegt in 2,35:1 vor. Das sollte man wissen, denn die Restauration und Abtastung der Box kommt in 1,78:1. Das Filmkorn ist so noch mal mehr sichtbarer und ein deutliches Rauschen ist da schon auszumachen. Das entpuppt sich keineswegs als störend, entspricht aber nun mal nicht mehr dem Standard und es gibt da mittlerweile eben auch schon bessere Versionen. Feinheiten lassen sich aber sehr gut ausmachen, auch die sanften Konturen. Die Kompression lässt übrigens keine Artefaktbildung erkennen. Die Farben wirken dabei etwas blass, aber auch das ist zu verschmerzen, da die Natürlichkeit trotzdem gegeben ist. Die Plastizität kommt immerhin gut zur Geltung.

 

Der Ton kann mit 5.1 Surround nicht gänzlich überzeugen und wirkt gerade bei „Bang Boom Bang“ und „Was Nicht Passt Wird Passend Gemacht“ etwas blechern. Die Surround-Effekte wurden dezent gesetzt, es fehlt allerdings etwas an der Dynamik. Die Abmischung konzentriert sich dabei auch eher auf die Front. Der Tiefbass bleibt weitestgehend außen vor. Das ist insoweit aber auch nicht tragisch, da die einzelnen Geschichten ja über weite Strecken sehr dialoglastig sind. Bei „Goldene Zeiten“ ist das gar noch stärker ausgeprägt. Die Mitten werden da sehr betont und die Dynamik der Höhen sind nicht sehr ausgeprägt und eher sanfter Natur. Unter dem Strich ist der Ton in dieser Form auf allen drei Discs in Ordnung bis sehr gut, reißt aber auch keine Bäume aus. Selbiges gilt auch für die Bildqualität!

 

Das Bonusmaterial ist derart üppig, dass man sich alleine damit mehrere Abende befassen kann. Da schlägt doch jedes Fanherz ein bisschen schneller. Wer möchte, kann sich beispielsweise das teilweise mit den Audiokommentaren von Peter Thorwarth und/oder Ralf Richter angucken. Das ist nicht nur witzig, sondern auch informativ. Es gibt Clips zu den Drehorten, zu den Spezialeffekten, unveröffentlichte Szenen, alternative Enden, Einblicke in den Schneideraum, Trailer, Musikvideos, Outtakes, Interviews, ungeschnittene Szenen und als Herzstück den Kurzfilm „Was Nicht Paßt, Wird Passend Gemacht“. Damals noch mit Diether Krebs in der Rolle des Werner Wiesenkamp. Auf diesem Kurzfilm von 1997 basiert schließlich der Spielfilm von 2002. Mehr Bonsumaterial, wie es auf diesen drei DVDs zu finden ist, geht eigentlich nicht. Feine Geschichte, gerade auch für die Fans!

 

Warum das nun „Unna-Trilogie“ genannt wurde, muss man ja nicht weiter erklären. Alle drei Filme beruhen aber auf in sich abgeschlossene Handlungen. Thorwarth hat es sich aber nicht nehmen lassen, trotzdem überall liebevolle Details einzubauen, die diese drei Werke letztlich miteinander verbinden. Christiaa Kahrmann taucht als Mark Kampmann dann sogar wieder in „Goldene Zeiten“ auf. Sein Charakter war ja schon aus „Bang Boom Bang“ bekannt. In „Was Nicht Passt Wird Passend Gemacht“ sieht man die Autoszene von Keek und Andy auf dem Baummarktparkplatz (ebenfalls aus „Bang Boom Bang“), Alexandra Neldel ist in „Goldene Zeiten“ wieder als Melanie dabei und selbst Henning Wehland ist dort kurz zu sehen, der immerhin mit den H-Blockx die Musik für den ersten Film der Trilogie beigesteuert hat.

 

Die Filme leben von den überzeichneten Figuren, dem pechschwarzen Humor und dem Proleten-Charme. „Bang Boom Bang“ ist auch heute noch der beste deutsche Komödiengangsterfilm der Nachkriegsgeschichte. Hier gibt es jede Menge Szenen und Dialoge, die man gerne und immer wieder zitieren kann. „Was Nicht Passt Wird Passend Gemacht“ ist eine nette Hommage an das Baugewerbe, aber auch etwas brav. „Goldene Zeiten“ ist letztlich zu lang ausgefallen und hat zu viele Nebenschauplätze. Letztlich haben aber alle drei Filme ihre Berechtigung und in ihrer Gesamtheit sind das einfach liebevolle Werke, die den besonderen Charme von Unna überzeichnen, aber auch nett in Szene setzen.

 

Fazit: Die Zweitverwertungskette der „Unna-Trilogie“ und deren einzelner Filme ist schon extrem groß. Die Filme – besonders „Bang Boom Bang“ - sollte aber jeder Filmbegeisterte kennen und in der Sammlung haben. Jetzt gibt es die „Unna-Trilogie“ erneut zu kaufen. In schlichter Aufmachung kriegt man da trotzdem das volle Programm geboten. Bild und Ton sind in Ordnung, das Bonusmaterial mehr als üppig. Die ganze Sause gibt es nun zum Preis einer Einzel-DVD oder Blur-ray zu kaufen. Wer da also noch eine Lücke in der Sammlung hat, sollte jetzt zugreifen!

 

http://www.turbine.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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